<b>„Metamorphosen“, die Uraufführung der Vereinigten Bühnen Bozen, verspricht etwas Besonderes zu werden: ein Popkonzert gepaart mit Schauspiel. Wie habt ihr die Inhalte gemeinsam mit den Theaterleuten entwickelt?</b><BR />Nora Pider und Julian Angerer: Wir haben uns schon im Vorfeld öfter mit dem Regisseur Felix Hafner in Wien getroffen, über mögliche Inhalte ausgetauscht und gemeinsam Recherche betrieben. In den Vorbereitungen haben wir erste Eckpunkte fixiert. Mit Probenbeginn hatten wir die Songs bereits festgelegt und Felix hat eine rohe erste Fassung des Textes mitgehabt. <i>Stop Making Sense</i> von den Talking Heads war eine große Inspiration für uns vor allem auf formaler Ebene. In den Proben haben wir gemeinsam mit dem Ensemble das Stück weiterentwickelt und Felix Hafner hat das Ganze in Textform gebracht. <BR /><BR /><b>Antike Mythen sind Erzählungen, die vielen bekannt sind. Wie aktuell sind sie für euch? </b><BR />Pider und Angerer: Die Mythen sind für uns alle sehr aktuell. Auch wenn es auf einer unbewussten Ebene passiert, beeinflussen uns die großen Erzählungen in unserem Alltag. Sie reproduzieren allerdings oft sehr patriarchale Strukturen, welche wir im Stück mehrfach aufbrechen, hinterfragen und nach neuen Wegen der Erzählungen suchen. <BR /><BR /><b>Auch in der Popkultur spielen Mythen eine wichtige Rolle, z. B. Monster, Aliens, Superhelden in Comics, Science-Fiction, Computerspielen. In der Musikgeschichte des Pop gibt es ebenfalls Mythen, spielen sie in das Projekt hinein?</b><BR />Pider und Angerer: Wir behandeln das Thema auch auf der Pop-Ebene und beziehen uns beispielsweise auf Disneys Hercules, auf Beyoncés Renaissance Tour, auf verschiedenste Romcoms der frühen 2000er Jahre, oder haben uns auf Bildebene angeschaut, was das Modelabel Versace mit der Medusa gemein hat. <BR /><BR /><b>Eure bisherigen Kompositionen haben vor allem das große Thema Liebe zum Inhalt, als „Hedonistenpop for Lovers“ hat Julian Angerer euren Stil selbst charakterisiert. Werden „Metamorphosen“ auch von der Liebe erzählen? </b><BR />Pider und Angerer: Wir haben uns auch diesen größten Mythos vorgenommen. Liebe zieht sich als Thema durch unsere Arbeit als Band und im Stück gibt es ebenfalls einen Strang dazu. <BR /><BR /><b>Pop ist mehr als Musik, er spiegelt kulturelle Umbrüche, reagiert direkt auf die Stimmung unserer Zeit, liefert ein Panorama der Gegenwart – auch in dieser Uraufführung? </b><BR />Pider und Angerer: Wir beziehen uns sehr auf die Gegenwart und nutzen die Sprache des Pop, um uns kritisch mit unseren gesellschaftlichen Regeln auseinandersetzen. Wir zeigen Lücken auf, welche es zu füllen gibt und geben marginalisierten Gruppen eine Stimme.<BR /><BR /><b>Ihr werdet uns mit neuen Songs überraschen, die ihr in dieser Uraufführung das erste Mal vorstellt. Fordert ihr das Publikum heraus oder gilt eher die Devise: Hauptsache Spaß? </b><BR />Pider und Angerer: Unsere Devise lautet: its showbiz, baby! Natürlich wollen wir unser Publikum unterhalten und das tun wir auch. <BR /><BR /><b>Euer erstes Album wurde von der Kritik als „entrückt“ charakterisiert; sanft und melodisch, zum nächsten Album habt ihr auf der Homepage einen kleinen Steckbrief verfasst: „Wir sind wieder politisch. Wir sind laut. Wir schreien. Und wir tanzen“. Ist der sogenannte „Millenials-Pop“ wieder vermehrt kritisch?</b>Pider und Angerer: Wir sind und waren immer eine politische Band. Die drohende Klimakrise, der politische Rechtsruck und Kriege sind die großen Herausforderungen unserer Zeit und beeinflussen natürlich auch unser Schaffen. Wir thematisieren in unserem neuen Album, welches im Herbst erscheint, unterschiedlichste Facetten des Seins. Im Stück „Metamorphosen“ werden wir exklusiv 3 Nummern aus unserem neuen Album spielen. Viele unserer neuen Songs beschäftigen sich mit unserer eigenen Verwandlung als Personen und Band. <BR /><BR /><b>Stimmt es, dass Techno die letzte echte Innovation der Popmusik war und seither vorwiegend die Vergangenheit recycelt wird? </b><BR />Pider und Angerer: Wir orientieren uns vermehrt am amerikanischen HipHop und haben das Gefühl, dass sich dieses Genre am meisten traut und umgekehrt den Pop am meisten beeinflusst. Künstler wie Tyler the Creator, Lil Yachty oder SZA inspirieren uns mit ihren Grenzgängen und zeigen, was möglich ist. Es wird recycelt, das stimmt, aber immer wieder neu zusammengesetzt und dass ist auch das Spannende am Erschaffen von Songs. <BR /><BR /><b>Pop kann sehr glatt sein, was unterscheidet für euch guten von schlechtem Pop?</b><BR />Pider und Angerer: Gut oder schlecht ist nicht die Bewertungsskala, an die wir glauben. Wenn die Musik die Menschen bewegt und ihnen Energie gibt, dann hat sie das Ziel erreicht.<BR /><BR /><b>Die (Selbst)Inszenierung, Körperlichkeit, spielt im Pop generell eine wichtige Rolle. In „Metarmophosen“ seid ihr vermutlich auch als Schauspieler und Tänzerinnen gefordert. Freut ihr euch über diese besondere Herausforderung? </b><BR />Pider und Angerer: Es ist besonders schön, unsere Songs gemeinsam mit einem so großen Ensemble zu performen und mit wuchtigen Kostümen und großen Gesten zu unterstreichen. Es ist eine schöne Challenge für uns gewesen, ein gleichwertiges Konzert mit Theater und umgekehrt zu erschaffen und es hat großen Spaß gemacht bisher. Wir sind sehr dankbar für diese Möglichkeit. <BR /><h3> Termine</h3>Premiere: heute, Samstag 20. Jänner, 20 Uhr, Großes Haus, Stadttheater Bozen. Weitere Aufführungen: 25., 26., 27. Jänner, 20 Uhr, 28. Jänner, 18 Uhr – Stückeinführung: 26. Jänner – www.theater-bozen.it<BR />