Samstag, 30. Mai 2020

20 Stunden am Flügel: Igor Levit live im Klavier-Marathon

Der Pianist Igor Levit hat am Samstag einen Klavier-Marathon gestartet und will bis zum späten Sonntagmorgen rund 20 Stunden ununterbrochen am Flügel spielen. Um Punkt 14.00 Uhr setzte sich Levit in einem Berliner Studio an den Flügel und begann mit Eric Saties Werk „Vexations“ (etwa Quälereien).

Igor Levit will mit der Aktion auf die Notlage der Musiker angesichts der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie aufmerksam machen.
Igor Levit will mit der Aktion auf die Notlage der Musiker angesichts der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie aufmerksam machen. - Foto: © Twitter/igorpianist
Das Werk passt auf eine Notenseite, hat aber 840 Wiederholungen. Mit seiner Aufführung wolle er auf die Notlage der Musiker angesichts der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie aufmerksam machen, hatte Levit zuvor erklärt.

Der 33-Jährige hatte die Notenblätter mit jeder einzelnen Wiederholung neben sich auf dem Flügel gestapelt. Nach dem Ende einer Wiederholung ließ er jedes einzelne Blatt auf den Boden fallen und nahm sich das nächste vor. Das Konzert wurde über mehrere Kanäle gestreamt, auch über Levits Twitter- und Instagram-Accounts.



„Diese Zeit, sie ist für uns Künstler brutal – körperlich, mental, emotional. Und deswegen, glaube ich, passt dieses Werk so gut: um die Aufmerksamkeit auf den Zustand zu richten, in dem wir uns befinden“, hatte Levit der Deutschen Presse-Agentur gesagt.

„Wie ein stummer Schrei“

Satie (1866-1925) hat das Werk Ende des 19. Jahrhunderts komponiert. Eine deutliche Melodie ist in dem atonalen Werk auf Anhieb nicht zu erkennen, der französische Komponist hat als Tempo „sehr langsam“ angegeben. Das Stück besteht aus 3 Notenzeilen, die ein musikalisches Thema variieren. „Vexations“ gilt als einer der längsten Kompositionen der Musikgeschichte. Uraufgeführt wurde es 1963 in New York unter Federführung des Komponisten John Cage.

Das Werk sei in seiner Monotonie und Grenzwertigkeit wie „ein stummer Schrei“, hatte Levit gesagt. Auf die „körperliche und mentale Grenzerfahrung“ der Aufführung habe er sich nicht besonders vorbereitet. Er sei bisher nie länger als zweieinhalb Stunden am Klavier gesessen. In den vergangenen Wochen hatte Levit Dutzende „Hauskonzerte“ gestreamt und war auch zu einer Aufführung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf Schloss Bellevue eingeladen worden.

Levit gilt als einer der bedeutendsten Pianisten der jüngeren Generation. Er wurde 1987 im russischen Nizhni Nowgorod geboren, und zog mit acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland, wo er an der Musikhochschule Hannover studierte.

dpa

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