Ein Gespräch mit dem scheidenden und neuen Präsidenten. Von Ferruccio Delle Cave<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1285011_image" /></div> <BR />Hannes Gamper ist Künstler und Schmuckdesigner und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seit 2006 leitet er die Juweliermanufaktur „Tiroler Goldschmied“. Für seine Tätigkeit als Designer und Goldschmied erhielt er zahlreiche internationale Preise. 2022 wurde er auch zum Mitglied im Stiftungsrats des Museion Bozen ernannt. Seit seiner Jugend ist Hannes Gamper ein begeisterter Abonnent des Festivals und seit 2017 Mitglied des Meraner Musikwochenvereins. <BR /><BR />Warum das erste Festival nicht im Kursaal stattfand, was am Abend des 11. Septembers 2001 passierte und welche großen Herausforderung in diesen 40 Jahren zu bewältigen waren, erzählt Hermann Schnitzer im Gespräch. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1285014_image" /></div> <BR /><BR /><b>Nach der Gründung des Festivals Meran, um die Mitte der 1980er Jahre sind bis heute mehr als 40 Jahre einer für unser Land einmaligen Erfolgsgeschichte vergangen. Was waren, Ihrer Meinung nach, die Meilensteine dieses Festivals, das mittlerweile international zu den begehrten Musikfesten gehört?</b><BR />Hermann Schnitzer: Schon der Beginn war ein Meilenstein: Das Festival begann anlässlich des 100. Geburtstages der Kurstadt Meran im Stadttheater. Intendant Andreas Cappello und ich haben die Gründung eines Musikfestivals gewagt, und schlussendlich hat uns der Erfolg recht gegeben. Leider stand 1986 das Kurhaus wegen Umbauarbeiten noch nicht zur Verfügung, obwohl wir von Anfang an das Ziel verfolgten, dieses zu bespielen. Dies verwirklichte sich mit der Neueröffnung im Jahre 1987. Das Kurhaus war überhaupt ein Glücksfall, weil alle eingeladenen Orchester bis heute glücklich waren und sind, dort aufzutreten.<BR /><BR /><BR /><b>...erinnern Sie sich auch an ein ganz besonderes Konzert?</b><BR />Schnitzer: Wir haben oft großes Glück gehabt, wie zum Beispiel als in New York am 11. September 2001 die Zwillingstürme angegriffen wurden und in Schutt und Asche zusammenfielen. Wir hatten am Abend ein Konzert, das wir nicht absagen konnten. Zum Glück hatte das Orchester Mozarts „Requiem“ auf dem Programm, das in Erinnerung an die Toten aufgeführt wurde. Ich habe damals kurz vor Beginn das Publikum gebeten, nachher nicht zu applaudieren, sich zu erheben und eine Schweigeminute für die Opfer einzuhalten. Dies war eines der prägendsten Erlebnisse in diesen 40 Jahren.<BR /><BR /><BR /><b>...und wie gelang es Ihnen, einige der renommiertesten Orchester der Welt nach Meran zu holen?</b><BR />Schnitzer: Ein großer Meilenstein war sicher auch die Verpflichtung der großen englischen Orchester mit Dirigenten wie Sir Neville Marriner, Sir Simon Rattle und Sir Eliot Gardiner. Sie haben uns alle nicht nur beehrt, sondern den Weg zum internationalen Erfolg geebnet. Wir hatten auch immer die großen damals sowjetischen Orchester zu Gast, die noch relativ wohlfeil waren und große Qualität hatten. Sie genossen alle den Auftritt in Meran, die freundliche Aufnahme und die absolut professionelle Betreuung, was nicht in allen Festivals so zu erleben ist. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1285017_image" /></div> <BR /><BR /><b>40 Jahre Präsidentschaft für das „südtirol festival meran“ heißt auch, alle Stolpersteine, die den Erfolg eines solchen Unternehmens beeinträchtigen könnten, aus dem Weg zu räumen. Gab es diese Stolpersteine oder ging immer alles glatt über die Bühne?</b><BR />Schnitzer: Ja, nach dem einschneidenden Erlebnis von Nine Eleven kam Jahre später der Ausbruch der Pandemie 2021 – eine große Herausforderung. Da waren wir eines der ganz wenigen Festivals, das ohne Absagen das Programm durchgezogen hat. Wir hatten das Glück, dass wir im Kurhaus die Zuhörerreihen so gestalten konnten, dass jeweils ein Sicherheitsabstand gewährleistet war. Uns wurden 500 Plätze genehmigt. Die Musiker und Musikerinnen waren uns dafür wahnsinnig dankbar, denn es gab nicht wenige von ihnen, die in jenen zwei Pandemie-Jahren in Meran den einzigen Auftritt hatten. Auch dies hat dazu geführt, dass das wir Freunde gewonnen und den guten Namen festigen konnten; Verlässlichkeit, Sympathie, Gastfreundschaft und eine wunderbare Stadt mit 16 verschiedenen Auftrittsorten. <BR /><BR />Eine weitere große Herausforderung war der Ausbruch des Ukraine Krieges Ende 2022. Der Zufall wollte es, dass wir in jenem Jahr kein russisches Orchester vorgesehen hatten. Und so mussten wir keinem russischen Dirigenten und Ensemble absagen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1285020_image" /></div> <BR /><BR /><b>Jetzt nehmen Sie vom Festival Abschied, warum eigentlich, und wird Ihr Nachfolger auf Ihre Erfahrung und Ihre wichtigen Kontakte zählen können?</b><BR />Schnitzer: 40 Jahre sind eine lange Zeit. Es gibt kaum ein Festival, in dem Präsident und künstlerischer Leiter so lange und so harmonisch im Amt sind. Wir haben ein wunderbares Verhältnis, und für mich war es jetzt allerhöchste Zeit mich in meinem 85. Lebensjahr von der Präsidentschaft zurückzuziehen. Wir haben das Glück, dass Hannes Gamper, selbst Mitglied in unserem Verwaltungsrat und der Musik sehr verbunden, jetzt diese Rolle übernimmt. Er vertritt eine neue Generation, und das ist für uns auch wichtig. Ich werde mich zurückziehen, wenn man mich aber braucht, stehe ich selbstverständlich zur Verfügung! <BR /><BR />Und was hat der neue Präsident nun vor? Wie sieht Hannes Gamper seine Rolle?<BR /><BR /><BR /><b>Herr Gamper, Sie folgen dem langjährigen Präsidenten Hermann Schnitzer als Präsident eines der erfolgreichsten Musikfestivals in ganz Europa. Wann haben Sie als Musikfreund „südtirol festival meran“ kennen gelernt und was hat Sie dabei überzeugt?</b><BR />Hannes Gamper: Meine Begeisterung für klassische Musik begann bereits in meiner Jugend. Schon damals besuchte ich – wann immer es möglich war – die großen Konzerte der Meraner Musikwochen und studierte mit Interesse die Programme. Musik begleitet mich seit immer: Mein Vater war Posaunist, und so fand ich ganz selbstverständlich über die Dorfkapelle zur Musik. Ich selbst erlernte Posaune und spielte unter anderem in der Musikkapelle Dorf Tirol sowie während meiner Oberschulzeit an der Kunstschule in Gröden in der Musikkapelle St. Ulrich. In Gröden hatten wir sogar ein eigenes Brass-Quintett und musizierten in verschiedenen Besetzungen. Mein gesamter Freundeskreis war damals stark kunst- und musikinteressiert – ein Umfeld, das mich nachhaltig geprägt hat. <BR /><BR />Das Festival selbst hat mich von Anfang an durch seine künstlerische Qualität, seine internationale Ausrichtung und seine besondere Atmosphäre überzeugt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1285023_image" /></div> <BR /><BR /><b>Präsident zu sein, in so einem Musikunternehmen, heißt auch, die Rahmenbedingungen zu festigen, die dieses Festival zu seinen Erfolgen geführt hat. An welche denken Sie dabei?</b><BR />Gamper: Zunächst möchte ich betonen, dass das Festival und der Verein von Hermann Schnitzer und Andreas Cappello mit Engagement und Weitblick geführt wurden. Gemeinsam mit dem Künstlerischen Leiter werde ich diesen Weg im Sinne des „südtirol festivals meran“ weitergehen und weiterentwickeln. Hermann Schnitzer wird uns auch als Ehrenpräsident weiterhin zur Seite stehen und das Festival international bei der European Festivals Association (EFA) sowie bei ItaliaFestival vertreten.<BR /><BR />Ich sehe meine Rolle insbesondere als Brückenbauer und Netzwerker. Ich kenne sowohl die Bedürfnisse des Kunst- und Kulturbetriebs als auch jene eines Unternehmers. Diese beiden Perspektiven möchte ich künftig noch stärker in die Weiterentwicklung des Festivals einbringen. Unser Ziel ist es, den bewährten Weg zu stärken und gleichzeitig neue Impulse zu setzen – mit Offenheit, Qualität und Innovationsgeist.<BR /><BR /><BR /><b>Gibt es, Ihrer Meinung nach, in Bezug auf das „südtirol festival meran“ Aspekte und Themen, die Sie sich als Ziele gesetzt haben? Ist das Eine oder Andere neu auszurichten?</b><BR />Gamper: Einige neue Ansätze haben wir bereits diskutiert; diese möchte ich jedoch zunächst im Verwaltungsrat vertiefen – ein entsprechendes Treffen steht in den nächsten Tagen an. Was ich jedoch schon vorwegnehmen kann: Ein zentrales Ziel ist es für mich, Meran noch stärker als Kulturstadt zu positionieren. Ich sehe großes Potenzial in einer engeren Koordination der Meraner Kulturvereine – von Literatur über Theater bis hin zur bildenden Kunst. Wenn es gelingt, die Veranstaltungen gezielt aufeinander abzustimmen, könnte sich insbesondere im August und September eine kulturelle Hochphase entwickeln, die weit über die Stadt hinausstrahlt. Das würde sowohl das Publikum als auch die Kulturschaffenden inspirieren. Ein weiterer Schwerpunkt soll die Jugend sein. Es ist wichtig, bewusst neue Berührungspunkte zwischen Musik, jungen Menschen und digitalen Medien zu schaffen. Als Beispiel möchte ich das Konzert vom 9. September „Henry & Harry | Potter & Purcell“ anführen, wo wir freien Eintritt für Kinder gewähren, welche verkleidet als Zauberlehrlinge ins Konzert kommen. Wir müssen neue Zugänge ermöglichen und das Festival auch in der Welt der sozialen Medien zeitgemäß positionieren.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1285026_image" /></div> <BR /><BR /><b>Hatten Sie in der Vergangenheit mit Musik, speziell klassischer Musik, instrumental oder auch nur als passionierter Hörer zu tun? Wie wird sich nun das Verhältnis zur Musik im Rahmen ihrer Aufgaben als Präsident des Festivals in Meran verändern?</b><BR />Gamper: Vom jungen Posaunisten bin ich mittlerweile zu einem leidenschaftlichen Konzertgänger geworden. Gemeinsam mit meiner Frau Manuela besuchen wir regelmäßig Konzerte und Festivals und erleben Musik als inspirierenden Bestandteil unseres Lebens. In meiner neuen Aufgabe wird sich dieses Verhältnis noch intensivieren. Ich freue mich besonders auf neue musikalische Entdeckungen – auf Werke, die ich noch nicht kenne, und auf Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Diese Vorfreude, dieses neugierige Erwarten vor jedem Konzert, ist für mich ein starker Motor und motiviert mich, mich immer wieder neu mit Musik auseinanderzusetzen.