Am Samstag findet die Uraufführung der Oper <b>„Dorian Gray“</b> im Stadttheater Bozen statt – basierend auf Oscar Wildes Meisterwerk, einem Manifest der Dekadenzliteratur und des Ästhetizismus. „'Dorian Gray' ist ein Schlusspunkt der besonderen Art. Wenn man nach 9 Jahren eine anspruchsvolle Reise beendet, dann kann man das nur mit einer Uraufführung“, erklärte Losek während der Präsentation des Werks.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006253_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Und meint, eine gute Oper sei per se zeitgenössisch, weil sie einen Kommentar zum Leben abgebe. Darum gehe es eben in der Kunst. Provokativ beantwortet er dann die Anfangsfrage: „Nein, es braucht die zeitgenössische Ober nicht. Es braucht überhaupt Oper nicht. Das wissen wir spätestens seit Corona. Denn Kunst ist nicht systemrelevant, hieß es damals. Wenn wir das aber nicht sind, dann haben wir alle Freiheiten. Dann dienen wir niemandem, nur der Kunst. Und das ist es, was wir wollen.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006256_image" /></div> <BR /> Wenn das das Ziel sei, müsse man die Sache ernst nehmen. Dann müsse man sich mit den Künstlern auseinandersetzen. „Denn das Werk lebt, jede Oper ist ein Mikroorganismus, der sich weiterentwickelt in der Reflexion der Gegenwart.“ Gleichzeitig fragt sich Losek: „Sollen wir es trotzdem machen?“ „JA! Natürlich!“, ist er überzeugt. „Wir müssen es machen, gerade wenn es keine Wellnessfahrt ist, sondern eine Entdeckungsreise.“ Am Samstag endet seine Reise nach 9 Jahren im Stadttheater Bozen. <BR /><h3> Lange Vorbereitung</h3><BR />Schon seit 2019 arbeite man an „Dorian Gray“. „Das ist nun das dritte Kapitel der von der Stiftung Haydn in Auftrag gegebenen zeitgenössischen Opern. Eine Uraufführung, ein einzigartiges Projekt, unwiederholbar. Die Oper ist hier am Stadttheater realisiert worden auch in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Bühnen Bozen sowie mit dem Teatro Stabile“, erklärte dazu die Generaldirektorin der Stiftung Haydn <b>Monica Loss.</b> Und der Präsident <b>Paul Gasser</b> fügt hinzu: „Die Thematik, die Oscar Wilde in seinem Roman aufgegriffen hat, bleibt aktuell, und heute, in Zeiten der sozialen Medien, hat sie eine neue Dimension erreicht.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006259_image" /></div> <h3> Dorian Gray als Schlusspunkt</h3><BR />„Dorian Gray“ von <b>Matteo Franceschini</b> aus dem Trentino ist nun die letzte Oper, die im Rahmen des Euregio-Projekts des Haydn Orchesters in Auftrag gegeben wurde: 2022 – coronabedingt um 2 Jahre verschoben – wurde „Toteis“ von Manuela Kerer aus Brixen gezeigt, 2023 wurde „Peter Pan – The Dark Side“ von <b>Wolfgang Mitterer</b> aus Tirol aufgeführt. <BR /><BR />Zu Franceschini habe er eine besondere Beziehung, meinte Losek, da er 2015, als er das erste Mal das Theater in Bozen besuchte, geradewegs in die Proben seiner Oper „Forest“ hineinplatzte, und 2020 hätten sie gemeinsam seine Oper „Alice“ in Bozen zur Aufführung gebracht.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006262_image" /></div> <BR />„Dorian Gray steht also nicht nur am Schlusspunkt dieses Euregio-Projekts, sondern auch am Schlusspunkt der Auseinandersetzung mit Jugend, Hoffnung, Alter, Tod und mit großen Stoffen der Weltliteratur wie Peter Pan, La Bohème, Dorian Gray.“ <BR /><BR /><BR />Wer habe Oscar Wildes Roman als Sujet der Oper vorgeschlagen, war eine Frage, die während der Vorstellung gestellt wurde. Nach langem Nachdenken sei einstimmig zwischen dem Librettisten, dem Komponisten und ihm die Wahl auf Dorian Gray gefallen, so Losek, und er erklärte, warum er sich für den Komponisten Matteo Franceschini, den Librettisten sowie Regisseur Stefano Simone Pintor und den Dirigenten Rossen Gergov entschieden habe. „Rossen begleitet mich künstlerisch schon ein Leben lang: bei den Bregenzer Festspielen, bei Wien Modern, er hat hier 'Alice' und 'Written on Skin' dirigiert. Mit Stefano entwickle ich mit 'Dorian Gray' nun schon die dritte Oper nach 'Ettore Majorana' und 'Falcone'. Das ist für mich ein Dream-Team, Menschen, denen ich absolut vertraue und deren kreative Kraft unglaublich ist.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006265_image" /></div> <BR /><BR />Die Oper wird auf Englisch aufgeführt, denn „alle 3 erkennen wir eine tiefe Wahrheit in der Originalsprache des Romans, die in der Übersetzung nicht glaubwürdig wirken würde. Vom Musikalischen her finde ich es sehr spannend, mit der Musikalität der Sprache und deren Phonetik zu arbeiten. Die Originalsprache ist mir immer wichtig in meiner Arbeit“, so der Komponist. So sei es möglich, nicht nur die Bedeutung eines Satzes zu erforschen, sondern auch die Emotionen, die durch das Wort selbst vermittelt würden. „Die Wucht der Klangfülle des Wortes wird musikalisches 'Material'. In 'Dorian Gray' haben wir diesbezüglich auch mit der Präsenz und der Abwesenheit der Sänger und Sängerinnen gearbeitet. Die eine Metamorphose eingehen zwischen der charakterisieren Sprache einer Figur und dem vokalen Instrument“, meinte Franceschini. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006268_image" /></div> <BR />„Grundsätzlich sind wir in unserer Oper dem Autor treu geblieben. Natürlich bedarf es im Umschreiben eines Romans zu einem Opernlibretto einer neuen, eigenen Sprache. Aber Oscar Wilde kann man sprachlich nicht umschreiben, denn seine Sprache ist in sich so einzigartig. Deshalb sind wir von einem Zitat ausgegangen: 'Jeder sieht die eigenen Sünden in Dorian Gray, welche diese sind, weiß niemand, jeder soll jene erahnen, die er selbst herausliest'“, so Stefano Simone Pintor. Und daraus resultiere die Aktualität Wildes. „Wir wollten nicht eine Reihe von Begebenheiten in der Oper wiederholen, sondern sie so auf die Bühne bringen, indem wir das Zitat immer vor Augen haben.“ 2 Jahre sei nur an der Struktur gearbeitet worden, wobei die Figuren eine große Veränderung durchmachen würden. Man habe dabei auch über das Duale, Doppelte, den „Doppelgänger“ nachgedacht: „Dorian Gray fungiert als Zünder, als Auslöser, für die anderen Figuren“, so der Librettist. <BR /><BR /><BR /><BR />In der Oper gebe es 6 Figuren: Den Künstler, den Philosophen, die Schauspielerin, deren Bruder, den Chemiker und Gladys, die in sich eine Serie von Frauenfiguren vereine. „Jeder Figur ist ein Kapitel gewidmet, und Dorian Gray wird jeweils durch die Augen dieser Protagonisten oder Protagonistinnen definiert bzw. porträtiert“, so der Autor, wobei Dorian Gray jedes Mal eigenständig bewertet werde. „Um es mit einem Zitat von Aldo Busi zu erklären: Er wird zum abwesenden Mephisto. Der Teufel, der in uns allen ist, unser Doppelgänger“, erklärt der Regisseur und fügt hinzu: „Alle 7 Figuren sind somit Hauptdarsteller.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006271_image" /></div> <BR /><BR /><BR />„In Musik umgesetzt bedeutet das, dass die Idee des 'Doppelten' uns auch musikalisch begleitet und sich in Dorian Gray konkretisiert, der der Spiegel der anderen ist“, erklärt zusätzlich der Komponist. Nachdem Rossen Gergov bereits 2021 die Oper „Alice“ dirigiert hat, kennt er das Haydn Orchester gut. „'Dorian Gray' ist ein Meisterwerk. Ich bin gespannt, wie es hier aufgenommen wird. Die Musik ist sehr berührend, bildhaft, sehr komplex und schwierig aufzuführen. Das Orchester ist aber auf einem sehr hohen Niveau so wie die Besetzung auch“, meinte der Dirigent abschließend. <BR /><h3> Termine</h3><BR />„<b>Crossing Dorian Gray – <Fett>Vom Roman zur Oper“</Fett></b>: <BR />15.3., Waaghaus, Bozen, ab 19 Uhr : Stefano Pintor und Matteo Franceschini sprechen mit Francesca Schir, Präsidentin der Psychologenkammer Bozen, und Greta Perletti, Professorin für englische Literatur an der Uni Trient. 20 Uhr: Stand-up-Comedian Giuseppe Forte tritt auf. 20.30 Uhr: Komponist Matteo Franceschini (alias Tovel) folgt mit Live-Set. Moderation: Oscar Bottes <BR /><BR /><BR /><b>Termine Oper:</b> 16.3., 20 Uhr und 17.3., 17 Uhr, Stadttheater Bozen <Fett>Werkeinführung:</Fett> 16.3., 19 Uhr; 17. 3., 16 Uhr, Stadttheater Bozen<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006274_image" /></div> <BR /><h3> Vita Stefano Simone Pintor</h3><BR />Der Autor und Regisseur erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Europäischen Opernregiepreis und den Moskauer Opernpreis Nano sowie Stipendien des Biennale Music College in Venedig und des Young Artist Program „Fabbrica“ der Opera di Roma. Er schrieb und inszenierte über 25 Opern und Theaterstücke für international führende Bühnen wie die Opera di Roma, die Biennale in Venedig, das Teatro Regio in Turin, das Royal Opera House in Maskat und das Theater Carré in Amsterdam. Für die Stiftung Haydn zeichnete er 2018 für das Libretto und die Regie der Oper „Ettore Majorana – Cronaca di infinite scomparse“ verantwortlich. 2022 inszenierte er die Oper „Falcone. Il tempo sospeso del volo“ anlässlich des 30. Jahrestages des Anschlags von Capaci. Pintors Werke wurden von italienischen und internationalen Radio- und Fernsehsendern live übertragen und werden von Casa Ricordi, Edizioni Sconfinarte, Ananke und anderen Verlagen veröffentlicht.<BR /><h3> Vita Matteo Franceschini</h3><BR />Der Gewinner des Silbernen Löwen bei der Musik-Biennale in Venedig 2019 komponiert Opern und sinfonische Werke, schreibt Chor-, Kammer- und Filmmusik und vertont Kunstperformances und Multimedia-Installationen. Der Komponist arbeitet regelmäßig mit Solisten, Choreografen, Regisseuren und multidisziplinären Künstlern zusammen. Er erhielt Aufträge von Institutionen wie der Filarmonica della Scala, der Biennale di Venezia, dem Ensemble Intercontemporain, der Philharmonie de Paris, der Wigmore Hall in London, dem Ircam-Centre Pompidou, dem Grand Théâtre de Provence, der Opéra Grand Avignon, dem Festival Milano Musica und der Stiftung Haydn von Bozen und Trient. Als Autor/Performer veröffentlichte er unter dem Pseudonym TOVEL das Album Gravity. Seit 2011 veröffentlicht Franceschini bei Casa Ricordi – Universal Music Publishing. <BR /><h3> Vita Rossen Gergov</h3> Der Dirigent arbeitet als Gastdirigent mit dem Sofia Philharmonic Orchestra sowie dem Sofia Opera & Ballet House. Bis 2017 war er Chefdirigent beim Bulgarischen Rundfunk-Symphonieorchester. Höhepunkte seiner Karriere sind die Neuinszenierung von Wagners Fliegendem Holländer an der Oper in Sofia, Konzerte mit dem Sofia Philharmonic Orchestra, der Philharmonie Pleven, Engagements beim Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra, Sichuan Symphony Orchestra, Pomeranian Philharmonic Bydgoszcz.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />