„Au au“, „Ma pur te“ oder „Bun sciöch'al é“ heißen ihre Songs. Schließlich wird auch diesmal auf Ladinisch gesungen. Auf „Mai guai“, so der Name der CD, die ab 13. Mai im Handel ist, präsentieren die beiden Schwestern Marlene und Elisabeth Schuen gemeinsam mit ihrer Kusine Maria Moling elf neue Lieder. „Mehr Ecken und Kanten“ habe die neue CD, so die Sängerinnen im STOL-Interview. Nach einem intensiven Jahr, das die drei Musikerinnen auf Konzerttouren durch Deutschland, Österreich und die Schweiz geführt hat, wissen sie nun besser, „welcher unser Sound ist.“Südtirol Online: Nur ein Jahr hat es gedauert, und Ihre zweite CD ist im Handel. Wieso so eilig? Maria Moling: Weil wir zu dritt sind, geht es ein bisschen schneller. Denn jede von uns schreibt. Manche Songs schreiben wir einzeln, manche zu dritt oder zu zweit. Marlene Schuen: Wir haben im letzten Jahr etwa hundert Konzerte gespielt. Somit ist es natürlich auch schön, wieder neue Lieder dabei zu haben und diese live zu singen. Es ist wichtig, dass man immer wieder gefordert ist.STOL: Mit „Mai Guai“ erwartet die Zuhörer ein neuer Ganes-Sound. Wie würden Sie den Stil der neuen CD beschreiben? Marlene Schuen: Vor „Rai de Sorëdl", unserer ersten CD, hatten wir zuvor noch nie live als „Ganes“ Konzerte. Wir sind einfach ins Studio gegangen und haben begonnen, unsere Songs aufzunehmen und zu arrangieren. Nachdem wir nun über hundert Konzerte gespielt haben, hat sich schon einiges geändert. Wir wissen besser, was wir wollen und welcher unser Sound ist. Auf der zweiten CD war es uns sehr wichtig, dass die drei Stimmen noch mehr in den Vordergrund treten. Schließlich macht uns das ja aus. Das bedeutet, dass es nicht eine Lead-Stimme und zwei Chor-Stimmen gibt, sondern, dass alle drei Stimmen gleichwertig sind. Das ist im Pop eigentlich nicht üblich, deshalb schenken wir dem eine große Bedeutung. Außerdem hat das neue Album mehr Ecken und Kanten, als die erste CD. Man kann alles sehr gut heraushören. Wir fanden es auch sehr spannend, mit elektronischen Elementen zu spielen – das haben wir bei drei bis vier Songs gemacht. Trotzdem ist das Akustische sehr präsent. STOL: Was wird sich bei den Auftritten ändern?Elisabeth Schuen: Die letzten Konzerte haben wir fast alle mit einem Gitarristen und einem Keyboarder gespielt. Jetzt nehmen wir noch einen Kontrabassisten mit, der auch E-Bass spielt und Beatboxen kann. Der Gitarrist spielt akustische Gitarre und E-Gitarre, der Keyboarder spielt auch Percussions. Maria wird mehr Percussions spielen, außerdem spielen wir wieder sehr viel auf den Geigen. Die Bandbreite ist nun viel größer. Es gibt Songs, bei denen nur Stimmen und Klavier zu hören sind, und andere, wo es wirklich abgeht und zu denen man auch tanzen kann. Teilweise spielen wir auch ein paar Beats ein. Es wird glaube ich richtig gut!STOL: „Mai Guai“ bedeutet „Nie Schwierigkeiten“. Worum geht es dieses Mal in Ihren Texten?Marlene Schuen: Während die erste CD ziemlich fließend ist, hat die zweite CD mehr Extreme: Die traurigen Songs sind tieftraurig, die Songs, bei denen es abgeht, haben noch mehr Power. Elisabeth Schuen: Jeder Song ist eine eigene Geschichte. Jene, die wir einzeln geschrieben haben, sind meistens Liebeslieder, es geht um Gefühle. Die Songs, die wir zusammen geschrieben haben, sind manchmal sehr themenspezifisch. „Bun sciöch'al é“, das heißt „Es ist gut so, wie es ist“, erzählt etwa davon, dass man in der Früh das Haus verlässt und lauter Menschen sieht, die sich über kleine Sachen ärgern. Zum Beispiel, dass die Ampel rot ist oder man in der U-Bahn grimmig angesehen wird. Davon lässt man sich oft beeinflussen. Unser Song sagt dann: „Komm mal runter, genieß es. Es ist doch eigentlich gut so, wie es ist.“ Im Song „Maestra“, das heißt „Lehrerin“, geht es um Autoritäten im Allgemeinen. Oftmals missbrauchen diese ihre Macht. Wir singen dann: „Autoritäten, schämt euch!“STOL: Steckt da persönliche Erfahrung dahinter?Marlene Schuen: Ein bisschen schon. In der Schule hatten wir manchmal Lehrerinnen, bei denen es für manche Schüler nicht lustig war. STOL: Manche Lieder haben Sie einzeln, manche gemeinsam geschrieben. Wie wird gearbeitet?Elisabeth Schuen: Jede von uns schreibt Songs, wenn sie mal zu Hause ist. So entstehen meistens sehr persönliche Songs, in denen man auch über Gefühle spricht. Ansonsten setzen wir uns auch manchmal zusammen, kochen und trinken etwas gemeinsam und schreiben. Das funktioniert eigentlich recht gut.STOL: Sind Sie sich in Ihrem Stil immer einig? Elisabeth Schuen: Ich glaube schon, dass man erkennen kann, von wem der jeweilige Song stammt. Jede von uns hat ihren eigenen Stil. Aber es passt immer zusammen. Maria Moling: Auch wenn wir einzeln schreiben, bedenken wir immer, dass das Dreistimmige Platz haben muss, dass man den Geigen Raum gibt oder auch einmal das Schlagzeug einen Groove spielen lässt. Marlene Schuen: Jeder unserer Songs unterscheidet sich von den anderen. Ich finde das auch sehr wichtig und schön. Ich mag es bei CDs, wenn nicht jeder Song gleich klingt und es Vielfältigkeit gibt.STOL: Wie lange waren Sie für die neue CD im Studio?Elisabeth Schuen: Wir waren im Februar und im März 2011 intensiv im Studio. Im Februar waren wir außerdem in Potsdam und haben mit dem Filmorchester Babelsberg eine Live-Version unserer ersten CD aufgenommen.STOL: Sie bleiben auch auf der neuen CD dem Ladinischen treu. Wurden Sie durch den Erfolg von „Rai de Sorëdl" ;darin bestärkt?Maria Moling: Bis jetzt kam das Ladinische immer gut an. Wenn man nicht jedes einzelne Wort versteht, kann man sich noch besser auf den Klang der Sprache konzentrieren und seine eigene Phantasie mitspielen lassen. Wir Ladiner sind es gewohnt, uns sprachlich anpassen zu müssen. Durch unsere Musik können wir nun auf Ladinisch mit den Leuten reden. Das ist schon sehr spannend, denn überall wird gleich wenig verstanden. STOL: Gab es schon Zuhörer, die wegen „Ganes“ Ladinisch gelernt haben?(Alle drei lachen)Marlene Schuen: Immer wieder gibt es auf Facebook Kommentare von Konzertbesuchern. Sie schreiben uns dann Textausschnitte oder Wörter, die sie sich von unseren Konzerten gemerkt haben. Es gab sogar ein paar, die uns gefragt haben, ob es ladinische Wörterbücher gibt.Maria Moling: Bei einem Konzert in Deutschland ist es uns auch einmal passiert, dass eine Konzertbesucherin alle Songs mitgesungen hat. Sie hatte die Lieder einfach gelernt, wahrscheinlich ohne zu wissen, was sie da genau singt.STOL: Die „Ganes“-Fangemeinde ist rasant gewachsen: Sehen Sie sich als Stars, oder eher gar nicht?Elisabeth Schuen: Als Stars sehen wir uns nicht (lacht). Wir konzentrieren uns auf die Musik und versuchen das Beste zu geben.STOL: Haben Sie sich privat verändert? Maria Moling: Also uns fällt nichts auf.Elisabeth Schuen: Da müsste man Andere fragen.STOL: Ist „Ganes“ im vergangenen Jahr reifer geworden? Marlene Schuen: Ja, das sind wir. Es hat aber gerade erst angefangen. Man muss viel arbeiten, bis es mal funktioniert. Wir haben das Glück, dass Hage (Hage Hein, der Manager von „Ganes“ und auch von Hubert von Goisern, Anm.d.Red.) uns gut unterstützt. Bisher haben wir viel in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Südtirol gesungen und waren auch auf der Weltmusikmesse in Kopenhagen. Nun möchten wir schauen, ob es möglich wäre, in Frankreich oder Spanien zu singen. Wenn Ladinisch in Deutschland funktioniert, wieso soll es dann dort nicht funktionieren?STOL: Wie schaut es mit Italien aus?Elisabeth Schuen: Italien ist ein bisschen schwierig. Die Italiener sind weniger offen, als man denkt. Maria Moling: Es hieß auch schon einmal: „Mit Deutsch können wir in Italien nichts anfangen.“ Marlene Schuen: In Udine haben wir auf einem Minderheitencontest gespielt. Das war ganz okay. Funktionieren könnte es schon, es ist eben ein bisschen schwieriger. Im Vergleich dazu sind Deutschland oder Frankreich Weltmusik gegenüber sehr offen.STOL: Wann ist „Ganes“ das nächste Mal in Südtirol zu hören?Maria Moling: Bisher haben wir vier Konzerte in Südtirol geplant. Das nächste ist im Juni auf dem Bozner Waltherplatz. Im Juli singen wir gemeinsam mit Hubert von Goisern in Meran beim „Thermen open air“.STOL: Gibt es noch eine Zusammenarbeit mit Hubert von Goisern?Elisabeth Schuen: Wir werden im Sommer drei, vier gemeinsame Konzerte geben. Darunter auch jenes auf dem Meraner Thermenplatz. Jeder spielt seine eigenen Songs, wir werden aber sicherlich auch etwas zusammen machen.STOL: Sind Sie noch in seiner Band?Elisabeth Schuen: Nein. Er macht jetzt ohne Mädels weiter. Jetzt singen die Jungs (lacht).STOL: Dürfen sich Ihre Fans nun jedes Jahr eine neue CD erwarten?Maria Moling: Das wird sich zeigen. Man muss auf jeden Fall etwas zum Schreiben, etwas zum Erzählen haben, um eine neue CD aufzunehmen. Interview: Barbara Raich