Beabsichtigt sind insgesamt 26 Konzerte bis zum 31. Mai (Trinitatisfest) 2026. Ziel des ambitionierten Vorhabens ist es, den Einbau eines Brustwerks durch Spenden zu finanzieren. Was das Besondere an dieser Orgel ist, erklärt der Musiker im Gespräch...<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1032288_image" /></div> <BR />Die 2010 vom international hochgeschätzten Orgelbauer <b>Glauco Ghilardi</b> aus Lucca nach norddeutschen Vorbildern – in erster Linie nach der Schnitger-Orgel in Cappel – gebaute Orgel (II/29) besteht derzeit aus Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal. Dieses prachtvolle Instrument ist nicht nur bei den sonntäglichen Gottesdiensten zu hören, sondern steht immer wieder bei Konzerten und Meisterkursen im Mittelpunkt und hat dadurch auch international hohe Wertschätzung erfahren. Weltweit gefeierte Organisten wie M<b>ichael Radulescu, Harald Vogel, Brett Leighton</b> haben darauf musiziert. Und bald ist es so weit: Im Herbst soll Ghilardi das Brustwerk, das derzeit in seiner Werkstatt in Lucca fertiggestellt wird, in das bestehende Instrument einbauen. Und eben Leonhard Tutzer wird das Instrument dann „einweihen“...<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1032291_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was ist denn überhaupt ein Brustwerk?</b><BR />Leonhard Tutzer: Barocke Orgeln sind nach dem Werkprinzip gebaut, d. h. jedes Teilwerk hat andere Merkmale, besitzt folglich einen spezifischen Klangcharakter. Ein Brustwerk, so genannt weil es direkt vor der Brust des Organisten oder der Organistin bzw. „in der Brust“ der Orgel steht, ist das kleinste Werk der Orgel. Die 4 Register des Brustwerks, darunter ein Regal (kurzbechriges Zungenregister), die jetzt in das Hauptgehäuse eingebaut werden sollen, sind vor allem für die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts unentbehrlich und werden sie noch authentischer erklingen lassen.<BR /><BR /><BR /><b>Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Bachs Gesamtwerk für Orgel aufzuführen? War das etwa Ihre Art, auf die harte Zeit der Lockdowns zu reagieren?</b><BR />Tutzer: Die Idee entstand schon vor der Pandemie. Der Beginn der Konzertreihe war dann für Frühjahr 2020 geplant. Der Lockdown hat uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht! Das vorrangige Ziel der Konzertreihe war für mich, durch Spenden oder Patenschaften für einzelne Orgelpfeifen die finanziellen Mittel aufzutreiben, um die Orgel der evangelischen Christuskirche Bozen um ein Brustwerk zu erweitern. Nicht irgendein Brustwerk war das Ziel, sondern ein exakter Nachbau des Brustpositivs einer Orgel, die Antonius Wilde 1599 für die St. Jacobi-Kirche in Lüdingworth baute. Als Arp Schnitger (1648-1719), der bedeutendste Orgelbauer des norddeutschen Barock, in Lüdingworth mit der Erweiterung der bestehenden Orgel beauftragt wurde, beschloss er, Wildes Brustwerk, weil es von bester Qualität war, beizubehalten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1032294_image" /></div> <BR /><b>Haben nun viele Musikbegeisterte Ihre Konzerte besucht, auch um dieses Projekt zu unterstützen?</b><BR />Tutzer: Nach dem ersten Konzert kam wegen der Pandemie eine Pause, danach ging es wirklich los. Seitdem hat sich die Zuhörerzahl erfreulicherweise eingependelt und dies trotz des eher abgelegenen Standorts der Kirche. Viele Musikinteressenten wissen nämlich nicht, dass hier eine der schönsten Orgeln Südtirols steht. Das war übrigens mit ein Grund für den Bach-Zyklus, zumal Südtirol nicht über viele Orgeln verfügt, die von ihrer Bauweise her geeignet sind, alle Orgelwerke Bachs angemessen aufzuführen.<BR /><BR /><BR /><b>Wie sind Ihre Konzertprogramme gestaltet?</b><BR />Tutzer: Sie folgen in erster Linie dem Kirchenjahr (Advent, Weihnachten, Passion, Osterzeit, Pfingsten) und bieten viel Abwechslung etwa zwischen Jugend- und Spätwerk oder aber zwischen liturgiegebundenen und freien Werken wie Triosonaten, Toccaten, Präludien, Fantasien und Fugen. Bach nahm so viele unterschiedliche Einflüsse auf, dass man bei jedem Konzert glaubt, Werke unterschiedlicher Autoren zu hören. Die Konzertreihe bietet außerdem die Möglichkeit, Werke kennen zu lernen, die in den üblichen Konzertprogrammen manchmal vernachlässigt werden, wie die wunderbaren 36 Choräle der erst 1985 wiederentdeckten Neumeister-Sammlung.<Rechte_Copyright></Rechte_Copyright><BR /><b>Termine:</b><BR />26.5. 18 Uhr, Leonhard Tutzer, 16. Konzert des Bach-Zyklus –<BR />23.8., 19 Uhr, Bine Bryndorf, Bozner Orgelsommer; evangelische Christuskirche Bozen<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1032297_image" /></div> <h3> Vita Leonhard Tutzer</h3><BR />Der Musiker wurde 1961 in Bozen geboren, wo er das Konservatorium besuchte. Von 1981 bis 1991 studierte er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien: Orgel-Konzertfach bei Alfred Mitterhofer (1986 Diplom mit Auszeichnung), Tonsatz bei Thomas Christian David, Cembalo-Konzertfach bei Gordon Murray (1991 Diplom mit einstimmiger Auszeichnung und Würdigungspreis des österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung). Rundfunkaufnahmen und CD-Einspielungen folgen. Seit 1985 unterrichtet er an den Musikschulen Bozen und Brixen. Seit 2003 ist er Organist an der Evangelischen Kirche in Bozen.