Samstag, 06. Februar 2021

Forever Rock – Das Musical: „Musik bedeutet für mich Lebensfreude“

Wenn ein Jugendlicher vor rund 30 Jahren Eddie Van Halen als Vorbild hatte und den ganzen Tag lang Queen und Deep Purple im Radio zu hören waren, dann prägt das einen Menschen. So war es auch bei Günther Unterkofler aus Jenesien der Fall. Der leidenschaftliche Freizeitmusiker hat knapp 2 Jahre lang, neben seinem Beruf, ein Musical mit genau dieser Musik aus seiner Jugend geschrieben. Dank der großartigen Zusammenarbeit mit dem Jugenddienst Bozen-Land laufen nun die Vorbereitungen für „Forever Rock – Das Musical“ auf Hochtouren. Interessierte Darsteller können sich noch bis zum 15. Februar anmelden.

Günther Unterkofler in seinem Element: Seit er in seiner Jugend seine Gitarre gekauft hat, ist Musik seine größte Leidenschaft.
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Günther Unterkofler in seinem Element: Seit er in seiner Jugend seine Gitarre gekauft hat, ist Musik seine größte Leidenschaft.
In der einen Hand die nagelneue elektrische Gitarre, in der anderen der Verstärker. So lief Günther Unterkofler (48) vor etwas mehr als 30 Jahren die Talferwiesen hinauf, damit er per Anhalter nach Jenesien zurückfahren konnte. Das sei eines der prägendsten Ereignisse seiner Jugendzeit gewesen, sagt er. Dass er damals noch nie einen Ton auf einer Gitarre gespielt hatte, war ihm egal. Zuhause angekommen, lief der Jugendliche in sein Zimmer. Verstärker an die Steckdose, Gitarre dran, volle Verzerrung, volle Lautstärke, und mit einer wuchtigen Handbewegung über die Saiten startete Günthers Leidenschaft für die Musik – auch wenn kurz darauf seine Eltern ins Zimmer stürmten und dem lauten Treiben ein jähes Ende bereiteten.

„Ich erinnere mich gut an diese Zeit“, erzählt der Jenesier. „Musik spielte immer schon eine riesengroße Rolle bei mir und in meinem Freundeskreis. Und nachdem meine Eltern das Instrument aus den 4 Wänden verbannt hatten, mussten meine Freunde und ich eine andere Location für unsere Bandproben suchen. Wir spielten überall, erst in einer Garage, später in einem Hühnerstall, den wir für unsere Zwecke umbauen durften.“

Das ist nun etwa 30 Jahre her, Günthers Leidenschaft für die Musik ist aber keine Minute gealtert. „Ich habe mit großen Gruppen gespielt, bin im Duo aufgetreten und habe seit eh und je Musik nachgespielt. Ich kann zwar Noten lesen, kann aber nicht nach ihnen musizieren. Es ist mehr eine Gefühlssache. Musik ist etwas, was mich immer antreibt. Sie ist mein größter Motivator und sie gibt mir Lebensfreude.“

Ein Stück Leichtigkeit der vergangenen Zeit

Vor etwa 3 Jahren hatte der hauptberuflich Bankangestellte dann die Idee, ein Musical zu schreiben. „Die heutige Zeit ist schnelllebig, es gibt Beschränkungen und mehr Verbote denn je. In meiner Jugend hatte alles eine gewisse Leichtigkeit, die die heutige Jugend nicht mehr kennt. Die Songs im Stück sollten also Lieder sein, die fast ein jeder kennt, die von früher erzählen und Gelassenheit und Unbeschwertheit verstrahlen. Zudem haben mich Musicals immer schon fasziniert“, erklärt Günther.

„Wenn man im Urlaub ein Musical besucht, dann ist das ganz etwas Besonderes. Die Karten können noch so teuer sein, alle wollen sie haben. Im Musical selbst ist die Stimmung einfach unbeschreiblich, und das Musical, was mich am meisten prägte, ist wohl ,Mamma Mia!'. Als ABBA-Fan hatte ich über zweieinhalb Stunden lang Gänsehaut, und ich würde mich über alles freuen, wenn unser Projekt ,Forever Rock – das Musical' genau diese Emotionen auch bei unseren Zuschauern weckt.“

Knapp 2 Jahre lang arbeitete Günther am Feinschliff seiner Idee. „Die Idee hatte ich schon seit langem. Ich wollte ein Musical aus der Musik meiner Jugendzeit entwickeln. Also habe ich als Erstes die 20 bis 30 wichtigsten Songs aus dieser Zeit gesucht und deren Texte ins Deutsche gebracht. Dann hab ich begonnen, eine Geschichte um diese herum zu entwickeln“, erklärt Günther. „Viele Songs passten perfekt in die Geschichte, andere bekamen einen neuen Text von mir.“ So hat der Musiker nach und nach ein Stück entwickelt, welches das Potenzial hat, Emotionen bei Jung und Alt zu wecken.

Im Stück geht es um das „Forever Rock“, eine Kneipe, deren glorreiche Zeiten jedoch lange vorüber sind. Und auch um Jack, der früher auf der Bühne des Lokals zuhause war, steht es nicht gut. Er liegt nach einem schweren Motorradunfall schon ein ganzes Jahr ohne Bewusstsein in einer Klinik. Doch als seine ehemaligen Bandmitglieder plötzlich in der Stadt auftauchen, kommen alte Erinnerungen hoch, die Liebe zur Musik wird neu entflammt und das „Forever Rock“ zum Leben erweckt. „Ich habe so lange am Musical gebastelt, bis irgendwann der Punkt kam, an dem ich mir sagte: Ich bin fertig. Und nun?“

Dank dem Jugenddienst Bozen Land

Und die Frage war berechtigt, denn keiner kann ein Musical in Eigenregie planen und umsetzen. „Die Organisation war der schwierigste Teil“, erinnert sich Günther. „Man braucht ein Team, das bereit ist, diese ganze Zeit aufzubringen. Dann kommen die Kosten auf den Plan. Die Kosten für die Location, die Lichtanlage, die Tontechnik, die Ausbildung der Darsteller, die Coaches und natürlich die des Regisseurs.“

Doch der 48-Jährige hatte Glück. Er war wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat mit dem richtigen Mann über dieses Projekt gesprochen. „Ich kannte Günther Reichhalter, den Verantwortlichen des Jugenddienstes Bozen-Land, bereits und fragte ihn bei einer Gelegenheit, ob der Jugenddienst nicht Interesse hätte, ein Musical zu produzieren. Und das traf sich gut, denn in der Tat versuchte der Jugenddienst seit längerem ein passendes Musical zu finden.

Eine Woche später spielte ich einer kleinen Gruppe das gesamte Stück vor, und sie waren begeistert. Ohne diesen Enthusiasmus und den unermüdlichen Einsatz des ganzen Teams wäre die Umsetzung dieses Projektes nie möglich. Der Jugenddienst hat tolle Möglichkeiten und beste Kontakte, ohne die das Musical immer noch in meinem Kopf wäre“, so Günther, dessen perfekter Tag etwas Sport, Natur, zu jeder Zeit Musik und ein gutes Glas Wein zum Essen oder ein Bier unter Freunden beinhaltet.

Die aktuelle Lage macht die Umsetzung nicht gerade einfach, allerdings laufen zurzeit die Anmeldungen für die Rollen im Stück auf Hochtouren. „Wir haben bereits einige Anmeldungen, jedoch fehlt uns vor allem noch die männliche Besetzung. Anscheinend sind die Jungs schüchterner als die Mädchen. Wir sind also noch auf der Suche nach talentierten Jugendlichen, die vor allem Freude an einem Projekt wie diesem haben, etwas Talent beim Singen und Tanzen mitbringen, immer schon mal auf einer großen Bühne stehen wollten und bei rockiger Musik nicht stillstehen können. Alles andere wird mit der Hilfe unseres Teams und der Coaches schon werden.“

Und auch dabei hat der Jugenddienst Bozen-Land ganz tief in die Trickkiste gegriffen und nur die Besten engagiert: Für die Regie ist Christian Mair zuständig, das Vocal-Coaching übernimmt Doris Warasin, und Sonja Daum entwickelt die Choreografie.

Die Aufführungen werden zwischen Freitag, 24. September, und Sonntag, 3. Oktober 2021, im Waltherhaus Bozen stattfinden.

d