Samstag, 21. September 2019

„Cats”-Premiere in Wien lief wie geschnurrt

Diese Katzen haben weiter mehr als 9 Leben auf dem Buckel, und sind doch nicht totzukriegen: Am Freitag feierte Andrew Lloyd Webbers „Cats” umjubelte Premiere im Wiener Ronacher. Damit kehrt der Whiskas-Welthit in jene Stadt zurück, wo er 1983 deutschsprachige Erstaufführung erlebte. Und trotz der dicken Schicht Nostalgie, die sich auf dem Stück abgesetzt hat, funktioniert „Cats” nach wie vor.

Ana Milva Gomes als Grizabella in Wien. - Foto: APA
Ana Milva Gomes als Grizabella in Wien. - Foto: APA

Das 1981 in London uraufgeführte Musical ist ein Repräsentant jener Zeit, in der man Michael Jackson noch ohne schlechtes Gewissen hören konnte, Prince noch so hieß und vor allem noch lebte und Vokuhila noch als respektable Ausgehfrisur galt. Es ist der Ausdruck einer beinahe infantilen Unbekümmertheit, der „Cats” auszeichnet, ungeachtet der melancholischen Elemente des auf Gedichten von T.S. Eliot basierenden Stücks.

”Cats” ist poppig, laut, neonfarben. „Cats”, das sind die 80er. So funktioniert das sich nach wie vor eng an der Originalinszenierung von Trevor Nunn orientierende Bühnenwerk heutzutage nicht zuletzt über den „Wickie, Slime und Paiper”-Effekt, das Schwelgen in der Vergangenheit eines Gutteils der Zuschauer. Jede Melodie kennt man - so gut, dass so mancher Besucher im Ronacher nicht an sich halten kann, während der Vorstellung mitzusummen.

Und zugleich wohnt den meisten Nummern - poppig voranstürmend vom VBW-Orchester unter Carsten Paap interpretiert - eben jene zeitlose Qualität inne, die auch viele Popnummern jener Ära zu Klassikern gemacht hat. Nach wenigen Minuten hat man sich wieder eingehört und -gesehen, taucht ein in die Welt der Jellicle-Katzen auf ihrer Müllhalde, deren Ingredienzien bei der klassischen „Cats”-Bühne wie eine wuchernde Flechte weit in den Zuschauerraum des Ronachers ausgreifen.

Das ist nicht zuletzt dem über weite Strecken guten Ensemble des Abend zu verdanken. Herausragend gibt der deutsche Musicalsänger Dominik Hees den virilen Rum Tum Tugger, während der blutjunge Kanadier Stephen Martin Allan als Tänzer einen Mr. Mistoffelees vorlegt, der wie ein Flummi über die Bühne springt. Und Routinier Felix Martin kann als alter Theaterkater Gus nach Auftritten in „Elisabeth” oder „Freudiana” abermals in Wien seine Spielfreude unter Beweis stellen.

Derer zu viel hatte noch ein wenig Publikumsliebling Ana Milva Gomes, die erstmals als Grizabella und somit für den Welthit „Memory” verantwortlich zeichnete - eine Nummer, die den der Niederländerin eigentlich innewohnenden Schönklang verlangen würde, den Gomes allerdings mit intensivem Durchleiden ihrer Rolle verschluchzt.

Sei's drum, die Felidae-Fans waren am Ende des Abends begeistert. Nicht umsonst gilt „Cats” als das erfolgreichste Musical aller Zeiten und war in Wien nach der Premiere 1983 bereits sieben Jahre lang in über 2.000 Vorstellungen zu sehen. Weltweit zog das Stück schon über 73 Millionen Menschen in 30 Ländern und 16 Sprachen an. Aber wen wundert's? Schließlich sind auch im Internet neben Pornos Katzenvideos die verlässlichen Frequenzbringer.

So spricht also nichts dagegen, dass Wien in den kommenden Monaten der Gesamtstatistik des schnurrenden Musiktheaters noch so manche Zahl hinzufügen dürfte. Nicht zuletzt dürfte da den Vereinigten Bühnen zupasskommen, dass Ende Dezember die Hollywoodverfilmung von „Cats” in den Kinos anläuft. Den ersten Trailern nach zu urteilen macht der Film eher Lust auf das Liveerlebnis.

apa

stol