Ausnahmezustand kann ein Moment der größtmöglichen Ekstase, der tiefsten Erschütterung, der grenzenlosesten Horizontverschiebung sein. Transart spricht zu allen Seelen. <BR /><BR />Es setzt Maßstäbe – mit einem Programm, das Musik, Kunst, Performance, Literatur, Medienkunst und mehr vereint. Die diesjährige Ausgabe findet vom 12. bis 29. September statt – dabei wird kaum eines der brennenden Themen gemieden, von der Klimakrise, über die Verschiebungen weltpolitischer Konstellationen bis zum ambivalenten Verhältnis zur neuen Größe Künstlicher Intelligenz: Transart postuliert den Ausnahmezustand! <BR /><BR />Ein Gespräch mit Peter Paul Kainrath, dem künstlerischen Leiter des Festivals.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1052436_image" /></div> <BR /><BR /><b>Transart geht alle an: Wie würden Sie die Vielfalt des Festivals charakterisieren und wie kann man einen Zugang zum Festival finden?</b><BR />Peter Paul Kainrath: Es gibt kein Thema, es gibt keinen roten Faden. Wir gaukeln keine irgendwie beschaffenen Wahrheiten vor. Aber es gibt Säulen: das Metapolitische, das Bewusstsein zur Unterschiedlichkeit von Zivilisationen, das Immersiv-Partizipative und die Kraft weiblicher Kreativität. Es sind künstlerische Säulen, die direkt inmitten unserer Gesellschaft stehen und nicht irgendwo im geschützten Raum einer Kulturinstitution. Auch dies macht das Faszinosum von Transart aus. Es braucht kein Vorwissen, keine Erfahrung mit zeitgenössischer Kultur – es braucht einzig und allein Unvoreingenommenheit und Neugierde. Qualitäten, die einem im täglichen Leben auch hilfreich sind.<BR /><BR /><b>2 Schwerpunkte fallen ins Auge: Das Programm stellt Archetypisches in einen Kontext: das Lied von der Erde etwa oder den Mythos um Medea. Solche Querverbindungen sind wie ein Katalysator – Zeitloses verschmilzt mit aktueller Gegenwart und führt es in die Zukunft. Metmorphismus hingegen setzt auf Verwandlung. Wie gelingt die Quadratur des Kreises?</b><BR />Kainrath: Es wäre töricht zu denken, dass nur wir das Zeitgenössische entdeckt haben; ganz im Gegenteil: Es gab Epochen, in denen die Hervorbringung von Kultur und deren Mythen viel stärker und auf natürliche Weise mit der jeweiligen Gegenwart verknüpft war, als dies heute der Fall ist. Das kompromisslos Neue trägt etwas Radikales in sich, das zeitlos ist und immer wieder aufs Neue mit neuen Erfahrungen, mit neuem Blick befragt werden kann. Wer sich auf diese Erfahrungen einlässt, wird Zeit als großes Kontinuum erfahren. Plötzlich wird ein Besuch einer Transart Veranstaltung zum Taumel, in dem einem die verschiedenen Epochen als unterschiedlich glühende aber eben starke Strahlungen auf unsere Gegenwart erscheinen.<BR /><BR /><b>Zur Zusammenarbeit mit anderen Institutionen: Da finden sich das Museion, die Vereinigten Bühnen Bozen und das Klangforum Wien. Wie wichtig ist für ein Festival die Interaktion mit den Institutionen?</b><BR />Kainrath: Transart hat von Anbeginn auf Partnerschaften gesetzt; damit spricht man gemeinsam ein neues Publikum an, kann größer denken und erhält eine Gestaltungskraft, die man alleine nie und nimmer erreichen kann. Anstatt eines kleinen Schrebergartens kann man gemeinsam eine große Parklandschaft betreten. Es geht auch um gegenseitige Inspiration. Neben den bereits erwähnten Partnern sind in diesem Jahr vor allem auch Kunst Meran, Kids Culture Club mit einem Programm für die allerjüngste Zeitgenossenschaft und zum ersten Mal Museions Art Club mit dabei. Wir lernen voneinander und können der Kultur des Neuen eine sehr starke Stimme verleihen. <BR /><BR /><b>Zum Programm</b><BR /><BR />Explosiv verspricht der Eröffnungsabend am 12. September zu werden, denn Künstler Kris Verdonck scheut nicht vor einer großen theatralischen Geste zurück: In EXHAUST/Ajax zelebriert der bildende Künstler und Theatermacher die öffentliche Hinrichtung des Verbrennungsmotors. Die Aktion folgt dem Schema einer mittelalterlichen Hinrichtung. Der zweite Teil des Eröffnungsabends sieht ein Konzert der Band Shortparis im „Quartier Rombrücke“ Bozen vor: Sie gilt vielen als der beste existierende russische Live-Act. <BR /><BR />In den darauffolgenden Tagen ist zweimal (am 13.9. in Bozen und am 14.9. in Bruneck, jeweils im NOI Techpark) die Wiener Performance-Kompagnie Liquid Loft zu erleben, die sich mit der Figur der Medea beschäftigt, jener Medea, wie sie 1969 von der Operndiva Maria Callas in Pier Paolo Pasolinis Film verkörpert wurde. Im zweiten Teil des Bozner Aufführungstermines ist die Installation Femina von Riccardo Giovinetto zu erleben in deren Verlauf Schönheitsideale der Renaissance decodiert und neu arrangiert werden. <BR /><BR />Gleich am ersten Festivalwochenende stehen Außentermine mit zeitgenössischer Musik auf dem Programm: Samstag am Vigiljoch geht das Kymatic Ensemble unter dem Titel Ascension auf Pilgerwanderung und am Sonntag bespielt das stets entdeckungsfreudige Format INAUDITO/UNERHÖRT mit Studio DAN und dem ensemble Chromoson das Hotel Icaro auf der Seiser Alm. <BR /><BR />Zeitgenössische Musik steht auch im Fokus zweier Produktionen der zweiten Woche: Gustav Mahlers sinfonischer Liederzyklus „Das Lied von der Erde“ entstand 1908 in Toblach, in einer Zeit, in der sich Mahler mit Nachdichtungen altchinesischer Lyrik beschäftigte. Der chinesische Komponist Ye Xiaogang komponierte seine eigene, chinesische Version des Liedes. Ye wollte die Schönheit der chinesischen Poesie der Tang-Dynastie zum Klingen bringen. <BR /><BR />Am 18. September ist im Waltherhaus in Bozen eine Hommage an Lucia Długoszewski zu erleben. In unbekanntere Territorien und Kulturräume führen die folgenden Veranstaltungen: Metamorphismus lautet der Titel für das eintägige Performance-Programm am 21. September im Rahmen der Ausstellung „Die Insubrische Linie“ bei Kunst Meran. Am 22. September beschäftigt sich das Festival mit dem Schicksal des auf drei Staaten verteilten Volkes der Inuit. <BR /><BR />Zurück zur bildenden Kunst und führen Transart die Termine in der Stiftung Antonio Dalle Nogare, wo die japanische Performerin Akemi Takeya den Dadaismus als anti-bourgeoise Antikriegs-Gegenkunst ins 21. Jahrhundert holt. 2 Tage später präsentieren Transart und die Dalle Nogare Stiftung Andrea Frasers Performance „May I Help You?“ (1991/2024). Am 24. September steigt das Festival anlässlich des 10. Jubiläums des Dokumentationszentrums in die Fundamente des Bozner Siegesdenkmals hinab und reflektiert begleitet von der Stimme von Benito Mussolini über Struktur und Ordnung. <BR /><BR />Mit einem Theaterprojekt in Kooperation mit den Vereinigten Bühnen Bozen beendet Transart sein Programm am 26. September: „Die 7 Tage von Mariahaim“ vom Theaterensemble Nesterval ist eine für die Vereinigten Bühnen Bozen und Transart Festival adaptierte Version des Stücks „Das Dorf“, das 2019 für den Nestroy-Preis nominiert wurde. <BR />Auch 2024 verfügt Transart über seine eigene Oase – die OASIE Transart. Hier ist der Schauplatz der „Experiences“, die vom MUSEION Art Club kuratiert werden. oder den Kids Culture Club. Auch Tickets und Abonnements sind hier erhältlich, ebenso wie Informationen rund ums Programm. <BR /><BR />Kartenvorverkauf läuft – https://www.transart.it/de/tickets – Programm auf transart.it