„Die Musik der Strauß-Familie ist leicht, aber nicht oberflächlich. Da gibt es einen Unterschied“, sagt der berühmte Dirigent. <BR /><BR /><BR /><BR />Daniel Barenboim ist seit 1992 Künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor auf Lebenszeit der Staatsoper Unter den Linden in Berlin und seit 2000 Chefdirigent ihres Orchesters, der Staatskapelle Berlin. Das 82. Neujahrskonzert wird sein drittes sein, er stand zuvor bereits 2009 und 2014 am Dirigentenpult. <BR /><BR />„Jedes Neujahrskonzert ist etwas Besonderes. Das ist kein normales Konzert, es kommen Menschen aus der ganzen Welt“, betonte Barenboim gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Er warnte davor, Wiener Walzer, Polkas oder Märsche zu unterschätzen. „Die Walzer-Musik hat auch einen leichten Charakter. Aber ein solcher Charakter kann viele Gesichter haben“, sagte er. „Das ist bei der Strauss-Familie etwas ganz Besonderes. Die Musik ist leicht, aber nicht oberflächlich. Da gibt es einen Unterschied.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="721031_image" /></div> <BR />Für den Vorstand der Wiener Philharmoniker, Daniel Froschauer, ist Walzermusik einfach die passendste für die heutige Zeit. „Diese Musik reflektiert eine Zeit, die besser war. Und ich denke, das ist der Grund, weshalb sie weltweit geliebt wird“, sagte er auf einer Pressekonferenz gestern in Wien. <BR /><BR />Auch Barenboim betonte den Wert von Kultur auch während der Pandemie. „Konzerte und Opernabende sind in dieser Zeit besonders wichtig“, sagte der Dirigent. „Wir sollten nicht leben ohne Musik. Die Musik ist kein Luxus, sondern sie ist geistig notwendig.“ <BR /><BR /><b>Höchstes Ansehen</b><BR /><BR /><BR />Daniel Barenboim hat sich mit seinen Auftritten als Pianist und Dirigent an den führenden Konzert- und Opernhäusern der ganzen Welt höchstes Ansehen erworben. Mit seinem Anliegen, durch Kultur geistige Barrieren abzubauen, erreicht er zahllose Menschen. Die Kraft, dass klassische Musik Trennungen zu überwinden und Widerstand gegen Ignoranz zu leisten vermag, verspürt er seit seiner frühen Kindheit. <BR /><BR />Der 1942 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires als Sohn russisch-jüdischer Eltern geborene Barenboim erhielt seinen ersten Klavierunterricht von seinen Eltern und gab sein erstes Konzert im Alter von 7 Jahren. 1952 übersiedelte er mit seiner Familie nach Israel. Er studierte in Salzburg Dirigieren bei Igor Markevitch und begegnete auch Wilhelm Furtwängler, der den Elfjährigen als „Phänomen“ bezeichnete. Nach sensationellen Debüts als Pianist in London und New York perfektionierte Barenboim in den 60er-Jahren seine Fähigkeiten als Dirigent.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="721034_image" /></div> <BR /><BR />Daniel Barenboims künstlerische Entwicklung wurde stark geprägt durch die Zusammenarbeit mit seiner Frau, der im Jahr 1987 jung verstorbenen Cellistin Jacqueline Du Pré, den Geigern Itzhak Perlman und Pinchas Zukerman, den Sängern Dame Janet Baker und Dietrich Fischer-Dieskau und dem Dirigenten Sir John Barbirolli. <BR /><BR />1975 wurde Barenboim als Nachfolger von Sir Georg Solti Chefdirigent des Orchestre de Paris, von 1981 bis 1999 wirkte er bei den Bayreuther Festspielen. Von 1991 bis 2006 war er Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra, von 2006 bis 2011 Hauptgastdirigent der Mailänder Scala.<BR /><BR />Als Gastdirigent arbeitet er regelmäßig mit renommierten Orchestern wie den Wiener Philharmonikern, dem London Symphony Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra und den Berliner Philharmonikern zusammen, zu deren erstem Ehrendirigent er 2019 ernannt wurde. <BR />Im Jahr 1990, nach dem Tod Herbert von Karajans, dirigierte Barenboim die Berliner Philharmoniker bei ihrer weltweit beachteten erstmaligen Israel-Tournee. <BR /><BR /><b>Engagement im Nahostkonflikt</b><BR /><BR />Zusammen mit dem palästinensisch-amerikanischen Literaturwissenschaftler Edward Said und dem deutschen Kulturmanager Bernd Kauffmann gründete er 1999 das West-Eastern Divan Orchestra, ein Ensemble von jungen Musikern aus dem Nahen Osten, unter anderem aus Israel, den palästinensischen Autonomiegebieten, Ägypten, Syrien, Libanon und Jordanien. Damit engagiert sich Barenboim für eine Annäherung der verfeindeten Volksgruppen im Nahostkonflikt. Im August 2005 gab das Orchester ein viel beachtetes Konzert in Ramallah. <BR /><BR />Auf dem Programm des Neujahrskonzerts steht diesmal vor allem Musik der Strauss-Familie – Johann Strauss (Sohn), Josef Strauss und Eduard Strauss –, außerdem Stücke von Josef Hellmesberger (Sohn) und Carl Michael Zehrer. Nachdem das Konzert vor einem Jahr pandemiebedingt ohne Publikum über die Bühne gehen musste, sind heuer 1000 Besucher zugelassen. 700 Karteninhaber gehen somit leer aus, für sie werden Plätze für das nächste Konzert 2023 reserviert. <BR />ORF 2 überträgt das Klassik-Event live ab 11.15 Uhr.<BR />