Dienstag, 17. November 2020

Busoni-Vorwahl: Bozner Klaviertalent mit dabei

Unter der Präsidentschaft von Elmar Weingarten ist in den vergangenen Tagen das Vorspiel zur 63. Ausgabe des internationalen Klavierwettbewerbs Ferruccio Busoni zu Ende gegangen, allerdings aus Gründen von Covid19 nicht in der gewohnten Präsenz der Anwärterinnen auf die Finalrunde in Bozen, sondern in einer weltweiten digitalen Vernetzung im Rahmen eines „Glocal Piano Projects“, in dem der Busoni Wettbewerb sich eng verzahnt hat mit dem Exklusiv-Partner Steinway&Sons.

Maximilian Trebo aus Bozen.
Die Klavierlounges von Steinway&Sons auf der ganzen Welt wurden zum Schauplatz der Vorauswahlrecitals von 98 jungen Pianisten aus 28 Ländern in folgenden Stationen: Barcelona, Bern, Brescia, Budapest, Cleveland, Hamburg, Helsinki, Hongkong, Houston, London, Los Angeles, Moskau, München, New York, Paris, Peking, Seoul, Sydney, Taipeh, Tokio, Toronto, Warschau und Wien.

Maximilian Trebo aus Bozen war auch dabei und trat am Wochenende in Wien auf. Er schloss 2018 sein Studium am Konservatorium „Giuseppe Verdi“ in Mailand mit maximalen Punktezahl ab. Gegenwärtig absolviert er unter der Leitung von Prof. Pavel Gililov sein Masterstudium am Mozarteum in Salzburg.

Im Alter von 9 Jahren hat Maximilian Trebo zum ersten Mal an einem Klavierwettbewerb („Prima la musica“) teilgenommen und den ersten Preis für sich behauptet. Daraufhin gewann er mehr als 20 erste Preise bei nationalen und internationalen Musikwettbewerben, so etwa beim internationalen Wettbewerb „Münchner Klavierpodium“, beim Wettbewerb „Clavicembalo Verde“ in Mailand oder beim „Tadini International Music Competition 2016“, wo er den Hauptpreis gewann. Trebo spielte im Klavierduo mit der südkoreanischen Pianistin Chloe Jiyeong Mun.

„D“: Sie haben am vergangenen Samstag in Wien Ihr Vorspiel für die Runde der letzten 100 im internationalen „Ferruccio Busoni Klavierwettbewerb“ absolviert und haben die Jury überzeugen können. Wie beurteilen Sie nun diesen Erfolg auf dem Weg zur Endrunde des Wettbewerbs in Bozen?

Maximilian Trebo: Ich bin aus 500 Kandidatinnen für die letzten 100 ausgewählt worden, was mich ermutigt, weiter zu machen. Allerdings ist auf dem Weg zu den 22 Finalteilnehmerinnen in Bozen manche Hürde zu nehmen, denn es handelt sich bei einem Klavierwettbewerb, nicht um eine sportliche Veranstaltung, in der nur die Punkte und Rekorde zählen, es geht dabei immerhin um Kunst! Ich hoffe aber, ich habe den Geschmack und die Erwartung der Jury getroffen.

„D“: Was haben Sie gespielt und was hat, Ihrer Meinung nach, die Jury überzeugt?

Trebo: Mein Programm war die Revolutionsetüde von Chopin, dann eine Etüde von Ligeti als Pflichtstücke und als freie Stücke eine Mazurka von Chopin und den Faust-Walzer als Opernparaphrase aus Gounods „Faust“ von Franz Liszt. Es ist allerdings schwer für mich einzuschätzen, was nun der Jury gefallen hat…

„D“: Wie war das in Wien vor einer Jury, die gar nicht im selben Raum anwesend ist, und in einem leeren Raum ohne Publikum zu spielen?

Trebo: Am Anfang war ich darüber schon ein wenig enttäuscht. Viel lieber hätte ich in Bozen vor der Jury und vor Publikum mein Vorspiel vorgeführt. Angesichts der Covid19-Krise aber bin ich froh, dass durch die digitale Übertragung der Wettbewerb immerhin stattfinden kann, was anderen Musikveranstaltungen ja versagt bleibt. Das war sicher eine gute Lösung; schwierig ist es für uns Pianisten aber auch, das dem Publikum zu vermitteln, was normalerweise direkt vor Publikum wirksam wird, die künstlerische Botschaft etwa. Im Steinway-Showroom habe ich mich allerdings wohlgefühlt, weil es ein perfektes Instrument darstellt, und ich hoffe, dass das Publikum dann, wenn die Videos alle zugänglich sind, auch für mich votieren wird.

Interview: Ferruccio Delle Cave

Die Videos sind auf https://voting.concorsobusoni.it abrufbar, wo das Onlinepublikum an der Auswahl der Kandidaten teilnehmen kann bis 26. November (14 Uhr). Nach Veröffentlichung des letzten Beitrags können von registrierten Usern bis zu 3 Teilnehmer gewählt werden. Die bis zu 8 Bestplatzierten schaffen dann den Sprung ins Solo-Finale nach Bozen.

d