Es war im Juli 1996 und alles war Klang und Rhythmus, Melodie und Experiment. Ein Fest des Lebens und der Kreativität in unglaublich vielen Spielarten, geronnen zu Musik – gefasst als Umbria Jazz – WAS für eine Offenbarung! <BR /><BR />Perugia, Umbriens Hauptstadt, überschwemmt von Musik bis in den hintersten Winkel und jede kleinste Gasse, Musik auf den Straßen, in den Häusern, in der Luft und... in dieser Kirche, in der ich ihr das erste Mal begegnet bin – der großen Pianistin Carla Bley – dem Mädchen mit den Zauberhänden. <BR /><BR />Mit ihrer Bigband hat sie den Sakralraum bis weit über alle Ränder gefüllt, das Klavier so viel mehr als ein Instrument. Das Klavier ein Gedanke, ein Herzschlag, ein Universum, ein Gebet – leise wie ein Flüstern, brüllend wie ein Orkan – WAS für eine Offenbarung! <BR /><BR />Jahrzehnte später habe ich sie dann noch einmal spielen gehört, nicht in einer italienischen Kirche, in einem schmucklosen Saal in Kärnten. Sie hat ihn genauso zum Leuchten gebracht mit ihren Zauberhänden, die schon so knochig und von der Arthrose gezeichnet waren, dass man nicht verstehen konnte, woher sie diesen freien, allumfassenden, vieldeutigen Klang nahm, der ein ganzes Leben in einem Ton besang – ironisch, feinnervig, melancholisch. <BR /><BR />Am 17. Oktober ist Carla Bley 87-jährig in Willow im US-Bundesstaat New York an den Folgen eines Gehirntumors gestorben. Mit ihr ist eine Komponistin, Arrangeurin und Avantgardistin von der Bühne getreten, die alle Genregrenzen eingerissen und Jazzgeschichte geschrieben hat – als einzigartige Instrumentalistin in einer absoluten Männerdomäne!<BR /><BR /> Jetzt ist ihr Spiel verklungen und mit ihm auch die politische Kraft, die ihm innewohnte. Doch alles, was sie zu sagen hatte, wird bleiben. Weil ihre Musik unsterblich ist, weil Carla Bley unsterblich ist!<BR />