Angesichts der Siegeschancen des rechtsgerichteten Front National mit der Kandidatin Marine Le Pen sagte Barenboim: „Der Nationalismus ist ein Ausdruck des Unbehagens mit der Globalisierung, aber er ist das Gegenteil von wahrem Patriotismus.“Er könne zwar den Unmut vieler französischer Wähler über die bisherigen Regierungen in Paris nachvollziehen. Ein nationalistischer Rückschlag wäre aber fatal für Europas Zukunft.Die EU habe die Idee eines europäischen Kulturraums aufgegeben. „Das hat nichts mehr mit den Vorstellungen von Francois Mitterrand und Helmut Kohl zu tun.“ Der ursprüngliche Gedanke, dass sich etwa Franzosen und Deutsche auch über ihre Kultur verständigen und besser kennenlernen sollten, „über Beethoven und Thomas Mann, über Ravel und Baudelaire“, sei einer rein wirtschaftlichen Ausrichtung gewichen. „Der Euro alleine reicht aber nicht aus.“In Frankreich findet an diesem Sonntag die erste Runde der Präsidentenwahlen statt. Der Sozialliberale Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen lagen in Umfragen zuletzt vorne.apa/dpa