Wir haben mit der Musikerin gesprochen.<BR /><b><BR />von Ferruccio Delle Cave</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317588_image" /></div> <BR /><BR />Schon im Alter von acht Jahren hat sie ihren ersten Klarinettenunterricht erhalten und schloss 2013 ihr Bachelorstudium am Konservatorium „Claudio Monteverdi“ bei Roberto Gander ab. Meisterkurse an der Musik- und Kunst-Privatuniversität Wien und ein Magisterstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien rundeten ihre frühe Karriere ab. <BR /><BR />Andrea Götsch ist Preisträgerin verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe, so der „Yamaha Music Foundation of Europe“, mit ersten Preisen beim „Rising Stars Grand Prix International Music Competition“ Berlin, beim „International Music Competition 'Salzburg' Grand Prize Virtuoso“ und beim „Concorso Giovani talenti per la musica“. Bereits früh sammelte sie Orchestererfahrungen im „European Union Youth Orchestra“ EUYO sowie als Akademistin bei den Wiener Philharmonikern mit Bühnenmusikverträgen bei den Salzburger Festspielen und als Orchesterakademistin der Nürnberger Symphoniker. Namhafte Dirigenten haben ihren Weg als Orchestermusikerin und Solistin begleitet, etwa Christian Thielemann, Daniel Barenboim, Zubin Mehta, Andris Neslons, Daniel Harding und Victor Petrenko. <BR /><BR />Seit Jahren schon tritt sie auch als Dirigentin auf, so mit der „Ehrphilharmonie Wien“, dem „Wiener Mozartorchester“ und dem Frauenorchester „La Philharmonica“, das sie 2024 mitbegründet hat. <BR /><BR />Mit dem „Orchester der Musikfreunde“ verbindet sie eine jahrelange intensive Zusammenarbeit, die nächstens von Algund aus nach Kaltern und St.Ulrich führen wird. Unter ihrer Stabführung werden Georges Bizets erste „Arlesienne-Suite“, Joseph Leopold Eyblers Klarinettenkonzert in B-Dur, HV 160, Samuel Barbers berühmtes „Adagio for Strings“ Op. 11 und Schuberts Dritte in D-Dur erklingen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317591_image" /></div> <BR /><BR /><b>In den drei kommenden Konzerten der Musikfreunde wechseln Sie zwischen Ihrem Soloinstrument, der Klarinette, zum Dirigentinnenstab. Sie haben bereits eine beachtliche Erfahrung als Dirigentin gemacht. Wie fühlt sich das an, wenn man von den Orchesterreihen ans Pult wechselt?</b><BR />Andrea Götsch: Im Herbst 2023 habe ich zum allerersten Mal ein Konzert dirigiert, das war beim Jubiläumskonzert des Orchesters der Musikfreunde. Vorher habe ich zwei Masterclasses zum Dirigieren besucht. Diese Erfahrung hat mir viel positive Energie und Freude gegeben. Deshalb habe ich beschlossen, dem Dirigieren mehr Zeit zu widmen. In den letzten zwei Jahren ist es mir gelungen, eine ganze Reihe von Konzerten zu dirigieren, hauptsächlich in Wien, aber auch in Deutschland und in Südkorea, wo ich das „Daegu Symphony Orchestra“ in einer Operngala und mit Beethovens „Siebter“ geleitet habe. Auch in Zukunft möchte ich dem Dirigieren mehr Platz einräumen. Dabei finde ich den Perspektivenwechsel total interessant, ich habe auch perspektivisch viel dazugelernt. Früher konnte ich gar nicht abschätzen, was eine Dirigentin alles zu leisten hat. Jetzt kann ich es genau nachvollziehen und genieße es, vor dem Orchester zu stehen und Inputs zu geben, die Musiker zu motivieren und Musik zu gestalten. Diese verschiedenen Rollen mag ich sehr, weil ich auch die zu spielenden Werke aus zwei verschiedenen Perspektiven erfahren darf. Und so entsteht für mich ein ganzheitlicher Aspekt von Musikinterpretation. Zu dieser Erfahrung gehören eben auch die Auftritte als Solistin und in kammermusikalischen Formationen. <BR /><BR /><BR /><b>Neben Musik von Schubert, Bizet und Samuel Barber werden Sie auch auf Ihrem Instrument ein Konzert des Mozart-Zeitgenossen Joseph Leopold Eybler im Konzert der Musikfreunde in Szene setzen. Eyblers Musik ist heute nahezu unbekannt. Wie kamen Sie auf diesen vergessenen Komponisten und auf sein Klarinettenkonzert?</b><BR />Götsch: Bis vor zwei Jahren kannte ich Eyblers Werke überhaupt nicht. Ich wurde darauf angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, dieses Konzert einzustudieren und zu spielen, und zwar mit dem ungarischen „Györ Philharmonic Orchestra“. Ich fand das Konzert total cool, weil es vor allem im letzten Satz etwas Tänzerisches in sich hat. Aber auch der zweite, langsame Satz ist sehr schön. Der erste ist sehr virtuos, ein Werk, das zu Unrecht kaum bekannt ist! Und so habe ich Eyblers Konzert auch den Musikfreunden vorgeschlagen, als Pendant zu Mozarts großartigem Klarinettenkonzert, das so viel gespielt wird und das ich selbstverständlich sehr liebe. Eybler war ja ein Mozartschüler und eng mit dem Musiker verbunden. Eigentlich hat Konstanze Mozart Eybler gebeten, Mozarts Requiem fertig zu schreiben. Er hat dann diese Aufgabe Süßmeier übergeben, weil er zu großen Respekt vor Mozart gehabt hat. Es fällt mir bei Eyblers Konzert auf, dass es sehr klassisch klingt, aber auch volksmusikalische Passagen beinhaltet, etwa Lockeres, Lustiges und Tänzerisches. Auch verwendet Eybler im Orchester Klarinetten, was für ein Klarinettenkonzert absolut unüblich war und ist. Und dann im Dezember werde ich Mozarts Klarinettenkonzert mit dem Haydn Orchester unter der Leitung von Ingo Metzmacher spielen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317594_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie halten den Damen und Herren des Orchesters der Musikfreunde die Treue, obwohl Sie als feste Musikerin der Wiener Philharmoniker und Mitglied mehrerer Ensembles seit Jahren nunmehr ein übergroßes Pensum absolvieren. Was schätzen Sie an diesem Orchester?</b><BR />Götsch: Ich kenne das Orchester selbst ja nicht so gut, aber meine allerersten Erfahrungen als Musikhörerin verdanke ich diesem Orchester. Meine Mutter war da noch als Geigerin dabei. Als kleines Mädchen war ich vom Streicherklang total begeistert. Dann habe ich das Orchester als Solistin kennen gelernt, als ich am Anfang meines Studiums stand und fand es sehr schön, mit den Musikerinnen und Musikern auftreten zu dürfen. Ich habe immer die freundliche Art und den respektvollen Umgang miteinander geschätzt. Ich bin auch wahnsinnig dankbar, dass ich das Orchester, neben seinem festen Dirigenten, Michael Hillebrand, leiten durfte. Schön fand ich, wie motiviert die Orchestermusiker ans Werk gehen. Sie bemühen sich sehr, schöne und bedeutende Konzerte zu verwirklichen. Das klassische Repertoire um Mozart, Haydn, Schubert und Beethoven liegt diesem Orchester, ist aber keinesfalls einfach, man muss da schon viel arbeiten und sich total auf diese Musik konzentrieren. Wir spannen ja in den kommenden Konzerten den musikalischen Bogen sehr weit, klassisch mit Eybler und Schubert, das 20. Jahrhundert mit Barber. <BR /><BR /><BR /><b>Und was werden die nächsten Etappen als Solistin und Orchestermitglied sein?</b><BR />Götsch: Es steht noch Einiges als Dirigentin an, mit vielen schönen Konzerten vor allem in Deutschland. Außerdem sind wir sieben Frauen aus den Wiener Philharmonikern mit „La Philharmonica“ im Herbst auf Korea-Tournee. Und den Wienern werde ich in Luzern beim Festival und bei den Salzburger Festspielen dabei sein. <BR /><BR /><Fett><BR />Termine:</Fett><BR />29. Mai, 20.30 Uhr, Thalguterhaus Algund <BR />30. Mai, 20.30 Uhr, Pfarrkirche Kaltern<BR />31. Mai, 10 Uhr, Matinee in St. Ulrich in Gröden.<BR /><h3> Das Orchester der Musikfreunde</h3><BR />Es ist das einzige Laienorchester Südtirols aus Algund mit regelmäßiger Probentätigkeit und mindestens zwei Konzertauftritte jährlich. Es umfasst ca. 50 Mitglieder aus allen Teilen der westlichen Landeshälfte und besteht etwas mehr als seit 60 Jahren. Musikschulabgänger (Streicher), begabte Bläser, und Absolventen des Konservatoriums sind im Orchester ebenso eingebunden wie verschiedenen Chöre. Vordergründig werden vernachlässigte Werke aus Barock und Klassik aufgeführt aber auch modernere Kompositionen und Werke der Romantik. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf Werken mit Tirolbezug bzw. die Aufführung von Werken Tiroler Komponisten. Wichtig ist auch die Förderung junger Gesangs-, und Instrumentalsolisten.