„Wir brauchen eine innere Tätigkeit als Nahrung, um unser Seelenleben zu aktivieren. Musik hören. Musik machen. Ins Theater gehen. Theater machen. Ein schönes Gedicht lesen. Wir brauchen das zum Überleben“, ist der Jazzmusiker überzeugt und Leonardo würde er gerne fragen: „Woraus hast du deine Inspiration bezogen, um diese Balance zwischen Kunst und Alltag zu finden?“ <BR /><BR /><BR />Von Eva Bernhard<BR /><BR /><BR /><b>Können Sie sich an Ihr erstes Stück erinnern, das Sie komponiert haben haben?</b><BR />Norbert Dalsass: An mein erstes Stück kann ich mich noch sehr gut erinnern, denn es hat sehr lange gedauert, bis ich mich entschlossen habe, eigene Stücke zu komponieren und dazu zu stehen. Dieses Werk ist 2003 entstanden, heißt „Walking on Fire“ und ist auf der gleichnamigen CD 2005 erschienen.<BR /><BR /><BR /><b>Welches Werk oder welcher Mensch hat Sie bewogen, diesen Weg einzuschlagen?</b><BR />Dalsass: Auf meinem Weg als Musiker, als Architekt, als Mensch haben mich viele Menschen begleitet und inspiriert. Ich habe 2012 ein größeres Werk mit dem Namen Chacmools veröffentlicht. In diesem Werk sind einige von jenen erwähnt, die meine Mentoren waren. Da kommen vor: weltbekannte Musiker wie Franco Ambrosetti z.B.; Poeten und Literaten wie der Mythologe und Astrologe Wolfgang Denzinger; Carlos Castaneda mit seinem Yaqui Meister Don Juan; ein paar Freunde, die<BR />mich angeregt haben, eigene Musik weiterzubringen. Das sind etwa Roman Hinteregger, Michele Giro, Helga Plankensteiner, Michl Lösch...<BR /><BR /><BR /><b>Mehr denn je hat sich in dieser Zeit gezeigt, dass die Gesellschaft Kultur braucht, weil…</b><BR />Dalsass: Wir brauchen eine innere Tätigkeit als Nahrung, um unser Seelenleben zu aktivieren. Musik hören. Musik machen. Ins Theater gehen. Theater machen. Ein schönes Gedicht lesen. Wir brauchen das zum Überleben. Als Alltagsmenschen bewältigen wir den Tag, funktionieren mehr oder weniger gut, aber unser Seelenwesen bezieht seine Nahrung aus der Kunst, aus der Musik, aus der Literatur und dem Theater. Ohne künstlerische Tätigkeit trocknen wir innerlich aus, verlieren unsere Kraft und funktionieren letztendlich nur noch, Lebendigkeit und Lebensfreude gehen verloren.<BR /><BR /><BR /><b>Wer ist für Sie der bedeutendste Künstler der Geschichte?</b><BR />Dalsass: Kunst war in alten Zeiten, wo es den Begriff noch gar nicht gab, mit dem Leben eng verbunden. Das gibt es sicher noch in afrikanischen Völkern, wo zum Beispiel die Musik Teil des Alltagslebens<BR />ist. Die bedeutendsten Persönlichkeiten waren immer auch Künstler, man denke beispielgebend an Leonardo da Vinci. Er hat das Abendmahl geschaffen, war gleichzeitig auch Erfinder und spitzfindiger Ingenieur im Dienste des Staates. In ihm waren sowohl die rechte wie auch die<BR />linke Seite voll und ganz aktiv. Er lebte in seinem Alltag beide Seiten gleichermaßen, Kunst und Beruf. Die Kunst hat seinen Alltag genährt... und wahrscheinlich auch umgekehrt.<BR /><BR /><BR /><b>Welche Frage würden Sie ihm gerne stellen?</b><BR />Dalsass: Woraus hast du deine Inspiration bezogen, um diese Balance zwischen Kunst und Alltag zu finden?<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Was bedeutet für Sie Schönheit?</b><BR />Dalsass: Schönheit ist kein Zustand. Schönheit ist etwas sehr Persönliches, was aber allen zugute kommen will. Ich merke, dass Schönheit immer wieder erobert werden will. Es liegt etwas Unfertiges am Tisch, eine Zeichnung, ein Bruchteil eines Musikstückes, und das will schließlich schön werden. Und das ist die Aufgabe, die der Schönheit innewohnt.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Der französische Poet Théophile Gautier prägte den Begriff „L’art pour l’art“ (Kunst der Kunst willen) und machte so 1835 erstmals die Kunst selbst zum Thema. Einen Luxus, den man sich heute noch leisten kann?</b><BR />Dalsass: Was heißt hier Luxus? Wir wissen alle, dass sich Kunst selten aus sich selbst heraus nähren kann. Um unabhängig zu sein, muss sie von der Wirtschaft losgelöst bleiben. Was gleichzeitig bedeutet,<BR />dass der Künstler, um zu leben, von den Wirtschaftskräften unterstützt werden muss. Es ist schließlich die ganze Gesellschaft dafür zuständig, das so einzurichten, denn die Künstler geben auch der ganzen Gesellschaft etwas zurück und können das aber nicht direkt abrechnen. Ein Musikstück kann ich nicht abrechnen. Aber dienen tut es letztendlich der ganzen Gesellschaft.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Und was würden Sie gerne einmal einem Kunstkritiker sagen?</b><BR />Dalsass: Heikle Frage, denn da setzt man sich leicht in ein Wespennest... Ich habe festgestellt, dass die besten Musikkritiker eigentlich selber Musiker sind. Man merkt, dass sie ihre Fragen stellen, weil sie zum Wesen eines Musik- oder Kunstschaffenden einen besseren Zugang haben.<BR /><BR /><BR /><b>Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?</b><BR />Dalsass: Voll kreativ und volle lebendig!<BR /><BR /><BR /><b>Harmonie bedeutet für mich…</b><BR />Dalsass: Harmonie, oder harmonía, kommt aus dem Griechischen und ist die Muse für Schönheit und Harmonie. Auch mit der Harmonie ist es wie mit der Schönheit – sie will immer wieder erobert werden.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Mein Ort der Harmonie ist…</b><BR />Dalsass: Der Ort der Harmonie steckt in jedem von uns selbst, ganz tief drinnen.<BR /><BR /><b>Die „Whos“ des Künstlers</b><BR /><BR /><BR /><b>Name:</b> Norbert Dalsass<BR /><b>Beruf:</b> Architekt und Musiker<BR /><b>Alter:</b> geboren 1959<BR /><b>Geburtsort:</b> Bozen<BR /><BR /><BR /><b>Wo Sie schon überall gelebt haben:</b> Hat sich immer wieder mit sich selbst herumgetragen<BR /><BR /><BR /><b>Wo Sie jetzt leben:</b> Brixen<BR /><BR /><BR /><b>Wie war Ihr Werdegang zum Künstler:</b> Die Lust am Musikmachen hat mir die Kraft gegeben, jede Durststrecke zu überwinden.<BR /><BR /><BR /><b>Was haben Sie studiert:</b> Architektur<BR /><BR /><BR /><b>Wo haben Sie schon überall gespielt:</b> Vielerorts im In- und Ausland<BR /><BR />