2005 wurde er mit seinem Hit "You're Beautiful" weltbekannt.Seitdem bereist er die Welt, schreibt einen Hit nach dem anderen und gibt Interviews. Interviews, in denen er sich häufig einen Spaß daraus macht, kleine Lügen aufzutischen. Auch wir sind dem charmanten Songwriter, ehemaliger Captain der britischen Life Guard, auf den Leim gegangen.Denn wie sich herausstellt, hat der smarte, bodenständige Mann aus England, der derzeit mit seinem vierten Studioalbum "Moon Landing" tourt, eine Schwäche: Sein Alter.Südtirol Online: Mr. Blunt, mit "Moon Landing" sind Sie nach mehreren Jahren musikalisch wieder zu Ihren Wurzeln zurückgekehrt. Was genau bedeutet das?James Blunt: Ich habe beim Schreiben der Lieder nicht mehr an das Publikum gedacht, oder daran, Stadien zu füllen. Ich habe einfach sehr persönliche Songs geschrieben. Musik ist meine Leidenschaft, nicht mein Job. Das wollte ich wieder stärker herausstreichen. Und auch bei den Studioaufnahmen habe ich mich auf meine Anfänge besonnen und mich wieder mit denselben Menschen umgeben, die bei meinem ersten Album dabei waren. Wir haben uns ein Jahr lang in ein Studio eingeschlossen und dieses Album gemacht. Ich würde es als ungeschliffen und unschuldig beschreiben. Ich habe festgestellt: Je weniger ich beim Songschreiben an mein Publikum denke, desto mehr mögen die Fans meine Lieder.Stol: Waren die vorhergehenden Alben also weniger "James Blunt"?Blunt: Nein, gar nicht, ich bin sie nur anders angegangen. Das zweite Album war eine Reaktion darauf, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Es ist ein eher düsteres Album, "All the Lost Souls" ist ja schon mal kein sehr fröhlicher Titel. "Some Kind of Trouble" war dann eine Ode an die Tourneen, an das Feiern im Stadion. Es war laut und stolz. Ich habe keine akustische Gitarre verwendet, sondern die elektrische, um dem Volumen der Stadien gerecht zu werden. Man macht einfach Krach.Stol: Wie würden Sie das Album "Moon Landing" beschreiben?Blunt: Nun, man kennt ja bereits den Song "Bonfire Heart". Das Album hat Höhen und Tiefen. Aber beim Konzert werden wir natürlich auch alte Songs spielen.Stol: Ihre Songs werden seit zehn Jahren im Radio gespielt. Ist das Gefühl, wenn man den eigenen Song hört, immer noch erhebend?Blunt: Nun ja, ich höre eigentlich sehr wenig Radio, da ich mich meistens im Tourbus aufhalte, wo wir keines haben. Aber wenn ich in ein Geschäft gehe, dann höre ich manchmal meine Songs, und denke mir: Schön, ich hab noch einen Job. Gut zu wissen (lacht).Stol: Und wie ist es mit "You're Beautiful", Ihrem größten Hit? Wird man nach zehn Jahren der selben Melodien überdrüssig?Blunt: Ich werde in jedem Interview danach gefragt. Ich habe schon viele Interviews gegeben und jeder will das von mir wissen. Das finde ich sehr seltsam. Die Menschen kaufen die Konzertkarten. Wenn ich den Song nicht spielen würde, wären sie dann nicht enttäuscht? Als Musiker gebe ich den Menschen einfach gerne, was sie hören wollen. Das ist Teil meiner Karriere und ich liebe jeden Tag davon. Zudem singe ich ja auch noch viele andere Lieder auf meinen Konzerten. Es ist immer schön, neue Songs zu haben und sein musikalisches Repertoire auszubauen. Aber ich genieße es auch, die alten Lieder zu singen.Stol: Hätten Sie sich beim Schreiben von "You're Beautiful" vorstellen können, dass das Lied ihr großer Durchbruch wird?Blunt: Wenn ich Lieder schreibe, dann denke ich nicht "Hit oder nicht Hit". Ich versuche, eine Emotion oder eine Laune einzufangen und schaue, ob andere sich damit ebenfalls auseinandersetzen können. Auch bei "Bonfire Heart" habe ich versucht, über Dinge zu schreiben, die wir alle fühlen, ich habe nicht gedacht: Ich muss jetzt unbedingt einen Hit schreiben. Ich habe es einfach genossen. Und wenn der Song dann tatsächlich in den Charts landet, denke ich mir: Hey, das ist super.Stol: Kam der Gedanke auch nicht, als der Song fertig aufgenommen war und Sie ihn zum ersten Mal gehört haben?Blunt: Naja, ich denke mir meistens: Ok, ich mag den Song. Man sollte sich auch nicht selbst hinterfragen. Das machen dann die Plattenfirmen. Meine Aufgabe ist es, Spaß an der Musik zu haben und den Job aus einfacheren und sagen wir, aus ehrlicheren Gründen zu machen, als Nummern zu zählen (lacht).Stol: Welcher ist Ihr persönlicher Lieblingssong?Blunt: Ich liebe den Song "Same mistake". Es ist ein sehr ausdrucksstarker Song, und es macht großen Spaß, ihn live zu performen, weil sehr viele Emotionen mit dabei sind.Stol: Wollten Sie denn schon immer Musiker werden?Blunt: Nun, als ich klein war, hatte ich Klavierstunden. Meine Mutter verlangte es, ich selbst habe das Klavier gehasst. Mit 14 habe ich dann die elektrische Gitarre für mich entdeckt und wusste: Lieder schreiben, das ist es, das will ich später einmal machen…Stol: Wie hat Ihre Familie reagiert?Blunt: Sie haben natürlich gesagt, dass es sehr schwierig ist, im Musikgeschäft Erfolg zu haben. Ich antwortete, dass Erfolg nicht an Ruhm oder Geld gemessen werden sollte, sondern am Lächeln im Gesicht. Und dabei bin ich geblieben.Stol: Sie haben im Februar Ihren 40. Geburtstag gefeiert ...Blunt: Nein, den 30.Stol: Verzeihung?Blunt: Ich habe meinen 30. Geburtstag gefeiert. "Trenta".Stol: Oh, das tut mir leid, da muss ich mich verlesen haben.Blunt: Nein, das ist okay, Wikipedia sagt selten die Wahrheit.(Selbstverständlich hatten wir uns nicht verlesen. Wie es sich herausgestellt hat, macht sich James Blunt häufig einen Spaß daraus, beim Alter zu schwindeln. Das machte er aber so charmant, dass wir ihm diese kleine Lüge verziehen haben, Anm.d.A.)Stol: In Zeiten von Twitter und Facebook: Bekommen Sie noch altmodische Fanpost?Blunt: Ja, eigentlich schon. Ich bekomme zahlreiche Briefe und ich behalte sie auch. Ich habe eine große Sammlung von Nachrichten und Karten.Stol: Schreiben Sie auch zurück?Blunt: Nein, keinem Einzigen. (lacht) Ich bin ein furchtbar schlechter Verfasser von Briefen, das war schon bei meinen Freunden und meiner Familie so. Aber ich behalte und lese sie.Stol: Würden Sie sagen, Sie sind ein typischer Brite?Blunt: Oh ja. Ich bin zurückhaltend, zeige keine Emotionen, kann Gefühle nur schwer zeigen und habe natürlich auch schlechte Zähne. Wenn auch nicht zu schlecht. Und ich habe einen furchtbaren Geschmack, was Kleider angeht, ganz im Gegensatz zu den Italienern. Ach, und ich liebe schlechtes Essen (lacht).Stol: Sie können ihre Gefühle nicht zeigen und schreiben dennoch sehr gefühlvolle Lieder. Wie passt das zusammen?Blunt: Nun, ich glaube, jeder hat es irgendwie in sich. Wer seine Gefühle nicht in Worte fassen kann, macht es auf eine andere Art und Weise. Ich mache es durch meine Lieder.Interview: Elisabeth Turker