<?Schrift SchriftWeite="94ru"> Welche aufregenden Dinge an einem ursprünglichen Unort passieren, wie sich Menschen aus überall her dort niederlassen, was Künstler, Forscher, Innovative Geister und zukunftsorientierte Südtiroler dort machen, ist im folgenden Rundgang durch den Innovationshub und im Interview mit Hannes Götsch nachtzulesen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="798935_image" /></div> <BR /><BR />Nicht nur unter den vielen Einheimischen, welche die Räumlichkeiten im im Drusus-Kasernenareal in Anspruch nehmen, um sich beruflich und künstlerisch zu entfalten, sondern auch unter den zahlreichen internationalen Gästen. Im zweiten Stockwerk unterhält sich am Telefon eine blonde Niederländerin. Ein Programmierer aus Deutschland sitzt in einem Korridor und bastelt an seinem Smartphone. Aus Australien stammt ein anderer Co-worker: Er arbeitet für den Berliner Senat, zeichnet digitale Stadtpläne Berlins. Die Lebensattraktivität des Ortes brachte ihn in den Vinschgau, er mag die Stimmung. BASIS sieht sich übrigens als Vorreiter in der Verbindung von Arbeit und Urlaub, in der sogenannten „Workation“. Dementsprechend bietet sie Maisonettes zu leistbaren Preisen.<BR /><BR /><BR /><b>Kreativwirtschaft</b><BR /><BR /><BR />Ein Schwerpunkt liegt auf lokalgewachsenen Kompetenzen in Kunst und Kreativwirtschaft. Ein Coworking-Space für Freiberufler, Digitalnomaden und Grafiker verfügt über eine ausgedehnte Infrastruktur. Hinzu kommen Bildungsräume für Unternehmen, Werkräume für die Konstruktion von Prototypen, ein Film- und Fotostudio, Ateliers, kreative Werkstätten und Räumlichkeiten zu Gesellschaftsbegegnungen. Eine modern ausgestattete Küche eignet sich für Experimente bei der neuen Kulinarik oder Fusionsküche. Gemeinschaftlich-öffentliche Räume laden ein breiteres Publikum ein. <BR /><BR />Spannend wird es im <b>Kasino,</b> wo Theatervorstellungen und Clubbings regelmäßig stattfinden. Spitzentechnologie gesellt sich zu einer perfekten Akustik. Alcons-Lautsprecher gewährleisten einen erstklassigen Klang. Kein anderer Standort im Alpenraum stellt den Benutzern einen derartigen Raum bereit. Zu Gast waren im heurigen April ca. 120 Studierende des Master-Studienganges Eco-Social Design der Universität Bozen im Rahmen der wissenschaftlichen Tagung „By Design or by Disaster“ zum Fachthema „Radical Care“.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="798938_image" /></div> <BR /><BR />Um sich ein Bild von BASIS zu machen, muss man unbedingt einen Rundgang machen. Bereits am Eingang des Hauptgebäudes erheben sich Kinderstimmen. Es handelt sich um eine Lehrveranstaltung: Codings for Kids im digitalen Bereich. Die Buben können kaum an sich halten, während sie zügig an der Tastatur tippen. Ihre Begeisterung wirkt ansteckend.<BR /><BR /><BR />Neben dem Hauptgebäude steht die großräumige Kreativwerkstatt, noch ein Bauteil der ehemaligen Drusus-Kaserne. Hohe Noten klingen von dem Treppenhaus herunter. Beethoven. Andere, weniger präzise Noten folgen darauf. Weiter oben löst sich das Mysterium. Eine Dame spielt auf dem Klavier. Die Kinder, welche sich um sie zusammendrängen, spielen nach. Die Dame bittet um ein Handyfoto samt ihrer Familie. Alle lächeln zu.<BR /><BR /><BR />Rechts führt ein Korridor in eine kleine Fotoausstellung. Die Wände sind mit Graffiti verziert: Bunte Texte beziehen sich auch auf die bewegte Vergangenheit der Militärbauten und insbesondere auf die kurzlebige NS-Besetzung.<BR /><BR /><BR />Links führt ein zweiter Korridor zu anderen Räumlichkeiten. Eine Lampenbauwerkstätte. Eine Kleidertauschkammer. Am Ende des Flurs hat sich eine Künstlerin kürzlich einquartiert. <b>Charlotte Aurich</b> stammt eigentlich aus dem Vinschgau. Von der pulsierenden Metropole Wien ist sie wieder in ihr Heimattal zurückgekehrt, um die BASIS-Energie spüren zu können. Ihre Werke hängen an einer Leine oder liegen direkt am Boden. Sie arbeitet mit gemalten Stoffen, die als bewegliche Körper zu verstehen sind. Ihre lebhaften Schöpfungen stehen in Kontrast zu einer strengen nationalsozialistischen Schrift an der Wand. Die Wörter haben der Tünche und den Jahrzehnten hartnäckig getrotzt: <i>„Stark im Glauben, sicher im Sieg“.</i><BR /><BR /><BR /><b>Gründergeist</b><BR /><BR /><BR />Seit 7 Jahren dreht sich das Leben von <Fett>Hannes Götsch</Fett> um das Kasernenareal. Früher war er über 10 Jahre lang als Fertigungstechnikingenieur in der Welt unterwegs. Für den charismatischen Visionär ist BASIS Vinschgau Venosta etwas wie ein Lebenselixier. Er hat ein Talent dafür, Zuhörer und Zuhörerinnen für seine progressiven Ideen zu begeistern. Sprachgewandt erklärt Götsch die verschiedenen Tätigkeiten, welche BASIS fördert: Entwicklungen in Wirtschaft, Kultur, Bildung und im Sozialen. Der Knotenpunkt in Schlanders solle lokale Kompetenzen nach außen schicken, Gründergeist kultivieren, Impulse für Innovationen in Südtirol geben. Stets in Bezug auf Natur und Mensch, auf humanistische Grundwerte. Ein schonender Ressourcenverbrauch steht im Mittelpunkt. Stichwort: Kreislaufwirtschaft. <BR /><BR />Die Kultur- und Kreativwirtschaft liege somit auf Augenhöhe von Energie- und Gesundheitswirtschaft. Götsch ist es unverständlich, dass Pendler täglich 50 bzw. 100 Kilometer zurücklegen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen, wenn tatsächlich eine örtliche Lösung vorhanden wäre. Im Vinschgau bräuchte man ein Umdenken, eine offene Haltung und einen Neidabbau. Neben den bereits entstandenen Wirtschafssektoren wie Landwirtschaft und öffentlichen Ämtern müsse durch eine Ermöglichungskultur und entsprechende Innovation im analogen und digitalen Bereich eine neue Kreativwirtschaft aufblühen. Die Zukunft des Tales stehe im Zeichen von einer weitreichenden Diversifikation und Ergänzung der existierenden Wirtschaft.<BR /><BR /><BR />Der freidenkende Geist, welcher die BASIS-Gemeinschaft ausmacht, lässt sich durch ein Möbelstück im Salotto – so heißt das hausinterne Café im zweiten Stock des Hauptgebäudes – anschaulich zusammenfassen. Aus 2 alten Fensterrahmen ist wie durch ein Wunder ein Tisch entstanden. Bei BASIS gilt ein Hauptinteresse der nachhaltigen Lokalentwicklung. Das Gründerzentrum zieht Fachkräfte von nah und fern in den Vinschgau und nach Schlanders an. Seit seiner Geburtsstunde ist es zu einem wichtigen Motor für Kunst und Kreativität geworden. Ohne ein großes Marketingbudget hat es in kürzester Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad nicht nur in Südtirol sondern auch im Ausland erlangt. Künstler und Künstlerinnen fühlen sich in dessen Räumlichkeiten wohl, tanken Kräfte auf. <BR /><BR /><BR />Ein neuer Wind bläst durch den Vinschgau.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="798941_image" /></div> <BR /><BR /><b>Herr Götsch, wann und wie ist das Projekt BASIS Vinschgau Venosta entstanden?</b><BR />Hannes Götsch: Das Projekt ist Ende 2015, Anfang 2016 inhaltlich entstanden. Es ist als Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Schlanders und der Provinz Bozen über ein europäisches Strukturfonds-Projekt EFRE mitfinanziert und ist als satellitäres Gründer- und Innovationszentrum im strukturschwachen Vinschgau gedacht. Dies mit dem Anspruch, einen inklusiven Ort zu schaffen, welcher täglich am reellen Bedarf der Bevölkerung arbeitet und sozial-ökologische Themen priorisiert sowie Freiräume für Forschung, Entwicklung und Experiment erhält.<BR /><BR /><BR /><b>Wie tief ist BASIS in der Südtiroler Realität verwurzelt? Und inwiefern strebt das Gründerzentrum nach Internationalisierung?</b><BR />Götsch: Nach nun 3 Jahren praktischer Erfahrung ist das Projekt BASIS als Präzedenzfall und Beispiel einer modularen Nachnutzung einer faschistischen Militärstruktur für eine multidisziplinäre und sektorenübergreifende Nutzung in Südtirol und weit darüber hinaus bekannt. Neue Formen und Felder der Wirtschaft, Kooperation statt Konkurrenz, Nischenkulturangebote, flexible Raumnutzung und die intergenerationelle Komponente machen den Ort sehr attraktiv für eine Vielzahl von Initiativen und Menschen. Viele Forschungseinrichtungen und Universitäten im In- und Ausland sind an den Auswirkungen eines solchen „Korallenriffs“ interessiert und untersuchen die wirtschaftlichen sowie sozialen Effekte auf die Talregion. Es sind konstant zwischen 6 und 12 unterschiedliche Länder und Kontinente im Haus und bringen somit einen großen Teil an Internationalisierung ins Tal. Dazu Fachkräfte und Projektmitarbeiter in fast jedem Bereich von Softwareentwicklung über Startups im Gesundheitsbereich bis zu erfolgreichen Künstlern und Künstlerinnen, Produktmanager und freischaffenden Forscherinnen.<BR /><BR /><BR /><b>Schlanders liegt bekanntlich in der Landesperipherie, weit entfernt von den Wirtschafts- und Kulturzentren Bozen, Meran und Brixen. Auf den ersten Blick scheint es kein idealer Ort für ein Innovationszentrum zu sein. Wie kann BASIS diesen Standortnachteilen entgegenwirken? Welche spezifischen Vorteile bietet der Vinschgau?</b><BR />Götsch: Ja, das stimmt in der klassischen Betrachtungsweise, ähnlich: „Mehr, wo mehr ist“. Auch das Argument einer fehlenden kritischen Masse war am Anfang Grund von Skepsis und Unverständnis. Hier ist wichtig, die Logik umzudrehen und zu überlegen, dass eine im Land ausgleichende Regionalentwicklung sinnvoll und notwendig ist. Das heißt, dort aufbauen, wo der größte Bedarf besteht und nicht dort, wo es unter Umständen am einfachsten ist. <BR /><BR /><BR />Es macht absolut Sinn, Technologiezentren und Forschungsinfrastrukturen für z. B. Industriethemen in der Landeshauptstadt kapazitiv zu bündeln. Aber qualitative, wohnortnahe Arbeitsplätze, tertiäre Bildung nach dem Oberschulniveau, Nischen und alternativkulturelle Angebote braucht eine Talregion wie der Vinschgau unbedingt, um zukunftsfähig zu bleiben. Ansonsten wird das Tal zum Schlaf- und Tourismusgebiet ohne vielschichtige und resiliente Wirtschaftsfaktoren. Die Vorteile sind die Nachteile des rein konsumorientierten Kapitalismus. Unberührte Natur, viel Knowhow im nachhaltigen Bauen, stark in Kunst- und Kreativwirtschaftsfeldern, Kulinarik und ressourcenschonender Tourismus. BASIS ist empathisch, respektvoll und frei. Das sind Qualitätsattribute, die Menschen anziehen: Vor allem die junge Generation mobiler Arbeitskräfte. Es ist ein sehr angenehmer Ort zum Arbeiten und Verweilen, Beziehungen zu knüpfen und inspiriert zu werden.<BR /><BR /><BR /><b>Welche Rolle spielen Kultur und die bildenden Künste bei BASIS?</b><BR />Götsch: Eine sehr große. Es ist unser Auftrag, die lokale Kunst- und Kulturszene qualitativ zu ergänzen. Ein Beispiel dafür sind die Kleingewerbeplätze bzw. Ateliers und Studios in der Kreativwerkstatt, wo sich Künstler und Handwerker zu einem Marktpreis einmieten. Das gleicht den Standortnachteil im Vergleich zur Stadt umgehend aus und bestärkt sogar noch durch die natürlich vorhandene Lebensqualität. Ein weiteres Beispiel ist der Tagungs- und Veranstaltungsraum Kasino. Dieser kubische Raum mit 220 Quadratmetern Fläche und knapp 10 Metern Raumhöhe funktioniert als Schauspiel- und Konzertraum sowie Studio zugleich. Hier haben wir ein qualitatives Alleinstellungsmerkmal im Alpenraum erarbeitet, welches zugleich allen Bevölkerungsschichten und Altersklassen zugänglich gehalten wird. Das Kernteam in der BASIS bespielt ca. 50 Prozent des Programms. Die restliche Kapazität wird durch Motivation, Ermächtigen und Ermöglichen der privaten und betrieblichen Initiativen und für Bildungszwecke gefüllt.<BR /><Rechte_Copyright></Rechte_Copyright> <?_Schrift>