Eine fixe Einrichtung soll es werden, und künftig biennal stattfinden, sagte Schett, Gründer, Trompeter, Komponist und musikalischer Leiter der Musicbanda Franui vor einigen Tagen.<BR /><BR /><BR />Die wichtigste Neuheit betrifft bei dieser Ausgabe das Schlechtwetterprogramm: Ein Zirkuszelt im Dorfzentrum von Innervillgraten kann rund 1.800 Menschen aufnehmen. Das dient am kommenden Mittwoch als Schauplatz für die Festivaleröffnung mit Thomas Bernhards<Kursiv> „Holzfällen“,</Kursiv> mit der <Fett>Nicholas Ofczarek</Fett> und <Fett>Franui</Fett> seit 2024 am Burgtheater für ausverkaufte Vorstellungen sorgen. Was der Künstlerische Leiter zusätzlich zum Festival zu sagen hat, erklärt er im Gespräch. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1345200_image" /></div> <BR /><BR /><b>Nach der ersten Ausgabe 2023 stand die Fortsetzung des „Hoch Kultur Festivals“ lange nicht fest. Was hat Sie trotz der organisatorischen und finanziellen Risiken daran festhalten lassen?</b><BR />Andreas Schett: Ich kann gar nicht zählen, wie oft wir seit 2023 gefragt wurden, ob wir das Festival auf der Alm wieder machen würden. Das ganze Unterfangen ist aber sehr aufwändig. Wir haben diesen wunderschönen Aufführungsort auf der Unterstaller Alm, aber wenn das Wetter schlecht ist, benötigen wir einen Konzertort, der annähernd ebenbürtig ist. Nun haben wir diesen Sommer erstmals ein Zirkuszelt als Spielstätte mitten im Dorf. Wir können also bei jedem Wetter ein einzigartiges Konzerterlebnis garantieren. Allerdings ist das mit beträchtlichen Kosten verbunden und es hat schon seine Zeit gedauert, bis wir die öffentlichen Geldgeber, private Sponsoren und auch die Tourismuswirtschaft überzeugen konnten, ein solches Leuchtturmprojekt wieder stattfinden zu lassen.<BR /><BR /><BR /><b>Sie haben auch von „Kontextverschiebung“ als künstlerischer Leitlinie von Franui gesprochen. Was bedeutet das konkret für das Festivalprogramm, und warum ist diese Idee heute besonders relevant?</b><BR />Schett: Kontextverschiebung ist unser Zauberwort. Wenn wir mit unserer Klangbatterie, bestehend aus Holz- und Blechbläsern, Streichern sowie Saiteninstrumenten, zum Beispiel ein Lied von Franz Schubert oder Gustav Mahler spielen, ergibt das einen anderen Sinn, wirft ein neues Licht auf scheinbar Bekanntes. Auch unser Festivalsujet, ein grün eingefärbter Stein aus dem Talbach, erzählt dieselbe Geschichte: Der Stein ist ganz gewöhnlich, aber wenn man ihn dreht und wendet, aus der Nähe und Ferne betrachtet, entsteht eine völlig neue Welt. Solche Schärfung der Wahrnehmung ist das Kontrastprogramm zur digitalen Verlorenheit, die wir alle kennen.<BR /><BR /><BR /><b>Da Sie von Wahrnehmung sprechen: Ein Konzert auf 1.673 Metern Höhe ist mehr als ein gewöhnlicher Aufführungsort. Wie verändert die Landschaft die Wahrnehmung von Musik und Theater?</b><BR />Schett: Auch bei unserem Festival ist das Setting, also der Kontext verschoben: Man wandert zu Fuß eine schwache Stunde zum Konzertort, man sitzt oder liegt auf der Wiese und hört Musik. Beim letzten Mal kamen sogar an die 250 Kühe Richtung Bühne, als der isländische Starpianist Víkingur Ólafsson Bachs Goldbergvariationen spielte. Das ist ein unvergessliches Konzerterlebnis, und wir werden heuer wieder solche Momente erleben.<BR /><BR /><BR /><b>Mit Thomas Bernhards „Holzfällen“ eröffnen Sie am Mittwoch in einem Zirkuszelt. Was macht gerade dieses Werk zu einem passenden Auftakt für das „Hoch Kultur Festival“?</b><BR />Schett: „Holzfällen“ von Thomas Bernhard haben wir gemeinsam mit Nicholas Ofczarek im Wiener Burgtheater herausgebracht und mehr als 50-mal im gesamten deutschsprachigen Raum gespielt. Und dann haben wir wie gesagt dieses schöne Zelt im Dorf, in dem wir – Wetter hin oder her – wenigstens einmal spielen wollen. Die Idee war also naheliegend, Thomas Bernhard ins Zirkuszelt zu bringen. Zudem gibt es in dem Text zahlreiche Anspielungen an das dörfliche Leben und die Natur. In einer Schlüsselpassage sehnt sich die Hauptfigur, der Burgschauspieler, nach ihr und sagt den legendären Satz: <Kursiv>„Wald, Hochwald, Holzfällen, das ist es immer gewesen!“</Kursiv><BR /><BR /><BR /><b>Das Programm verbindet Schubert mit Bartók, Strauss mit Mahler, Jazz mit Volksmusik und experimentellen Ansätzen. Wo sehen Sie die Grenzen einer solchen programmatischen Offenheit oder gibt es diese gar nicht?</b><BR />Schett: Wir sagen: Ab einer bestimmten Meereshöhe zählt alles ohne weiteres zur Hochkultur. Und auf einer Alm sind Kategorisierungen und Einordnungen sowieso verboten. So gesehen haben wir uns eine herrliche Alm- und Spielwiese geschaffen, auf die wir die allerbesten Musikerinnen und Musiker einladen können, mit denen wir bekannt sind. Und gemeinsam mit unserem Publikum geben wir ein Hoch auf die Kultur aus. Im Verbinden von scheinbar Gegensätzlichem haben wir uns mittlerweile einen Freiheitsgrad erarbeitet, den wir noch weiter ausdehnen wollen.<BR /><BR /><BR /><b>Freiheitsgrad klingt gut. Und doch vergleichen Sie die Risiken des Festivals mit den Anfängen der Salzburger Festspielen. Was wäre für Sie der größte Erfolg: mehr Publikum, internationale Strahlkraft oder die nachhaltige Verankerung des Festivals in Innervillgraten?</b><BR />Schett: Man kann ein Vier-Tages-Festival in Osttirol nicht mit den Salzburger Festspielen vergleichen. Ich wollte mit meiner Aussage nur darauf hinweisen, dass bei der Gründung eines Festivals heute wie damals wahnsinnig viel Einsatz und Mut zum finanziellen Risiko vorhanden sein muss, bis allen klar wird: Das ist wichtig, das zieht Leute an, wir werden damit identifiziert! Das „Hoch Kultur Festival“ ist eine einzigartige Perspektive für eine alpine Region wie Osttirol. Mein größter Wunsch ist, dass das bald allen einleuchtet. Publikum und Strahlkraft wachsen dann wie von alleine.<BR /><h3> Das Programm</h3><BR /><b>12. August</b><BR />Festivalzelt Innervillgraten<BR />19 Uhr: Nicholas Ofczarek & Musicbanda Franui<BR /><Kursiv>Holzfällen</Kursiv>, nach dem Roman von Thomas Bernhard<BR /><BR /><b>13. August</b><BR />Open Air – Unterstaller Alm, Innervillgraten<BR />15 Uhr: Musicbanda Franui<BR />Christiane Karg, Sopran<BR />16.30 Uhr: Simply Quartet, Streichquartett<BR />Áron Horváth, Zymbal<BR />18 Uhr: Nik Bärtsch’s Ronin, Zen-Funk Quartett<BR /><BR /><b>14. August</b><BR />Open Air – Unterstaller Alm, Innervillgraten<BR />15 Uhr: The Erlkings, Folk-Kunstlied-Quartett<BR />Viviane Chassot, Akkordeon<BR />16.30 Uhr: Johanna Summer, Jazzpiano<BR />Elektro Guzzi, Akustische Technoband<BR />18 Uhr: Musicbanda Franui<BR /><BR /><b>15. August</b><BR />Open Air – Unterstaller Alm, Innervillgraten<BR />15 Uhr: Vox Clamantis, Vokalensemble<BR />Wolfgang Muthspiel, Gitarre<BR />16.30 Uhr: Pierre-Laurent Aimard, Klavier<BR />18 Uhr: Florian Boesch, Bariton<BR />Musicbanda Franui<BR /><BR /><BR />Innerfillgraten befindet sich gleich nach der Grenze vom Pustertal zu Osttirol. <BR />Karten für das „Hoch Kultur Festival“ gibt es auch vor Ort.