Mehr davon erzählt er im Gespräch.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Jacobsen, die Konzerte in Völs finden außerhalb „seriöser“ Konzertsäle statt, in Scheunen, Buschenschänken und Tischlereien. Für das Publikum ist das immer reizvoll – ist es für die Musiker eigentlich auch so toll oder eher eine Zumutung?</b><BR />Volker Jacobsen (lacht): Wir können frei reden? Das ist immer unterschiedlich, es hat natürlich so einen leichten Werkstattcharakter, ist ein Experiment. Und manchmal entsteht etwas Besonderes und manchmal eben auch nicht.<BR /><BR /><b>Als Musiker hätte man doch lieber die perfekte Akustik?</b><BR /> Jacobsen: Am Ende geht es ja eigentlich um etwas ganz anderes, nämlich um diese Stücke, die man da spielt. Und wenn es gut läuft, fängt man an, so ein Mozart-Quintett zu spielen, was zum Wichtigsten gehört, was man spielen kann, und nach den ersten paar Takten ist man vielleicht etwas verblüfft, wie es klingt. Aber die Herausforderung ist, das so schnell wie möglich zu vergessen und vor allen Dingen vergessen zu lassen, weil es eigentlich um etwas völlig anderes geht. Gerade in Festivalzusammenhängen habe ich fast die eindrucksvollsten Erfahrungen gemacht. Dass es unabhängig vom Kontext schlicht um Wahrheit geht. Und die Wahrheit hat zu tun mit dem Stück, mit der Begegnung mit dem Publikum, das Publikum daran teilhaben zu lassen. Für mich ist es fast ein Qualitätskriterium auch für die Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich da zusammensitze, ob die dazu in der Lage sind, diesen Schritt gemeinsam zu gehen oder eben nicht. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1310268_image" /></div> <BR /><BR /><b>Erreicht man ein anderes Publikum, das den Schritt in den Konzertsaal nicht machen würde?</b><BR />Jacobsen: Das glaube ich durchaus. Natürlich, wenn man heutzutage als junger Musiker „Karriere“ machen will, dann will man natürlich in die großen Säle und Konzertreihen. Aber manchmal ist das dann ein Galakonzert oder ein Fundraiser, und man denkt: „Wow, was für ein Ritterschlag, in diesem Saal gespielt zu haben!“ – aber am Ende des Abends war das Musizieren gar nicht befriedigend. Die A-Prominenz in der Klassik erlebt das vielleicht gar nicht. In einer Tischlerei zu spielen und ihr Publikum zu sehen, zu spüren und zu erreichen.<BR /><BR /><b>Sie sprachen von der besonderen Wichtigkeit der Mozart-Streichquintette, in Völs sind derer gleich zwei auf dem Programm. Ist es angebracht, hier von unterschätztem Repertoire zu sprechen?</b><BR />Jacobsen: Im Kanon der Quintettbesetzungen sind Streichquintette mit zweiter Bratsche, wie die von Mozart, tatsächlich eher unterrepräsentiert. Und in der Praxis sieht es natürlich so aus, dass sich ein bestehendes Quartett zur Anspielprobe auf der Bühne mit einem prominenten Bratscher oder einer Bratscherin trifft, dann spielt man das anderthalbmal durch und dann ist das Konzert. Aber dass man sich für diese Stücke Zeit nimmt und sie von Grund auf gemeinsam zusammensetzt, wird ihrer außergewöhnlichen Qualität erst wirklich gerecht.<BR /><BR /><b>Neben Ihnen werden Veronika Hagen, eine weitere legendäre Kammermusikerin, und Noga Shaham, eine Newcomerin, als Bratschistinnen zu Gast sein – kennen Sie sich?</b><BR />Veronika kenne ich sehr lange. Wir hatten nicht wahnsinnig viel miteinander zu tun, aber über die vielen, vielen Jahre immer wieder. Noga kenne ich persönlich noch überhaupt nicht, aber sie gehört wirklich zu den jungen Kolleginnen, die ich aus der Entfernung sehr genau wahrnehme, und alles, was ich sehe und höre, ist ganz toll.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1310271_image" /></div> <BR /><BR /><b>Diese luxuriöse Besetzung mit gleich drei exzellenten BratschistInnen spiegelt sich im Repertoire bei den Mozart- Quintetten und den Brahms-Sextetten wider. Was passiert hier durch die erweiterte Besetzung?</b><BR />Jacobsen: Wenn zum Streichquartett ein oder zwei Instrumente dazukommen, bedeutet das erst mal natürlich mehr Klang und Fülle. Und es ist erstaunlich, wie groß der Unterschied ist. Bei Mozart würde ich sagen, er braucht die zweite Bratsche, denn gerade bei ihm ist in den Quartetten der Anspruch, sich am Übervater Haydn abzuarbeiten, sehr deutlich spürbar. Also, da hat er sich einfach ganz „besonders große Mühe“ gegeben. Und diese zusätzliche Stimme im Quintett gestattet ihm, die Komplexität etwas zu reduzieren, ein bisschen loszulassen, was dem musikalischen Ausdruck unglaublich gut tut. Die Quintette gehen leichter von der Hand, dem Komponisten offensichtlich wie auch dem Spieler. <BR /><BR />Bei Brahms kommt dann noch ein tiefes Instrument dazu, das macht die Sache nochmal voller, orchestraler – das wäre für mich das entscheidende Stichwort. Da geht der Schritt schon Richtung Kammerorchester. Aber die Struktur wird viel lichter, das sieht man sofort, wenn man in die Partitur schaut. Und es bieten sich natürlich mehr Möglichkeiten, Paarungen gegenüberzustellen. Bei Mozart werden erste Bratsche und erste Geige oft dialogisierend gegenübergestellt. Und Brahms hat mit den zwei Celli noch mehr Spielraum, die Stimmen zu verteilen. Es wird also orchestraler, aber die solistischen Aufgaben werden auch ein bisschen munterer durch die Gruppe gereicht.<BR /><BR /><b>Die Bratsche hat also auch deutlich andere Aufgaben als die einer Füllstimme?</b><BR />Das Wunderbare am Bratschespielen, gerade in der Kammermusik, ist, dass wir alles dürfen. Wir haben Soloparts, spielen Harmoniestimmen und übernehmen auch immer wieder den Bass. Und die Vielseitigkeit dieser Aufgabe steigt eigentlich mit der Größe der Besetzung. Wenn das Cello zum Beispiel als Solist einsetzt, dann springen wir an den Bratschen ein und übernehmen die Bassstimme. Ich bin natürlich jemand, der sehr von der Mitte her denkt. Vielleicht auch politisch. Aber wenn ich das Radio anstelle und es läuft ein Streichquartett, identifiziere ich Quartette aus der Mitte heraus. Diese Mitte prägt den Charakter einer Gruppe, die können den Primarius auswechseln, so oft sie wollen, ich erkenne das Quartett aus der Mitte. Das hat der zweite Geiger Siegmund Nissel vom Amadeus Quartett so schön gesagt: Ein Quartett sei wie eine alte Flasche Wein. Der Primarius oder die Primaria, also die erste Geige, ist das Etikett, muss gut aussehen und beschreiben, was drin ist. Das Cello ist die Flasche, das Gefäß. Aber die Mittelstimmen, die sind der Inhalt. Ich bin da natürlich ganz unvoreingenommen!<BR /><h3> Schlern Music</h3>13 MusikerInnen, fünf Konzerte und ein Talk: Vom 13. bis 17. Mai sind in und um Völs mit Paolo Bonomini, Sebastian Debus, Olivier Doise, Veronika Hagen, Volker Jacobsen, Nanni Malm, Andrea Obiso, Aylen Pritchin, Roberto di Ronza, Noga Shaham, Philipp von Steinaecker, Chiara Tonelli und Martin Zalodek international renommierte Musiker zu hören, die in immer wechselnden Formationen Programme aufführen.<BR /><h3> Eröffnung</h3>Edelansitz Zimmerlehen, 13.5., 21 Uhr <BR />Stanglerhof St. Konstantin, 14.5., 21 Uhr <BR />Künstlergespräch im Hotel Heubad, 15.5., 21 Uhr <BR />Lunchconcert im Hotel Gfell (Schönblick), 16.5., 12 Uhr <BR />Zimmerei Koholz St. An- ton, 16.5., 21 Uhr –<BR />Abschluss auf Schloss Prösels, 17.5., 11 Uhr. <BR />Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei!