Montag, 26. Juli 2021

Ein Nachdenken über Leben und Tod: Uraufführung von Requiem (Sià Karà)

Am 28. Juli findet die Uraufführung des Requiems (Sià Karà) im Rahmen von Tanz Bozen statt, welches den Corona-Opfern gewidmet ist.

Die Proben für die Uraufführung am 28. Juli sind in vollem Gange.
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Die Proben für die Uraufführung am 28. Juli sind in vollem Gange. - Foto: © Gabriel Bianchini
Das Haydn Orchester spielt eine Auftragskomposition von Matteo Franceschini, dazu Live Eletronics und eine kongeniale Choreografie: Das, und noch viel mehr ist Requiem (Sià Karà), das am 28. Juli im Rahmen von Tanz Bozen uraufgeführt wird.

Mit der Auftragsarbeit der Stiftung Haydn/Tanz Bozen für ein neues Requiem wollte man im vergangenen Sommer das 60-Jahr-Jubiläum des Haydn Orchesters, das am 24. Oktober 1960 mit Mozarts Requiem debütierte, feiern. Corona hat diese Pläne bekanntlich durchkreuzt und so kommt das Werk des Komponisten Matteo Franceschini, „Associated Artist“ des Haydnorchesters und Preisträger des Silbernen Löwen der Musikbiennale 2019 und des Choreografen Radhouane El Meddeb erst in diesem Jahr zur Aufführung. Ihr neues Stück Requiem (Sià Karà) widmen die Autoren allen Opfern der Pandemie und ihren Familien.



Requiem auch in Frankreich und Kuba

Nach der Uraufführung in Bozen ist Requiem am 21. November in der Grand Opéra in Avignon (Frankreich) und im Dezember im Gran Teatro Alicia Alonso in Havanna (Kuba) zu sehen.

Requiem (Sià Karà) ist eine Komposition für rund 30 Orchestermusiker des Haydn Orchesters unter der Leitung von Maestro Jean Deroyer und Live Electronics performt von TOVEL, alias Matteo Franceschini und dazu die Choreografie des Tunesiers Radhouane El Meddeb für das kubanische Tanzensemble MiCompañia. Begleitet werden die Tanzprofis von tanzbegeisterten Amateuren aus der Umgebung.

Siá cará, (tira pa’lante), was auf kubanisch so viel heißt wie „hör auf zu weinen, finde lieber eine Lösung“, ist ein Satz, den Radhouane El Meddeb in den Straßen von Havanna oft gehört hat, als Aufforderung, das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. El Meddeb war so begeistert von der Karibikinsel und der Begegnung mit der Tanztruppe unter der Leitung Susan Pous Anadon, dass er vor Ort sein neues Stück entwickeln wollte. Inspirieren ließ er sich dafür von alten Riten, dem Glauben an Mythen und Zauberei und nicht zuletzt vom kämpferischen Geist, der Kuba und seine Einwohner auszeichnet.

„Es ist ein Nachdenken über die Essenz der Menschheit“

Musikalisch legte Franceschini seine Komposition weder als Imitation Mozarts noch als reine Totenmesse aus, auch wenn sein Requiem, das in dieser schwierigen Zeit entstanden ist, unweigerlich den Schmerz in sich trägt, den wir alle erlebt haben, vor allem jene, die einen geliebten Menschen verloren haben. „Was mich an Mozarts Requiem so fasziniert, ist seine Zeitlosigkeit. Es stößt ein Fenster auf, durch das man tief in die Seele des Lebens, der Musik und der Kreativität blicken kann. In meiner Partitur finden sich musikalische Anklänge an Mozart, harmonische Bezüge als eine Art Gedächtnisspiel, aber den Orchesterteil begleiten auch Live Electronics, die ich selber auf der Bühne performen werde.“


Ein unmittelbares Nachdenken über Leben und Tod, ein kollektives Fotogramm, ein Flashmob, der an einem öffentlichen Ort auf magische Weise konkret wird. So beschreiben Matteo Franceschini und Radhouane El Meddeb ihr Requiem (Sià Karà). „Es ist ein Nachdenken über die Essenz der Menschheit. Ein ewiges unumkehrbares, unsterbliches kollektives Ritual; ein Wunsch nach Aufschub, Innehalten, aber auch nach Leichtigkeit und Freiheit; ein Augenblick, in dem wir unsere Ängste überwinden und uns, wenn auch nur für kurze Zeit, von Lebensfreude inspirieren lassen können und das uns hilft, die Welt der Lebenden zu verstehen“, erklären die beiden Künstler.

jot