Viele Anekdoten mit großen Meistern und außergewöhnlichen Musikerinnen begleiten ihn sein Leben lang. <BR /><BR /><BR /><b>Bei jeder Pressekonferenz habe ich beobachtet, wie sehr Sie sich für die großen Meisterwerke der Musikliteratur begeistern können. Woher rührt dieser Enthusiasmus?</b><BR />Renzo Caramaschi: Zu meiner Zeit hatten wir leider in der Schule keinen Musikunterricht. Als ich 13 war, kam die Vereinigung der musikalischen Jugend in die Schule und spielte Platten ab, darunter das1. Klavierkonzert von Tschaikowski oder Dvoráks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Ab dem Moment war es um mich geschehen. Von meinen Eltern wünsche ich mir dann zu Weihnachten eine Platte: Die 3. Sinfonie, die Eroica, von Beethoven.<BR /><BR /><BR /><b>Als Sie Ihre Arbeit in der Bozner Stadtgemeinde aufnahmen, waren Sie für die Kultur zuständig mit dem Auftrag: „Machen Sie etwas Schönes.“ Sie haben dazu beigetragen, dass Bozen Bezugspunkt für das EUYO wurde und dass der große Maestro Claudio Abbado 1986 das GMJO hier gründete. Wie konnten Sie den berühmten Dirigenten dazu bewegen, in die kleine Provinzstadt zu kommen?</b><BR />Caramaschi: Als ich im Dom von Siena ein Konzert mit Abbado erlebte, ist die Idee entstanden. Es war dann ein unglaublich langwieriger bürokratischer Aufwand, den Maestro nach Bozen zu holen. Zuerst kam die Generalsekretärin des European Union Youth Orchestra aus London angereist, die keine Ahnung hatte, wo Bozen liegt. Es gefiel ihr hier, und ab 1982 kam Abbado regelmäßig, um das das EUYO zu dirigieren. Hier fand er Internationalität und eine Stadt, die einst getrennt war, aber einen Modus Vivendi gefunden hatte – ein Vorzeigemodell in politischer, sozialer, kultureller Hinsicht. <BR /><BR /><BR /><b>Viele große Talente haben in ihrer Jugend in Bozen Halt gemacht und erinnern sich noch gerne an die Stadt. Fällt Ihnen da ein Name ein?</b><BR />Caramaschi: Unser Klarinettist Marco Postinghel, er spielte bei den Berliner Philharmonikern. Danach ging er zum Bayrischen Rundfunk, nur um unserer Stadt näher zu sein. Da fällt mir noch Carlos Spierer oder Sergiu Celibidache ein. <BR /><BR /><BR /><b>Hat der Aufenthalt dieser großen Meister hier auch dazu beigetragen, dass Bozen zur Musikstadt der UNESCO ernannt wurde?</b><BR />Caramaschi: Um das zu erreichen, musste ich sogar eine Prüfung ablegen. Ausschlaggebend war dann auch die Tatsache, dass hier verschiedene Kulturen sich respektvoll begegnen. Jungen Musikern und Musikerin aus der ganzen Welt hier zuzuhören, vermittelt ein starkes Signal von Frieden und Fortschritt. <BR />(eva)