„Halt mich“, „Liebe meines Lebens“, „Wo fängt dein Himmel an“, „Eiserner Steg“ oder „Wie soll ein Mensch das ertragen“ heißen die Songs von Philipp Poisel sprich „Poasell“ – und sie besingen vor allem eines: die Liebe – die unglückliche.Ein Abend voller Herzschmerz und Melancholie also in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff, wo der 29-jährige Liedermacher aus dem schwäbischen Ludwigsburg am Mittwoch vor seinen Südtiroler Fans aufgetreten ist.Und es gefiel: Sie sangen mit, tanzten und klatschten bei den wenigen, wohltuenden rockigeren Balladen und forderten eine Zugabe nach der anderen. „Danke, danke, danke“, so Poisel immer wieder.Der, wie er im STOL-Interview verrät, schüchterne Typ, der von Auftritt zu Auftritt mehr an Selbstbewusstsein gewinnt, kommt an - bei Jung und Alt.Südtirol Online: Eine Bühne mitten im See: Wie war der Auftritt in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff?Philipp Poisel: Es ist schon sehr besonders, im Zentrum von diesem Teich zu spielen. Normalerweise wird man nicht im 360-Grad-Winkel gesehen. Man hat das Gefühl, rundum ist was los.STOL: Sie waren nicht das erste Mal in Südtirol: Im Herbst gab es einen Auftritt in Bozen. Wie war das Südtiroler Publikum dieses Mal?Poisel: Es war voll, überall saßen Leute auf den Tribünen und den Wiesen… Als ich vor dem Konzert durch die Leute gegangen bin, hatte ich auch Lust, mich auf die Wiese zu legen, weil die Atmosphäre so schön war und die Leute so nett. Schon bevor es losging, machte alles einen entspannten Eindruck. Das Südtiroler Publikum war super.STOL: Am Ende sind die Südtiroler auch aufgestanden, haben mitgesungen und getanzt.Poisel: Bei den ruhigen Momenten hatte man das Gefühl, die Leute lauschen richtig. Als es gegen Ende des Konzertes die schnelleren und lauteren Sachen kamen, waren die Leute auch voll dabei. Wir hatten zuerst Zweifel, ob diese zum Teil rockigen Anteile in dem Programm in diesen stillen Park reinpassen würden. Es hat wirklich großen Spaß gemacht.STOL: Wie würden Sie ihre Musik beschreiben?Poisel: Das ist schwierig. Diese ruhige, stille Seite in mir macht auf jeden Fall ganz viel von mir aus. Das hat auch damit zu tun, dass es in meiner Musik oft darum geht, dass man jemanden vermisst, Sehnsucht hat, sich alleine fühlt und um den Wunsch, jemand anderem nahe zu sein. Da wird die Musik nachdenklich und stiller. Ich hab aber auch diese andere Seite in mir, die ich gerne auslebe – mal zu tanzen, dass die Post abgeht. Ich liebe den Kontrast zwischen diesen beiden Welten. Dieses Stille und In-sich-Gekehrte wird aber immer ein Teil meiner Musik sein und bleiben.STOL: Man möchte meinen, wenn Künstler ruhige Musik machen, sind sie auch selbst als Person ruhig und gefühlvoll. Wie ist das bei Philipp Poisel?Poisel: Ich bin schon eher der schüchterne Typ. Aber natürlich ist die Musik nur ein Ausschnitt meiner Persönlichkeit. Ich lache unheimlich gerne und bin auch ein fröhlicher Mensch. Es gibt viele andere Teile meines Lebens, die nicht zwangsläufig den Weg in die Musik finden.STOL: Sie haben auf der Bühne angefangen zu tanzen, es gab rockigere Elemente. Sieht man das in Zukunft öfters von Ihnen?Poisel: Ich habe mit einer Gitarre angefangen, Musik zu machen und war früher schüchterner auf der Bühne. In letzter Zeit habe ich viel Zuspruch bekommen, das gibt einem ein anderes Selbstbewusstsein. Auch mit der Band auftreten zu können, eröffnet neue Möglichkeiten. Ich habe Lust darauf, auch in Zukunft noch einen Schritt nach vorne zu machen, auf der Bühne zu tanzen, die E-Gitarre in die Hand zu nehmen und gemeinsam mit der Band Songs zu entwickeln.STOL: Sie waren mit Ihrer Gitarre eine Zeit lang als Straßenmusiker in Osteuropa und Schweden unterwegs. Nun touren Sie durch Europa. Was ist Ihnen lieber: die Straßenecke oder die Bühne?Poisel: (lacht) Die Bühne ist auf jeden Fall der schönere Ort, um Musik zu machen. Auf der Straße bekommt man ja nicht automatisch Gehör, da geht es darum, die Leute einzufangen. Auf der Bühne ist die Situation eine ganz andere: Die Leute warten, dass man anfängt. Da hat man die Möglichkeit, stillere Sachen zu machen und die Ruhe wirken zu lassen. Das funktioniert auf der Straße nicht.STOL: Diese stille Art, die sanft-romantischen und melancholischen Lieder: Treffen Sie damit den Nerv der Zeit?Poisel: Es sind Themen, die die Menschen immer schon bewegt haben, das hat mit Generationen nichts zu tun. Angst vor dem Tod, Liebe und Sehnsucht – das sind Sachen, die die Menschen immer beschäftigt haben. Dass es gerade für deutschsprachige Musik solche Akzeptanz gibt, ist schon ein Glück der Zeit.STOL: Englisch oder eine andere Sprache käme nicht in Frage?Poisel: Mit Englisch könnte ich letztendlich nie hundertprozentig ausdrücken, was ich meine. Auch, dass man Bilder beschreiben kann, finde ich sehr wichtig. Ich wäre niemals in der Lage, eine englische Poesie zu entwickeln.STOL: Schreiben Sie alle Texte selbst und ist alles selbst erlebt?Poisel: Ich schreibe alle Texte selbst und es ist auch alles von mir und geht auch von mir hervor. Dass es mit mir selber zu tun hat, ist für mich das Wichtige am Musik machen. Dass es ein persönlicher Inhalt ist, in den ich mich auf der Bühne emotional hineinbegeben kann.STOL: Was hören Sie von Ihren Fans am häufigsten?Poisel: Was ich oft zu hören bekomme, ist, dass die Texte oftmals etwas beschreiben, was die Leute zwar fühlen, aber selber nicht so ausdrücken können. Das ist auch die Art und Weise, wie ich Musik mache: Meine innere Welt zu beobachten und zu beschreiben, zu überlegen, welche Bilder sind da und wie fühlt sich das an. Interview: Barbara Raich