So wie am 13. Juli im Pavillon des Fleurs in Meran (ab 21 Uhr). Philipp Burger ist mit seiner Autobiografie bei „AutorInnen in Meran“ – die Reihe wird von der Stadtbibliothek Meran in Zusammenarbeit mit dem Passirio Club veranstaltet – zu Gast. <BR /><BR /><b>Warum sollten Südtiroler in Ihre Lesung kommen?</b><BR />Philipp Burger: Weil die meisten mich zwar als Sänger von Frei.Wild kennen, darüber hinaus aber gar nicht so viel über mich wissen. Das, was viele über mich zu wissen glauben, stammt oft aus Artikeln, Schlagzeilen oder Erzählungen – mal positiv, mal negativ. Ich selbst würde mein Leben aber durchaus als spannende Geschichte bezeichnen, in der sich der eine oder andere vielleicht sogar ein Stück weit selbst wiederfindet. Außerdem ist keine Lesung wie die andere. Ich bin selbst immer wieder überrascht, wie viele Menschen nach einer Lesung zu mir kommen und sagen: „Krass, ich hatte dich und deine Geschichte völlig anders eingeschätzt.“ Genauso spannend finde ich, welche Erinnerungen während einer Lesung plötzlich auch bei mir selbst wieder hochkommen – Geschichten, die im Buch gar nicht vorkommen. Dadurch wird jeder Abend einzigartig. Meine Lesung ist auch keine klassische Buchvorstellung. Sie ist eine Mischung aus Lesung, Gespräch (moderiert von Thomas Vonmetz, Anm. d. Red.), persönlichen Anekdoten und Live-Musik (mit dem Gitarristen Mattia Mariotti). Dazu kommt der direkte Austausch mit dem Publikum: Jeder kann Fragen stellen, und ich antworte offen und ehrlich. Wer kommt, erlebt also nicht einfach eine Lesung, sondern einen sehr persönlichen Abend.<BR /><BR /><b>Stehen die Südtiroler Ihrer Vergangenheit noch kritisch gegenüber?</b><BR /><BR />Burger: Ich habe den Eindruck, dass sich auch in Südtirol in den vergangenen Jahren viel getan hat. Das liegt sicher auch daran, dass mein Buch meinen Werdegang ehrlich erklärt. Es beantwortet viele Fragen, verschweigt nichts, enthält Selbstkritik und versucht ohne Schönrederei einzuordnen, wie es damals war. Warum ich heute dort stehe, wo ich stehe. Ich glaube aber auch, dass das Alpen Flair seinen Teil dazu beigetragen hat. Jedes Jahr kommen 50.000 bis 60.000 friedlich feiernde Menschen nach Südtirol. Viele konnten dadurch erleben, wie unsere Fans wirklich sind. Das hat Vorurteile abgebaut und Ängste genommen. Und vielleicht schaffen es die offensichtlichen Erfolge der Band und die vielen Menschen, die das ganze Jahr über wegen Frei.Wild nach Südtirol reisen – ähnlich wie bei den Kastelruther Spatzen –, auch die letzten Kritiker davon zu überzeugen, dass Frei.Wild seit über 25 Jahren eine erfolgreiche Band ist, die Südtirol nicht schadet, sondern dem Land kulturell und wirtschaftlich viel schenkt, vor allem der Stadt Brixen samt Umgebung. Aber natürlich gibt es Kritiker. Und natürlich gibt es auch Neid und Missgunst. Das gehört zum Erfolg dazu. Wir halten es aber auch da wie die Spatzen: „Viel Feind, viel Ehr.“ (lacht)<BR /><BR /><b>War es ein Fehler, so ehrlich über Ihre Vergangenheit in der rechten Szene zu schreiben und Ihren Kritikern weiteres „Futter“ zu liefern?</b><BR /><BR />Burger: Im Gegenteil. Es war wahrscheinlich eine der besten Entscheidungen überhaupt. Ich bin so erzogen worden, dass Ehrlichkeit zwar manchmal unbequem ist und Angriffsfläche bietet, am Ende aber immer der richtige Weg ist. Deshalb wollte ich nie eine geschönte Version meiner Geschichte erzählen oder Dinge verschweigen. Schon gar nicht auf Kosten anderer. So ist das Leben doch: Man kommt auf die Welt, lernt laufen, fällt hin, steht wieder auf, macht Fehler, lernt daraus und entwickelt sich weiter – bis zum letzten Atemzug. Das betrifft jeden Menschen. Ich habe nie einen Grund gesehen, meine Vergangenheit zu vertuschen. Im Gegenteil: Ich mag Menschen, die zu ihren Fehlern stehen und etwas daraus machen. Was ich überhaupt nicht mag, sind Menschen, die ständig mit dem Finger auf andere zeigen, sich selbst aber als Unschuldslämmer inszenieren. Davon gibt es leider mehr als genug.<BR /><BR /><b>Warum glauben Sie, stürzen sich Ihre Kritiker auf Ihre Jugend als Nazi-Skin?</b><BR />Burger: Weil dieses Schlagwort für viele Medien bis heute die lauteste Geschichte ist. Es sorgt für Aufmerksamkeit, Klicks und Diskussionen. Eine Geschichte über Veränderung, Durchhaltevermögen oder Erfolg erzeugt eben weniger Schlagzeilen. Wen interessieren heute noch Leidenschaft, harter Einsatz oder die Tatsache, dass Frei.Wild seit über 25 Jahren durch die Lande zieht, Hallen und Stadien füllt und zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat? Natürlich wird auch darüber berichtet – bei anderen nicht umstrittenen Bands wahrscheinlich mehr als bei uns. Aber viral gehen eben meistens die negativen Überschriften. Früher hat mich das wahnsinnig geärgert. Heute sehe ich das entspannter. Ich behaupte sogar, dass all diese Angriffe am Ende mit zu unserem Erfolg beigetragen haben. Wir haben unseren Weg nie verlassen, wir mussten niemanden schlechtmachen oder Intrigen spinnen, um erfolgreich zu sein. Und wir sind einfach nur dankbar für alles, was wir gemeinsam, Band, Familien, Crew und Fans erleben durften. Und wenn ich heute auf all die Jahre zurückblicke, dann denke ich mir manchmal mit einem stolzen Lächeln: Leute, euer Plan, uns kaputt zu machen, ist ja wohl gründlich gescheitert.<BR /><BR />Der Eintritt zur Lesung ist frei, eine Reservierung erforderlich über: <a href="https://www.eventbrite.it/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.eventbrite.it</a>