Freitag, 27. Mai 2016

Musikhöhepunkt: Südtiroler mit Philharmonikern in Wien

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker kennt nahezu jedes Kind. Das Sommernachtskonzert, das es seit 2004 gibt, ist der zweite Höhepunkt im jährlichen Philharmoniker-Reigen. Im Schlosspark von Schönbrunn haben die Musiker des weltberühmten Orchesters am Donnerstagabend unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt konzertiert.

Hannes Reiterer aus Vöran hat im Schönbrunner Schlosspark mit den Wiener Philharmonikern gespielt.- Foto: Hannes Reiterer
Hannes Reiterer aus Vöran hat im Schönbrunner Schlosspark mit den Wiener Philharmonikern gespielt.- Foto: Hannes Reiterer

Die gestrige Aufführung übertraf sämtliche Erwartungen. Mehr als 100.000 Menschen hatten bei strahlendem Wetter Lust auf Klassik und lauschten den Musikern unter der Leitung von Semyon Bychkov. Bychkov präsentierte ein rein französisches Programm mit Georges Bizets Volkstanzvariation „Farandole“, Hector Berlioz' „Rakoczy-Marsch“ oder Maurice Ravels „Bolero“.

Unter den Zuschauern waren sicherlich einige Südtiroler - doch nicht nur im Publikum. Auch auf der Bühne nahm ein Südtiroler Platz: der Vöraner Hannes Reiterer. Südtirol Online hat den 25-jährigen Musiklehrer nach seinen persönlichen Eindrücken gefragt.

Südtirol Online: Herr Reiterer, ein Schlagwerker der Musikkappelle Vöran, der mit den Wiener Philharmonikern das Sommernachtskonzert gibt – wie kommt’s?
Hannes Reiterer: Ja, das ist ein bisschen verrückt. Vor zwei Jahren habe ich bei den Wiener Philharmonikern für eine Praktikumsstelle vorgespielt. Ich habe dann mit den Philharmonikern im selben Sommer noch bei den Salzburger Festspielen gespielt und seitdem spiele ich sozusagen auf Abruf. Und wenn es sich ausgeht, dann spiele ich eben mit bzw. darf mitspielen.

STOL: Das Sommernachtskonzert in Wien ist nicht ein x-beliebiges Konzert. Was ist denn das Besondere dabei?
Reiterer: Es ist nach dem Neujahrskonzert das meistbekannte Konzert der Wiener Philharmoniker. Dieses Mal wurde es von 80 TV-Sendern und per Live-Stream übertragen. Das Konzert findet am Neptunbrunnen statt, direkt gegenüber von Schloss Schönbrunn. Das Besondere ist einfach das ganze Ambiente. Wer einmal in Schönbrunn war, der weiß, wie riesig das ganze Areal ist. Dieses Jahr musste zum ersten Mal das Gelände gesperrt werden, da es keinen Platz mehr für Zuschauer gab. Die Leute sind dann über das Geländer in den Publikumsbereich geklettert, mir wurde gesagt, an die 150.000 wollten zuhören. Zwischen 10.000 und 20.000 Menschen haben dann schließlich keinen Platz mehr bekommen. Musikalisch hat mich Ravels „Bolero“ sicherlich am meisten beeindruckt.

STOL: Wie war denn die Stimmung unter den Philharmonikern?
Reiterer: Man hat gemerkt, dass das auch für die Musiker etwas Besonderes ist. Normalerweise sind die so routiniert, die gehen raus und spielen. Beim Sommernachtskonzert hat man gemerkt, jetzt spielen sie noch mal ein, die Noten werden nochmal angeschaut – auch im Vergleich zu anderen Konzerten, einfach eine besondere Stimmung.

STOL: Und wie war die Stimmung im Publikum?
Reiterer:  Die Leute waren etwa vom „Bolero“ oder dem Cancan oder „Wiener Blut“ begeistert und haben angefangen Walzer zu tanzen. Für mich als Musiker ein einmaliges Erlebnis, ich habe es noch gar nicht so richtig realisiert.

STOL: Hand aufs Herz, Sie haben danach noch ordentlich gefeiert – oder?
Reiterer: (lacht) Wir haben später im VIP-Zelt gemeinsam mit dem neuen Bundeskanzler Christian Kern gefeiert und sind dann in die Stadt gegangen und, wenn ich ehrlich bin, sehr viel geschlafen habe ich nicht.

Interview: Andrej Werth

stol