Samstag, 05. Mai 2018

Max von Milland: „Das Lied musste einfach raus“

Am Freitag hat Max von Milland sein neustes Lied veröffentlicht: „Herz über Bluat“. Worum es darin geht und warum das Lied einfach raus musste, erzählt der Liedermacher im Interview mit STOL.

Max von Milland hat sein neustes Lied vorgestellt. - Foto: YouTube
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Max von Milland hat sein neustes Lied vorgestellt. - Foto: YouTube

„Du bisch viel mehr als Boden und Bluat“: Die Botschaft des neusten Max-von-Milland-Lieds ist eine klare. Am Freitag wurde die Single veröffentlicht, das Album soll im Herbst folgen. Das Lied über Heimat, über Boden und über Blut sei ein sehr wichtiges für ihn, schreibt der Liedermacher in seinem Newsletter. Warum, hat er uns bei einem schnellen Telefonat aus München erklärt.

STOL: Ihr neuster Song heißt „Herz über Bluat“. Was war der Auslöser, dieses Lied zu schreiben?

Max von Milland: Mein letztes Album ist 2015 erschienen und seither hat sich sehr viel getan. Die Welt hat sich verändert, und mich als Liedermacher hat die Richtung, in die sich die Welt entwickelt, mitgenommen. Das Lied ist von ganz alleine aus mir herausgeflossen, es musste einfach raus.

STOL: Was ist die Kernaussage des Liedes?

Max von Milland: Es geht vor allem darum zu betonen, dass jeder, der Heimat fühlt und sein Herz am rechten Fleck hat, auch überall ein Zuhause finden soll – ohne Abgrenzung. Jeder, der es sich wirklich wünscht, soll willkommen sein. Ganz plakativ: Liebe über Herkunft, oder in Watt-Sprache ausgedrückt: „Herz sticht Bluat“.

STOL: Was sollte der richtige Umgang sein, wie sollte man sich verhalten?

Max von Milland: Das ist natürlich sehr schwer zu sagen, denn wer weiß schon im Absoluten, was richtig und was falsch ist. Mein persönlicher Standpunkt ist einfach der, dass derzeit viele Ängste geschürt und viele Sachen gesagt werden, die so nicht stimmen. Auch habe ich das Gefühl, dass viele den Begriff „Heimat“ sehr einseitig definieren. Man kann nicht pauschal sagen: Du bist nicht von hier, deshalb gehörst du auch nicht hier her. Es gibt viele, die nach Südtirol ziehen und dort ihre Heimat finden. Und die darf man nicht ausgrenzen. Das heißt natürlich nicht, dass sie sich alles erlauben dürfen, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. Es geht – wie gesagt – um jene, die das Herz am rechten Fleck haben und hier mittlerweile zuhause sind.

STOL: Das klingt, als hätten Sie diese Diskussion schon öfter geführt.

Max von Milland: Ich denke, dass mittlerweile jeder Menschen kennt, die pauschal etwas ablehnen. Sie haben Angst, ihre Identität zu verlieren, wenn sie sich etwas Neuem öffnen. Jeder hat anfangs Angst vor Veränderung, weil niemand weiß, wohin sie führen kann. Das heißt aber nicht, dass die Veränderung etwas Schlechtes sein muss, immerhin verändert sich die Welt doch die ganze Zeit. Leider kanalisieren manche ihre Angst auf andere Menschen, weil sie das Gefühl haben, es gehe ihnen durch deren Präsenz schlechter. Meine Meinung ist: Wir sollten nicht das Symptom, sondern die Ursache bekämpfen und uns fragen: Warum ist die Situation, wie sie ist? Es geht um Respekt und darum, andere Menschen nicht auszugrenzen.

STOL: Was wünschen Sie sich für Südtirol?

Max von Milland: Ich bin überzeugt davon, dass in Südtirol bereits der europäische Geist lebt, und den müssen wir beibehalten. Wir haben den großen Vorteil, nicht nur 2-, sondern 3-sprachig zu sein, und sind Vielfalt eigentlich gewohnt. Mir geht es um die weltweite Situation. Ich möchte betonen: Das Lied soll bestimmt nicht dazu dienen, andere mit erhobenen Zeigefinger zu kritisieren. Das wollen wir auch in dem Video zeigen, in dem wir viel mit Spiegeln gearbeitet haben: Jeder muss bei sich selbst anfangen. Ich verurteile sicher niemanden, weil er andere Bedenken oder Ängste hat als ich. Aber ich möchte einen Anstoß geben, zu überlegen: Kritisiere ich vielleicht gerade einen Menschen, der das Herz eigentlich am rechten Fleck hat, aber für seine derzeitige Situation einfach gar nichts kann?

Interview: Elisabeth Turker

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Am Donnerstag, 10. Mai, tritt Max von Milland im Bozner Sudwerk auf. Beginn ist um 21 Uhr.

stol