Mittwoch, 01. Juli 2015

Freakshow mit Aussicht

Über ein besonderes Konzert mit Matthias Schriefl im Garten des Hotels Laurin in Bozen. Er musizierte dort im Rahmen des Südtirol Jazzfestival.

Matthias Schriefl nutzt die Umgebung für seine Musik, in diesem Fall das Schwimmbad im Garten des Hotels Laurin.
Matthias Schriefl nutzt die Umgebung für seine Musik, in diesem Fall das Schwimmbad im Garten des Hotels Laurin.

Über das Pool wurde eine Bühne gebaut. Weiße Klappstühle auf dem Gartenrasen, akzentuiert beleuchtete Pflanzen, im Hintergrund die Parkbar des Hotels Laurin in der Bozener Innenstadt. Ein Idyll des gehobenen Kunstgenusses, Casual Jazz, wären da nicht kleine Irritationen der Gewissheit. Das Konzert im Rahmen des Südtirol Jazz Festivals spielt mit den Möglichkeiten der Inszenierung, denn auf der Bühne steht Matthias Schriefl und lädt zu seiner „G7 Great European Jazz Conference“. Sieben Musiker und Musikerinnen aus ebenso vielen Ländern treffen sich unter der Leitung des Allgäuer Trompeters in dieser Kombination erstmals zum improvisierenden Mix der Ideen. Ein Hauch von Indie Rock trifft dabei auf imaginäre Folklore, eine Prise neumusikalischer Dissonanz auf profund jazzende Spiellust.

Zusammengehalten wird diese wilde Mischung durch Schriefls Talent, zirzensiche Elemente mit gestalterischem Ernst zu verknüpfen. Einerseits sprotzt er funky ins Alphorn, blubbert mit der Trompete ins Wasser oder mimt den Sousaphon-Derwisch mit wummerndem Blech-Bass. Auf der anderen Seite schafft er es, mit betörender Musikalität die Freakshow wieder in improvisierende, intellektuelle Emphase zu verwandeln. Die klaren, zwischen experimentellen Linien und sanftem Folk changierenden Stimmen von Tamara Lukasheva, Lauren Kinsella und Leila Martial wirken da wie ein künstlerisch zentrierender Gegenpol, Gitarrist Sigurdur Rögvaldsson, Saxofonist Pauli Lyytinen und Drummer David Meier wie die kraftvolle Erdung des Projekts, so dass aus der Jazz Conference am Ende ein erstaunlich schrill unterhaltendes Konzert zwischen Vision und Subversion wird. Und damit mehr als nur Jazz am Hotelpool.   

Ralf Dombrowski

stol