Dienstag, 14. April 2015

Goisern schmückt sich mit neuen "Federn"

Hubert von Goisern lässt sehen und hören: Am 8. Mai legt der Musiker das neue Album „Federn“ vor und ist ab 24. April mit „Brenna tuat's schon lang“ im Kino zu sehen.

Hubert von Goiserns neues Album, heißt "Federn".
Hubert von Goiserns neues Album, heißt "Federn". - Foto: © APA

Nachdem er nach dem Vorgängeralbum und der dazugehörigen Tour eine Pause eingelegt hatte, ging der Weltenbummler auf musikalische Entdeckungsreise. Diese führte ihn diesmal in die Südstaaten der USA – und ließ einen zwiespältigen Eindruck zurück. 

Rassismus heute

Als er mit Musikern dort etwa „Don't mess with my toot toot“ spielen wollte, sagten ihm diese: „Sicher nicht! Das hat ein Schwarzer komponiert“, wie Von Goisern im Interview erzählte.

„Ich dachte mir: Bitte, im Jahr 2014? Das kann es doch nicht sein!“ Doch es blieb nicht die einzige Erfahrung dieser Art. „Es ist ein Fakt dort und erst im Nachhinein hat sich das alles erklärt für mich.“

Habe er mit schwarzen Musikern geredet, hätten diese reserviert reagiert. „Ich fragte mich: Warum wird mir da nicht mehr Vertrauen geschenkt? Aber das war nicht möglich, weil ich weiß bin. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass die nichts wollen von den Schwarzen, außer sie ausnutzen für irgendetwas.“ Es gebe zwar durchaus „Sachen, die miteinander gehen, aber die muss man suchen“, so der Musiker.

Beinahe gescheitert

Letztlich sei das Album, auf dem sich auch Bearbeitungen von traditionellen Songs wie „Amazing Grace“ oder „Oh, Susanna“ befinden, beinahe gescheitert.

„Vor einem Jahr dachte ich mir: Vergiss es! Wo wir jetzt sind, ist ein Abklatsch dessen, wo ich hin wollte.“

Ausstellung und Film nebenbei

Das Glockner-Projekt („EntwederUndOder“, Musik zu einer Glockner-Ausstellung) sowie der Vilsmaier-Film „Oben und Unten“ seien da eine willkommene Abwechslung gewesen.

„Dafür brannte ich und das andere, das eigentlich mein größtes Feuer sein sollte, hatte eine unangenehme Kühle.“ Da aber die Herbsttour bereits geplant war, traf er sich mit seiner Band zu Proben – und siehe da, die Songs der Platte „sind abgefahren wie die Hölle“, schmunzelte Von Goisern. „Es brauchte einfach diesen Abstand. Und natürlich habe ich an ein paar Rädchen gedreht, die entscheidend waren.“

Im Zusammenspiel mit Helmut Schartlmüller (Bass), Severin Trogbacher (Gitarre), Alex Pohn (Schlagzeug) sowie Pedal-Steel-Gitarrist Steve Fishell sei „die Lockerheit dahergekommen“, die es brauchte.

„Ich war lange Zeit zu ergriffen von diesem Projekt“, erinnerte sich Von Goisern. „Der Anspruch war irrsinnig hoch und unerreichbar, dass ich als Einzelner dem allgemeinen, weltweiten Trend gegensteure, der sagt: Die Amerikaner bringen nur Unruhe und Chaos und Zerstörung rein. Und dann kommt der Goiserer und sagt: Stimmt alles nicht, die sind eh lieb. Das muss ich zur Kenntnis nehmen, dass ich da nichts ausrichten kann.“ Auch die Stücke selbst habe er dann „rücksichtsloser“ angegriffen. „Das hat ihm gut getan.“

Fremde Federn und Angst

Der Titel selbst wiederum nimmt nicht nur darauf Bezug, sich mit fremden Federn zu schmücken. „Als erstes ist mir ein Textzitat von Patti Smith eingefallen: 'Birds of a feather stick together.'“ Aus seiner Sicht sei die Verwandtschaft zwischen County und Volksmusik „ganz klar da“: „Eigentlich machen wir dasselbe, nur mit einem anderen Spiel- und Lebensgefühl.“

 

Hubert von Goisern mit "Federn". Foto: APA

 

Abgesehen davon wollte Von Goisern auf die Angst hinweisen, „die zur Zeit einfach da ist. Es haben alle Federn vor irgendetwas, wenn nicht gar vor allem.“ Zwar gebe es weniger kriegerische Konflikte als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.

„Aber der Fokus liegt so auf den Problemzonen. Das finde ich nicht gut. Vielleicht braucht es die Welt, dass sie sich dauernd fürchtet. Vielleicht geht freiwillig gar nichts mehr und man muss einfach diese Angst schüren. Mein persönlicher Zugang ist aber ein anderer.“

Keine Flut an Negativmeldungen

So behandelt er etwa in „Snowdown“ die Informations- und Datenflut und erinnert an die Whistleblower Edward Snowden und Chelsea Manning.

„Bin ich auf Reisen, lese ich meist keine Zeitung und entgehe dieser Flut an Negativmeldungen. Dann geht automatisch ein bisschen die Sonne auf. Kommt man zurück und dreht das Radio auf, fällt plötzlich alles zusammen. Man denkt: Ah ja, stimmt, es ist eigentlich alles fürchterlich. Es heißt ja: Medizin muss bitter sein, nur über den Schmerz kommt man zur Wahrheit, nur durch die Dunkelheit ans Licht. Aber es wäre lässig, wenn es ohne dem ginge. Ich versuche, diesen Weg einzuschlagen“, lachte Von Goisern.

apa

stol