Donnerstag, 15. Oktober 2015

Erkenntnisse eines heute 40-Jährigen

Ausnahmemusiker Herbert Pixner ist 40 Jahre jung. Grund genug, um zurückzublicken - auf lehr- und entbehrungsreiche Jahre ebenso, wie auf den musikalischen Durchbruch. Das STOL-Gespräch mit einem 40-Jährigen, der bereits jetzt ganze Bücher füllen könnte.

Herbert Pixner ist 40. - Foto: Sinnesbichler
Herbert Pixner ist 40. - Foto: Sinnesbichler

Südtirol Online: Herbert Pixner ist 40 - Glückwunsch: erfreut, erstaunt, ernüchtert?

Herbert Pixner, bekannter Musiker und Komponist, aufgewachsen in Walten im Passeiertal, wohnt seit 2011 in Innsbruck: Erfreut, muss ich sagen. In den 40 Jahren hab ich doch so viel erlebt, wie andere wohl nicht in 100. Ich bin dankbar, gesund, mit der Familie und der Arbeit steht alles zum Besten. Es kann also so weitergehen.

STOL: Es gab eine Überraschungsparty beim Stanglwirt … steht das für den Pixner mit 40?

Pixner: Tja, ich wusste wirklich nichts und wurde völlig überrascht. Ich bin eigentlich nicht so der Geburtstagsfeirer. Vor einem halben Jahr hab ich mal überlegt: Entweder eine tolle, große Fete zu schmeißen oder zwei Tage mit der Familie einfach wegzufahren. Meine Sybille hat dann hinter meinem Rücken so was Großes organisiert. Ich dachte noch, wir gehen zum Abendessen und dann ins Bett, damit ich mal ausschlafen kann … Doch plötzlich waren Freunde und Familie, drei-vier Gruppen, bei denen ich mal gespielt habe, da … und ausgeschlafen habe ich dann erst am Tag danach.

Herbert Pixner ist 40. - Foto: Sinnesbichler

STOL: Was hat ein Mann mit 40, was er zuvor nicht hat?

Pixner: Gewiss hat man einen anderen Erfahrungsschatz, als mit 20. Es geht alles so schnell. Ich denke mir nur: Ich war ja erst 30 und jetzt das. Mit 40 ist man im besten Alter, finde ich. Und 50 bin ich ja noch nicht. Aber man könnte bereits ganze Bücher füllen.

STOL: Wie würden Sie Ihre 40 Jahre in einer Art Höhendiagramm nachzeichnen?

Pixner: Na, von 20 bis 30 war die Zeit, wo man alles ausprobiert hat. Von 30 bis 40 hat sich dann unglaublich viel getan. Wo es in Sachen Musik voll eingeschlagen hat, der eigene Betrieb dazukam.

Herbert Pixner in Aktion. - Foto: Christoph Huber

STOL: Die Highlights bis jetzt?

Pixner: Ach, es gibt viele, auch kleine Momente, die wichtig waren. Meine Familie, die Geburt meiner Kinder, die Bekanntschaft mit tollen Menschen. Die Entscheidung, das Studium abzubrechen und sich weiterzuwurschteln. Das Unterrichten aufzulassen. Vor sechs Jahren die Entscheidung nach Nordtirol zu ziehen. Vor fünf-sechs Jahren der Durchbruch in Sachen Arbeit …

STOL: Welche weniger guten Erfahrungen musste ein Pixner sammeln?

Pixner: Es hat sehr viele Tiefen gegeben, Momente, in denen man nicht wusste, ob man sich das Tanken heute überhaupt leisten kann, die Miete morgen bezahlen kann. Man hat halt gebuggelt … Zeit, Herzblut und Energie investiert … und irgendwann hat es funktioniert.

STOL: Inwiefern musste ein Pixner Lehrgeld bezahlen?

Pixner: Ich habe viel unterschrieben, wo man im Nachhinein gemerkt hat, dass man sich verkauft hat. Ich habe immer viel ausprobiert. Oft hat sich herausgestellt, dass es ein absoluter Blödsinn war. Dann war es wieder die beste Entscheidung, die ich habe treffen können. Im Voraus hat man nie gewusst, ob es überhaupt geht. Doch man muss immer etwas riskieren.

STOL: …um dann die Lorbeeren ernten zu können?

Pixner: Das gehört auch dazu. Wer arbeitet, darf auch feiern. Das ist man auch den Leuten schuldig, die einen den ganzen Weg lang mittragen. Das gilt es zu wertschätzen. Man nimmt sich eigentlich viel zu wenig Zeit, um das Leben zu Feiern.

STOL: Der Wunsch für die kommenden 40 Jahre?

Pixner: So abgedroschen es kling: dass man gesund bleibt. Man merkt heute schon bei den kleinsten Wehwehchen, wie sie einen einbremsen.

Herbert Pixner Projekt. - Foto: Koffou

Zurzeit ist aber nichts mit zurücklehnen. Am 27. Oktober wird etwa auf der Haselburg in Bozen das Buch vorgestellt, das auf 300 Seiten die letzten zehn Jahre des Herbert Pixner Projekts nachzeichnet. Ich hätte mir zu Beginn nie gedacht, dass wir damit Konzerte spielen, ja sogar davon leben können.

Insgesamt wünsche ich mir einfach, dass die Leute miteinander „g‘schaffen“.

Interview: Petra Kerschbaumer

stol