Samstag, 10. März 2018

Pussy Riot Theatre: Entscheidung gegen Angst

Ende Februar waren einige Mitglieder der kremlkritischen Punk-Formation Pussy Riot beim Versuch einer Protestaktion auf der Krim festgenommen worden. Am Freitagabend stand die Aktivistin Maria Aljochina mit Kollegen in der Wiener Arena auf der Bühne, um mit der Performance „Riot Days” ihre Geschichte zu erzählen.

"Pussy Riot" in Wien. - Foto: APA (EXPA/Gruber)
"Pussy Riot" in Wien. - Foto: APA (EXPA/Gruber)

Aljochina ist eine jener 3 Frauen, die 2012 unter großem internationalen Medieninteresse und zahlreichen Solidaritätsbekundungen zu 2 Jahren Haft verurteilt wurden, nachdem sie in einer Moskauer Kathedrale mit ihrem „Punk-Gebet” gegen die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin protestiert hatten.

Auf der Bühne verdichtet sich diese Geschichte in Kombination mit im Hintergrund laufenden Filmsequenzen und eindringlichen Beats des Psycho-Punk-Duos Awott zu einem aggressiv-sarkastischen Abend, der im Publikum immer wieder Gänsehaut verursachte und Zwischenapplaus aufbranden ließ.

Als kleine Gruppe durch Europa

9 Personen touren seit einigen Monaten mit „Riot Days” durch Europa. „Wir sind 9 Menschen, die mit Freunden und Kindern und Ehemännern und Ehefrauen reisen”, erläutert Olga Borisova, eine der 3 Frauen, mit einem vielsagenden Lachen.

Aljochina interessiert auch die Reaktion des Publikums, das in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich reagiere. „Da spielen - nicht nur bei Interviews - auch immer lokale Themen und Probleme mit”, so die Aktivistin, die auf der Bühne in einem schwarzen Samtkleid Passagen aus ihrem Buch ins Mikro skandiert und auf dem Höhepunkt des Abends auch die berühmte Wollmaske aufsetzt.

Möchten mit Menschen in Kontakt treten

Unterstützt wird sie dabei von dem Schauspieler Kiryl Kanstantsinau, der in zitierten Dialogen immer wieder den Gegenpart übernimmt und mit nacktem Oberkörper über die Bühne springt. Anstatt in Hotels übernachte man in jeder Stadt wenn möglich privat, um mit den Menschen in Kontakt zu treten.

Dass sie während der Tour einige freie Tage nützten, um auf der Krim mit einer Plakataktion den ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow zu unterstützen, den Russland 2015 als angeblichen Terroristen zu 20 Jahren Haft verurteilt hatte, zeugt von der Ernsthaftigkeit, die die Gruppe nach wie vor prägt.

Von Polizisten empfangen

„Als wir ankamen, warteten bereits 6 Polizisten auf uns”, erinnert sich Borisova. „Das ist absurd. Du kommst vom Schiff runter, siehst als erstes den Schriftzug 'Willkommen auf der Krim' und dann gleich die Polizisten, die dich einfach mitnehmen.” Auch Aljochina wurde auf dem Flughafen von der Polizei erwartet und verhört.

Im Anschluss seien die Aktivistinnen auf der Straße verfolgt und beobachtet worden, sodass es nahezu unmöglich gewesen sei, die geplante Aktion durchzuführen. Lediglich Aljochina habe es geschafft, für kurze Zeit das vorbereitete Plakat hochzuhalten.

„Ich glaube wir alle waren 10, 12 Stunden in unterschiedlichen Polizeistationen. Wenn man hier in Wien mit einem Poster durch die Straßen geht, passiert gar nichts. Und dort machen sie wegen eines einzigen Banners so einen Wirbel”, schüttelt sie den Kopf. 

„Es braucht Leute wie uns, die den Mund aufmachen."

Angesichts der Lebensumstände der Menschen auf der Krim, die auch aufgrund der Sanktionen „in der Hölle” leben und deren Alltag von Armut geprägt sei, ist ihr Aktivismus für Aljochina unerlässlich.

„Es braucht Leute wie uns, die den Mund aufmachen. Die Menschen, die dort leben, trauen sich das nicht, weil sie dann einfach verschwinden und im Gefängnis landen.”

apa

stol