„Internationalität ist unser neues Leitmotiv", hob Peter Paul Kainrath, der in diesem Jahr erstmals die künstlerische Leitung des Wettbewerbs inne hat, am Mittwoch hervor. So sollen auch die Finalrunden auf der ganzen Welt im Internet mitverfolgt werden können.Erstmals gibt es Live-Übertragungen (hier geht's zum Live-Stream) der Finalkonzerte. Das Finalissimo am 4. September überträgt der RAI Sender Bozen im Hörfunk und im Fernsehen, und zwar direkt im Anschluss an die Tagesschau. Die Preisträger werden aus diesem Grund heuer erstmals bereits kurz nach dem dritten Konzert bekanntgegeben und geehrt. Von 200 Eingeschriebenen hatten sich im vergangenen Sommer 132 Pianisten dem Wettbewerb gestellt, 27 schafften es ins Finale. „Fünf Pianisten sind dann noch abgesprungen", so Kainrath. Nun versuchen sich bis zum 4. September 22 Finalisten im Alter zwischen 13 und 30 Jahren durch ihr Können in die Herzen der elfköpfigen Jury zu spielen. Die Jury der 57. Ausgabe, unter dem Vorsitz von Lilya Zilberstein (Busoni-Preisträgerin von 1987), besteht aus Hung-Kuan Chen (China), Bella Davidovich (USA), Christopher Elton (England), Janina Fialkowska (Kanada), Salvatore Sciarrino (Italien), Joseph Kalichstein (USA), Oliver Kern (Deutschland), Cristina Ortiz (Brasilien), Hüsyin Sermet (Türkei) und Enrico Pace (Italien).Unter den Finalisten stehen heuer sechs Kandidaten aus Italien. Damit ist der Stiefelstaat bei dem Wettbewerb am besten vertreten. Jeweils drei Finalisten stammen aus China und Südkorea, zwei aus Russland und jeweils ein Finalist kommt aus Weißrussland, Kroatien, Deutschland, Japan, Kasachstan, Großbritannien, den USA und aus der Ukraine. Neu: die Konzerttournee und der KritikerpreisInternational gibt sich der Busoni-Wettbewerb nicht nur beim Live-Streaming oder den Teilnehmern, auch die Preise haben dazugewonnen: Erstmals winkt dem Gewinner des ersten Preises neben der Summe von 22.000 Euro Konzerte in Lateinamerika, Deutschland, Dänemark bis hin zur Biennale in Venedig. „Ich glaube, es ist sehr wichtig, die richtigen Türen zu öffnen, die in eine Karriere führen", meinte Kainrath dazu. Seine Premiere feiert auch der Musikkritikerpreis. „Im Saal wird eine zweite Jury sitzen", erklärte Kainrath, „bestehend aus Musikkritikern wichtiger Medien", nämlich „Piano International" (UK), „Piano News" (Deutschland), „Chopin Magazine" (Japan) und „Il Giornale della Musica" (Italien) . „Sie werden ihren eigenen Sieger küren, denn Journalisten haben ja oft eine andere Meinung als die Wettbewerbsjury."Konzerte mit zeitgenössischen HerausforderungenGroßgeschrieben wird in dieser Ausgabe des Wettbewerbs die zeitgenössische Musik: Die Kandidaten müssen u.a. ein oder mehrere zeitgenössische Werke vorbereiten. Mitglied der Jury ist nämlich einer der meistgeschätzten Komponisten unserer Zeit, Salvatore Sciarrino.Passend dazu wird heuer ein neuer Preis vergeben: jener für die beste Interpretation des zeitgenössischen Repertoires. Der Geldpreis beträgt 4000 Euro. Zudem erhält der Gewinner die Möglichkeit eines Konzertes im Rahmen der Musikbiennale von Venedig und mit dem Ensemble Modern Frankfurt. Die FinalkonzerteBei den Solo Halbfinalkonzerten am 26., 27. und 28. August spielen die Kandidaten Werke von Busoni, Chopin, Liszt und ein ausgewähltes Werk. Am 29. August finden für zwölf gewählte Finalisten die Solo Finalspiele statt: Dabei stehen Werke von Bach-Busoni, Beethoven, ein Werk zur Auswahl und ein zeitgenössisches Stück auf dem Programm.Sechs Finalisten gelangen in die erste Endprüfung mit Orchester am 1. und 2. September: In Begleitung der Streicherakademie Bozen unter der Leitung von Patrick Lange werden sie die Mozartkonzerte zur Aufführung bringen. Am 4. September stehen beim Finale noch drei Kandidaten auf der Bühne: Gemeinsam mit dem Haydn Orchester unter der Leitung von Arthur Fagen werden sie Konzerte von Bartók, Beethoven, Brahms, Chopin, Liszt, Ravel, Rachmaninov, Prokofiev und Saint-Saëns spielen. Die Konzerte und Live-Übertragungen finden jeweils um 16 und um 20.30 Uhr statt. Karten für die Aufführungen im Musikkonservatorium „C. Monteverdi" gibt es im Staddtheater Bozen unter der Telefonnummer 0471/053800.Barbara Raich