Dienstag, 22. November 2016

„Matt Noise“: Südtiroler ist Deutschlands bester Newcomer DJ

Seit Freitagnacht ist der Bozner Matthias Unterfrauner auch in Deutschland eine bekannte DJ-Größe. Im Wettbewerb um den Titel „bester Newcomer DJ“ konnte sich „Matt Noise“ in Dresden gegen 120 Konkurrenten durchsetzen.

„Matt Noise" gemeinsam mit Karim Dhouibi auf der Bühne. - Foto: Bruno Gareffa Photos/Facebookaccount Matt Noise/Screenshot
„Matt Noise" gemeinsam mit Karim Dhouibi auf der Bühne. - Foto: Bruno Gareffa Photos/Facebookaccount Matt Noise/Screenshot

 „Dolomiten“: Musik spielt in deiner Familie eine große Rolle. Deine Großmutter hat Musik unterrichtet, deine Tante ist Opernsängerin, dein Onkel spielt Orgel, deine Mutter Violine. Spielst du auch ein Instrument? 
Matthias Unterfrauner: Ich habe etwa 6 Jahre lang Gitarre gespielt. In der zweiten Oberschule habe ich damit aufgehört, da mich andere Dinge mehr interessierten, und ich in der Schule zu zu viel zu tun hatte.

„D“: Ich nehme an, dass du dich zu Hause eher mit Klassik beschäftigt hast. Wie kamst du mit der elektronischen Musik in Kontakt und wann hast du als DJ begonnen?
Unterfrauner: Ja, allerdings! Das war, als ich 2013 begonnen habe, auszugehen. Die elektronische Musik hat mich gleich fasziniert. Damals habe ich das erste Mal zu Silvester für eine Party mit Freunden eine Playlist zusammengestellt.

„D“: Du studierst seit Oktober an der TU in München Informatik, wie vereinst du deine Passion mit dem Studium?
Unterfrauner: Noch geht es, ich habe erst zu Studieren angefangen. Mein Hobby ist allerdings sehr zeitaufwändig, denn die Vorbereitung zu einem Abend dauert mehrere Stunden. Musik auflegen macht mir Spaß, entspannt mich - es ist meine Passion. Wenn das nicht so wäre, könnte ich nie so viel Zeit darin investieren.

„D“: Warum nennst du dich Matt Noise? Matt ist klar, das ist die Abkürzung deines Vornamens, doch Noise bedeutet eigentlich Lärm, nicht unbedingt eine positive Assoziation zum Thema Musik…
Unterfrauner: Die Wahl meines „Künstlernamens“ war eigentlich ganz unspektakulär: Als ich mit dem Auflegen begonnen habe, habe ich mir gedacht, dass ich mir einen Namen zulegen sollte, den man sich leicht merken kann. Und da fiel mir Noise ein, dabei ist es dann geblieben.

„D“: Du schreibst auf Facebook, dass du Future House, Bass House und alles, was du magst auflegst. Das heißt, du wirst nur für diese Art von Musik gebucht?
Unterfrauner: Es entstehen ständig neue Musikrichtungen, weshalb es nicht einfach ist, einen Musikstil zu definieren. Ich bewege mich im Rahmen der elektronischen Musik. Es macht allerdings kaum Sinn, jemanden über ein bestimmtes Genre zu definieren.

Facebookaccount Matt Noise

„D“: Wo hast du in Südtirol schon überall aufgelegt?
Unterfrauner: Das war bei vielen Festivals wie dem Boom, dem Elysium und dem Crazy Castle etwa. Ich habe meine Musik auch in verschiedenen Clubs, wie im Max in Brixen oder im Life in Bozen gespielt.

„D“: Hast du DJs, denen du nacheiferst?
Unterfrauner: Ja, auf jeden Fall. Es gibt sehr viele, die ich mag. Wer mir aber seit Jahren imponiert ist Don Diablo.

„D“: Du hast bereits 2013 beim österreichischen DJ-Contest den 4. Platz belegt, was bedeutet nun dieser neue Preis für dich?
Unterfrauner: Ich bin sehr glücklich. Lange habe ich überlegt, was ich beim Contest spielen sollte. Ich wollte die Menschen für Musik begeistern, die sie so noch nicht gehört haben. Meine ganz persönliche Note ist mir wichtig, und ich möchte mich von anderen DJs abheben. Es geht mir nie um das Kommerzielle, sondern immer um die Vermittlung von Musik.

D“: Das hat funktioniert, du hast den deutschen Newcomer DJ 2016 Contest gewonnen...
Unterfrauner: Es war ein Risiko...

D“: Gegen wie vielen andere DJs bist du angetreten?
Unterfrauner: Bei den Vorausscheidungen in ganz Deutschland sind 120 angetreten. In Dresden haben dann die Sieger der Vorausscheidungen mitgemacht. Wir waren 6 im Finale. Ich hatte in Regensburg gewonnen.

„D“: Was wurde bewertet?
Unterfrauner: Wir mussten jeweils eine Viertelstunde vor Publikum spielen. Bewertet wurde dabei die Technik, die Musikauswahl und die Reaktion der Menge.

„D“: Und welche Pläne hast du jetzt?
Unterfrauner: Ich werde im Juli beim Open Beatz Festival in Herzogenaurach bei Nürnberg auflegen, das ist Teil des Preises sowie die Unterstützung einer Produktion, die dann auf einem Label veröffentlicht wird. Damit tut sich eine neue Welt auf, der deutsche Markt eben. Ich möchte mich auch auf die Produktion konzentrieren. In Südtirol werde ich allerdings in nächster Zeit nicht oft auftreten, da ich in München studiere und die meiste Zeit in Deutschland lebe.

„D“: Welches europäische Land ist in deinem Musikbereich das wichtigste?
Unterfrauner: Auf jeden Fall Holland, auch Deutschland natürlich.

„D“: Könntest du dir vorstellen, professionell als DJ zu arbeiten?
Unterfrauner: Ja, das könnte ich mir schon vorstellen, aber nur wenn ich das machen darf, was ich wirklich mag. Ich möchte mir immer meine Freiheit bewahren, und nicht eingeschränkt werden.

Interview: Eva Bernhard

stol