Montag, 21. Mai 2018

„Frankenstein” als Oper in Hamburg

Mary Shelleys berühmten Roman „Frankenstein” braucht man nicht gelesen zu haben, um zu wissen, worum es geht, er gehört zum erzählerischen Gemeingut. Jetzt hat die Hamburgische Staatsoper den Klassiker des Grusel-Genres als Oper herausgebracht.

Klassiker des Grusel-Genres als Oper. - Foto: APA (dpa)
Klassiker des Grusel-Genres als Oper. - Foto: APA (dpa)

Regie bei der Produktion, die in der Kulturfabrik Kampnagel gezeigt wird und am Sonntag Uraufführung hatte, führte Philipp Stölzl, Musik und Libretto hat Jan Dvorak geschrieben. Filmmusikreife, süffige Streichermelodien wechseln bei ihm ab mit hauchzarten Klangflächen oder gemäßigt modernen, rhythmisch strukturierten Passagen.

Zugleich prägt die Musik die entschieden psychologische Sichtweise auf das Sujet mit. Diese „Frankenstein”-Oper ist kein bluttriefender Grusel-Schmachtfetzen.

Stattdessen nimmt das Stück immer wieder die Perspektive der künstlich erschaffenen Kreatur ein, der sich die Schauspielerin Catrin Striebeck in einer Sprechrolle bis in die feinste Regung anverwandelt: Wegen seiner angsteinflößenden Hässlichkeit von den Menschen abgelehnt, leidet das Geschöpf an der eigenen Einsamkeit.

Monster nicht abstoßend gezeichnet 

Die Figur des Monsters ist alles andere als abstoßend gezeichnet. Marius Kob hat eine 2,5 Meter hohe Puppe entworfen, die von 3 Puppenspielern geführt wird. Dank der raffinierten Lichtregie verschwinden die Spieler förmlich in der Figur. Oft wirkt das Wesen durchscheinend wie ein Schmetterling.

Seine Körpersprache wird ihm also von außen eingegeben, eine kluge Parallele zur Tragik der Romanfigur, die ihre Persönlichkeit ja auch dem Schöpfungsakt eines leichtfertigen Wissenschafters verdankt. Umso anrührender ist es, wie unmittelbar die Bewegungen des Monsters dessen Unglück und Ohnmacht gegenüber der Feindseligkeit ausdrücken, die ihm überall entgegenschlägt.

Hohes stimmliches Niveau bei den Sängern 

Die Sängerriege begeistert mit hohem stimmlichen Niveau und exzellenter Textverständlichkeit. Viktor Rud gibt den Frankenstein mit wohlklingendem Bariton und steigert, wenn sich Frankenstein nach dem Tod seiner Braut auf die rastlose und tödlich endende Jagd nach dem Monster begibt, zusehends die Spannung.

Das Premierenpublikum quittierte den unerwartet nachdenklichen Opernabend am Sonntag mit anhaltendem Jubel, besonders für die vier Darsteller des Monsters.

apa/dpa

stol