Ausgerechnet am 22. Mai 1813, als Richard Wagner geboren wurde, wird die erste abendfüllende Buffa Opera von Rossini, „L‘ Italiana in Algeri“ in Venedig zu einem riesigen Erfolg, die Rossini zum berühmtesten Opernkomponisten seiner Zeit machen sollte, den Wagner schlichtweg ablehnte.Mit sprühendem Witz und Charme stellt Rossini uns und sein kongenialer, poetischer Librettist Angelo Anelli ein berauschendes Lachen vor die Tür, wenn Mustafa, Bey (Statthalter) von Algier, sich von seiner Frau aus Frustration oder Langeweile trennen will, um sich in die feurige Italienerin Isabella zu verlieben, die eben mit einem Schiff nach Algier gekommen ist, um ihren Geliebten Lindoro zu suchen.Doch der ist Sklave des Bey, der ihn nun mit seiner Gattin Elvira verbandeln will. Doch eben nur eine Italienerin in Algier weiß, wie sie mit galantem Esprit und italienischer Verführungskünsten die Chose regelt.Gut gestaltete Inszenierung Die sich toll verwandelnde und wandelnde Bühne von Christian Fenouillat, die Kostüme von Agostino Cavalca und die Videoclips verzichten nicht auf Orientalik, sondern sie vermischen sie mit einer Lesart vom heute, ja mit vielen urkomischen gegenwärtigen bewusst klischeeartigen Anspielungen, die uns fast bei jeder Note ein Lächeln, oder Schmunzeln abringen.Das liegt auch an der künstlichen Leiterin dieser Festspiele, Cecilia Bartoli, die naturgemäß als Isabella erstens sehr gut singt, ach die gefürchteten tiefen Lagen und ganz klar die Koloraturen, dann ist sie natürlich eine richtige italienischen Darstellerin von außergewöhnlichen Graden, wenn sie stilgerecht auf einem (Stoff) Kamel in Algier eintrifft.Die musikalische Ausformung wird durch die wieder einmal überragende Cecilia Bartoli zum Parameter für alleZu ersten Mal sing die Bartoli die Isabella, die sie vielleicht nicht so souverän meistert wie die Cenerentola, doch wenn sie loslegt, da tischt sie zunächst wundervolle Melodien auf, ehe bei den Koloraturen die Stimme vorwärtsdrängend flattert, wobei auch hier ihre ausgesprochene Verführungskunst, etwa in der Badewanne: „per lui, che adoro“, erotische Kunst in Musik so unvergleichlich gut in Musik aufsegmentiert.Sie ist der Star, der einfach die Freude, die Lust des Lächelns auf alles überträgt. Das hören wir auch bei der verlassenen, aber immer noch liebenden Elvira Rebeca Olvera, die ihre eigentlich undankbare Sopranrolle einfach toll singt.Tollpatschig, verblendet und urkomisch ist logisch Mustafa Bey, den der Bariton Peter Kalman klangfüllig musiziert, doch auch die höllischen ostinaten Parlandi bezaubern, während Alessandro Corbelli als Begleiter der Isabella mit sonoren Klang so eine kolonialistischen Tuch auslotet.Sehr gut mit einer weichen, lyrischen Stimme singt Edgardo Rocha den Lindoro, der Schurke Jose Coca Loca singt: „le femmine italiane“ , die die Kunst der Liebe beherrschen vor der „La Dolce Vita“ von Fellini mit Anita Ekberg in der „Fontana di Trevi“, ein toller Einfall.Spinosi leitet das „Ensemble Matheus“ und den „Philharmonia Chor“ mit feinfühlender LebendigkeitVielleicht klingt das Orchester, besonders die Streicher, etwas spröde oder einfach leise, was im „Haus für Mozart“ mit der unbequemen Akustik immer ein Problem sein wird, im „Theater an Wien“ wohl nicht. Doch abgesehen davon wird hochmusikalisch musiziert, auch wenn das Hammerklavier bei einigen Rezitativen etwas leise klingt.Der Chor singt auch bestens.Andrè Schuen singt bei der „Geistlichen Matinee“ das Baritonsolo Am Vormittag nach der Rossini Premiere ist sie schon wieder da, die Bartoli, die Intendantin, um etwas zu hören, was auch von 1868 ist, nämlich das vierstimmige a Capella: „Pange Lingua et Tantum ergo“ von Anton Bruckner und „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms in der Fassung mit zwei Klaviere.Doch Bartoli lauscht auch den zwei Solisten Genia Kühmeier und Andrè Schuen. Aber der kommt zunächst vom Chor des Bayerischen Rundfunk, der hinreißend schön singt.Carl F. Pichler