Sonntag, 15. Mai 2016

„Politisches Schlachtfeld“: Russen nach Ukraine-Sieg ungehalten

Russische Abgeordnete haben den Sieg der ukrainischen Sängerin Jamala („1944“) beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm als politisch motiviert kritisiert.

Mit 534 Punkten sicherte sich Jamala aus der Ukraine Samstagnacht den Sieg im Eurovision Song Contest.
Mit 534 Punkten sicherte sich Jamala aus der Ukraine Samstagnacht den Sieg im Eurovision Song Contest. - Foto: © APA/AFP

Das Siegerlied über die Vertreibung der Tataren sei kein Beitrag für den gesamteuropäischen Kulturdialog, den sich der Wettbewerb auf die Fahnen geschrieben habe, sagte der einflussreiche Außenpolitiker Alexej Puschkow am Sonntag. Der ESC verwandele sich in ein politisches Schlachtfeld.

Ähnlich äußerte sich der Parlamentarier Konstantin Kossatschjow. Der Erfolg von Jamala sei ein „Sieg des Kalten Krieges“ des Westens gegen Russland, meinte er der Agentur Tass zufolge in Moskau. Der Politiker Ruslan Balbek von der moskautreuen Führung der Halbinsel Krim sprach von einem „Ergebnis der antirussischen Politik“.

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Vorwurf: "Westen" ignoriere Publikumsvotum

Der Westen habe das Votum des Publikums, das mehrheitlich für den russischen ESC-Kandidaten Sergej Lasarew („You Are The Only One“) gestimmt hatte, ignoriert und einer „ukrainischen Erpressung“ nachgegeben. Jamala thematisiert in ihrem Lied die Vertreibung der Tataren von der Halbinsel Krim unter Sowjetdiktator Josef Stalin.

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Auch im russischen Staatsfernsehen wurde der ukrainische Sieg kritisiert. Jamala habe durch Punkte einer Jury gewonnen, die im Hinterzimmer ihre Entscheidung getroffen habe, sagte ein Teilnehmer einer Diskussion.

Bei ihrem Sieg bekam Jamala insgesamt 534 Punkte zugesprochen. Der im Vorfeld favorisiterte Russe erreichte hingegen nur den 3. Platz.

dpa/stol

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