Donnerstag, 09. April 2015

„Ist Frei.Wild eine Rechtsrockband?“ „Nein.“

Die einen sind glühende Fans, die anderen verorten die Band eindeutig in der rechten Ecke: Frei.Wild polarisiert, so viel ist sicher. Passend zum Release des neuen Albums „Opposition“ hat Spiegel Online Sänger Philipp Burger heikle Fragen gestellt – darunter: Warum findet sich ein Goebbels-Zitat in einem ihrer Songs?

Philipp Burger bei der CD-Präsentation am 31. März im Sudwerk in Bozen - Foto: DLife
Philipp Burger bei der CD-Präsentation am 31. März im Sudwerk in Bozen - Foto: DLife

Grundfrage des Interviews von Spiegel Online-Redakteur Jurek Skrobala mit Philipp Burger war eine alt bekannte: Ist Frei.Wild nun rechtsextrem oder bloß konservativ?

Auf die Frage, ob seine Band eine Rechtsrockband sei, fand Burger klare Worte: „Nein.“ Das "Nein" begründete er so: „Was in Deutschland als ‚rechts‘ bezeichnet wird, schließt konservative Werte, aber auch Ultra-Nazis mit ein. Das ist das Problem: Es werden keine Unterschiede gemacht.“

Burger: Mit konservativen Werten „alles andere als ein Problem“

Mit konservativen Werten habe er „alles andere als ein Problem“, so der Frei.Wild-Frontmann im Interview wörtlich. Wenn ihre Fans radikale Dinge rufen, „dann kommt das sicher nicht von uns“.

Und: Generell sei festzuhalten, dass alle Bands, egal ob Frei.Wild, die Toten Hosen, die Ärzte oder Rammstein, ähnliche Fans hätten. „Man kann nicht sagen: Bei Frei.Wild sind übermäßig viele Leute dabei, die konservative oder gar politisch radikale Werte vertreten – und bei den anderen Bands nicht. Solche Fans gibt es überall.“

„Heimatliebe fundamental für Sprache und Kultur“

Zudem hielt Burger fest: Südtirol sei nicht Deutschland. „Unsere Geschichte, in der Heimatliebe fundamental für die Erhaltung unserer Sprache und Kultur verantwortlich ist, kann man mit der deutschen einfach nicht vergleichen – wenn auch Südtirol bekennende Nazis hatte.“

Goebbels-Zitat im Song? „Allgegenwärtiger Slogan“

Redakteur Skrobala wollte dies so nicht gelten lassen. Er konfrontierte Burger mit einer Zeile aus dem Song „Für immer Flügel und Anker“. Der Song war auf dem Album „Still“ erschienen, Frei.Wild hatte es im Herbst 2013 veröffentlicht. Darin heißt es: „Sturm, brich los.“ Ob er denn wisse, wen er mit diesen Worten zitiere, fragte Skrobala Burger. Burger verneinte. Joseph Goebbels (Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda im Dritten Reich; Anm.d.Red.), löste Skrobala auf.

„Die Geschichte ist mir neu“, erklärte Burger. „Was soll ich denn jetzt dazu sagen? ‚Sturm, brich los‘ ist ein allgegenwärtiger Slogan. Man wälzt beim Schreiben von Songs ja nicht jedes Mal die Geschichtsbücher.“ Er finde die Frage kränkend, ergänzte Burger, vor allem, weil er selbst Teil der rechten Skinheadszene gewesen war. „Sie können sich sicher vorstellen, dass ich der Letzte wäre, der wissentlich einen solchen Slogan in die Lieder einbauen würde“, stellte Burger im Interview fest.

stol

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