Freitag, 20. April 2018

Nach Echo-Eklat: Plattenfirma legt Vertrag auf Eis

Der Ärger nach der Echo-Verleihung setzt auch die Plattenfirma des umstrittenen Rap-Albums unter Druck. Jetzt will die Bertelsmann-Tochter handeln – und zieht Konsequenzen. Auch Rekordpreisträgerin Helene Fischer meldet sich zum Echo zu Wort.

Kollegah und Farid Bang sorgten beim Echo für Aufruhr. - Foto: APA (dpa)
Kollegah und Farid Bang sorgten beim Echo für Aufruhr. - Foto: APA (dpa)

Nach dem Eklat um die Echo-Auszeichnung für ein als judenfeindlich kritisiertes Rap-Album zieht die Plattenfirma Bertelsmann Music Group (BMG) Konsequenzen. Nach Angaben eines Sprecher des Mutterkonzerns Bertelsmann soll die Zusammenarbeit mit den Musikern Farid Bang und Kollegah auf Eis gelegt werden.

„Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen“, sagte BMG-Chef Hartwig Masuch der Online-Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bereits zuvor die Plattenfirma angekündigt, eine Kampagne gegen Antisemitismus starten zu wollen.

Die BMG hatte in Kooperation mit den Musik-Labels der beiden Rapper, Banger Musik und Alpha Music Empire, das umstrittene Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ veröffentlicht. Die Musiker waren vorige Woche für das Werk mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet worden. Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ hatten heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst.

Helene Fischer: „Unangemessen und beschämend“

Schlagersängerin und Rekordpreisträgerin Helene Fischer schrieb am Donnerstag bei Facebook, sie habe den Auftritt der Rapper bei der Echo-Verleihung „unangemessen und beschämend“ gefunden.

Dieser Musikpreis sei jahrelang ein Publikumspreis gewesen, auf den man stolz sein konnte. Sie habe sich über jeden einzelnen sehr gefreut, schrieb die 17-fache Preisträgerin: „Trotzdem finde ich, hätte man vorher überlegen sollen, ob man Gewalt, Hass und Wut eine solch große Präsenz im Fernsehen geben muss. Ich nehme an, dass ihr mir zustimmt, wenn ich hier sage: Nein.“

„Den Echo zu gewinnen ist vielleicht das eine, die beiden dort auch noch auftreten und ihre Show machen zu lassen, fand ich persönlich bedrückend“, schrieb Fischer. Es sei schade, dass die Provokation der Rapper so viel Promotion entstehen lasse. „Nicht nur, dass man ihren gewaltverherrlichenden, antisemitischen, homophoben und frauenverachtenden Texten ein Podium geboten hat... auch die Bedeutung des Echo ist somit komplett in den Hintergrund geraten...“ Sie hoffe, „dass alle Verantwortlichen die Umsetzung des Echo überdenken“. Für sie sei in diesem Jahr „eine ethische Grenze klar überschritten“ worden, schrieb Fischer.

Plattenfirma stellte sich zunächst hinter Rapper

BMG hatte sich in einer Stellungnahme am Mittwoch noch hinter Farid Bang und Kollegah gestellt. „Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht“, teilte die Bertelsmann-Tochter am Mittwoch auf Anfrage in Berlin mit. Und weiter: „Zweifellos haben einige Songtexte auf JBG3 viele Menschen zutiefst verletzt. Andererseits waren viele Menschen ganz klar nicht so sehr verletzt, insofern, dass es zu einem der meistverkauften Alben des vergangenen Jahres in Deutschland wurde.“

dpa

stol