Mittwoch, 21. Juli 2021

75. Bregenzer Festspiele eröffnet

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Mittwoch in seiner gewohnt launigen Art die 75. Bregenzer Festspiele eröffnet.

Die Festgäste spendeten wiederholt großen Applaus bei der Eröffnung der 75. Bregenzer Festspiele.
Die Festgäste spendeten wiederholt großen Applaus bei der Eröffnung der 75. Bregenzer Festspiele. - Foto: © DIETMAR STIPLOVSEK
Die Festgäste spendeten wiederholt großen Applaus, gerade auch für sein Verhalten hinsichtlich des „Ibiza“-Untersuchungsausschusses. Den künstlerischen Auftakt des Festivals - das unter „3G-Bedingungen“ stattfindet - bildet am Abend die Premiere von Arrigo Boitos „Nero“ im Festspielhaus. Bis 22. August gibt es insgesamt 80 Veranstaltungen zu sehen.

Wie bereits 2019 machte der Bundespräsident die Kunst nur am Rande seiner in der Anmoderation als „Predigt“ angekündigten Ansprache zum Inhalt seiner Rede. Vielmehr sprach er nach vielen Monaten der Pandemie („Lassen Sie uns gemeinsam hoffen, dass wir das Gröbste hinter uns haben“) über Zusammenhalt, Gleichberechtigung, den respektlosen Umgang mancher Politiker mit den Institutionen des Staates und - ebenfalls wie 2019 - über die Klimakrise.

Es tue gut, wenn er nun wieder persönlich durch Österreich reisen und das eine oder andere im persönlichen Kontakt mit den Menschen besprechen könne, sagte das Staatsoberhaupt. Es gebe doch einiges, was man direkt aus dem Mund der Menschen hören sollte.

Die Pandemie habe an vielen Frauen „wirklich gezehrt“, Betreuungsarbeit und Homeschooling seien im Wesentlichen an den Frauen hängen geblieben. „Das sollten wir nicht hinnehmen. Es braucht eine Änderung in den Köpfen aller und den Geldbörsen der Frauen“, stellte Van der Bellen fest. Er verstehe nicht, warum man es Frauen möglichst schwer mache, Chancen auf dem Arbeitsmarkt wahrzunehmen.

In Sachen Politik sagte der Bundespräsident - ohne konkret zu werden, aber ganz offensichtlich in Anspielung auf den Untersuchungsausschuss zum Ibiza-Video bzw. auf das Verhalten von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) -, dass die Leute sehr unzufrieden seien, wie mit den Institutionen des Staates umgegangen werde, insbesondere mit der Verfassung. Er sei selbst erstaunt gewesen, „dass mich ein über 100 Jahre alter Artikel der Verfassung zu Tätigkeiten veranlasst hat“, so Van der Bellen.

Am meisten Sorge bereite aber die Klimakrise mit all den schrecklichen Hitze- und Überflutungsbildern der vergangenen Wochen. „Wir müssen uns Sorgen machen. [...] Zu den Menschenpflichten gehört es, finde ich, unser Haus den nächsten Generationen in Ordnung zu übergeben“, unterstrich der Präsident. Man dürfe aber nicht in einen Fatalismus verfallen oder allzu pessimistisch werden, „wir wissen schon, dass wir das Zeug haben, mit Krisen fertig zu werden“. Es müsse aber jeder das Seine beitragen, und: „Wir werden unsere Lebensweise umstellen müssen.“ Die Ziele seien definiert, er wolle aber Maßnahmen sehen. „Wir müssen schneller ins Tun zu kommen, das schaffen wir auch“, so Van der Bellen. Die Bregenzer Festspiele, denen er zum 75. Geburtstag gratulierte, würdigte er als „das“ Festival der Zweiten Republik, das das Kulturverständnis der Republik widerspiegle.

Nach einjähriger Corona-Pause - und entsprechenden Einbußen auf der Einnahmenseite - zeigten sich die Festspiel-Verantwortlichen im Vorfeld der Eröffnung sehr zufrieden mit dem Ticket-Absatz. Insgesamt stehen 80 Veranstaltungen auf dem Programm, für die 212.000 Karten aufgelegt wurden. Mindestens 85 Prozent der Tickets waren zu Festspiel-Beginn bereits gebucht. Für die 28 Aufführungen von Giuseppe Verdis „Rigoletto“ auf der Seebühne gelangten 192.000 Karten in den Verkauf. Die „Rigoletto“-Premiere wird am Donnerstagabend gefeiert.

Die live im TV übertragene Eröffnung profitierte vom Humor des Bundespräsidenten und den Darbietungen der Festspiel-Künstler. Van der Bellen ging in seiner beliebten Art immer wieder in direkten Kontakt mit dem Publikum und sorgte mit Zwischenbemerkungen für Lacher. Besonders gut kam wie in den vergangenen Jahren Moderator Nikolaus Habjan an, der mit seiner Handpuppe (der Diva „Lady Bug“) und subversiven Ansagen für beste Unterhaltung sorgte und Georg Kreislers „Alles nicht wahr“ sang. Ebenso prägend wie die Reden waren für die Eröffnungszeremonie aber die Auszüge von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Festspielprogramm. So gab es unter anderem Darbietungen aus „Rigoletto“ und „Nero“. Die Wiener Symphoniker präsentierten einen Auszug aus Richard Wagners „Das Rheingold“. Zu sehen und zu hören waren außerdem Eindrücke aus anderen Produktionen wie Michel van der Aas Filmoper „Upload“ oder den Theaterstücken „Michael Kohlhaas“ (Heinrich von Kleist) und „Lohn der Nacht“ (Bernhard Studlar). Von Gioachino Rossinis Oper „Die Italienerin in Algier“ wurde das Finale des ersten Akts gezeigt, einen ersten Einblick gab es auch in Alexander Moosbruggers Oper „Wind“, die in Bregenz uraufgeführt wird. Eine Uraufführung bei der Eröffnung war auch „In freier Natur“ von Marcus Nigsch, „eine Schwärmerei zum 75-jährigen Jubiläum der Festspiele“.

Während die Eröffnung im Festspielhaus ihren gewohnten Gang nahm, musste der traditionelle Empfang für die Vorarlberger Bevölkerung auf dem Vorplatz des Festspielhauses Corona-bedingt entfallen. Der Festspielbezirk war allerdings für Genesene, Getestete und Geimpfte geöffnet, Flanieren über den Platz der Wiener Symphoniker - so der offizielle Name des Vorplatzes - war also möglich.

apa