Freitag, 29. Juni 2018

Sex, Drugs, Rock 'n' Roll: Comeback für Guns N' Roses' geniales Debüt

Eines der erfolgreichsten und besten Rock-Alben aller Zeiten, „Appetit For Destruction“ von Guns N' Roses, bekam eine längst verdiente und vor allem gelungene Deluxe-Behandlung. Die am Freitag erschienene Neuauflage wartet mit einem umwerfenden Sound auf LP und CD auf, dazu gibt es noch Sammler-Formate mit einer Unmenge an Bonustracks.

Sänger Axl Rose und Gitarrist Slash.
Sänger Axl Rose und Gitarrist Slash. - Foto: © shutterstock

Verspätungen bei Konzerten von Guns N' Roses sind Legende. Vielleicht sollte es daher auch nicht wundern, dass erst ein Jahr nach dem 30-Jahres-Jubiläum der Veröffentlichung von „Appetit For Destruction“ die überarbeitete Version herausgekommen ist. Fans dürfen sich über hochwertiges Zusatzmaterial freuen, Neueinsteiger über ein druckvolles Remaster von den analogen Bändern (zum ersten Mal erfuhr das Album übrigens diese Behandlung).

„Appetit For Destruction“ wurde 1987 von Kritikern nicht unbedingt wohlwollend aufgenommen. Der Erfolg sei lediglich auf das Klischee von „Sex, Drugs & Rock 'n' Roll“ zurückzuführen, lautete etwa ein Vorwurf – der ins Leere ging. Fantastische, zeitlose Songs wie „Welcome To The Jungle“, „Nighttrain“, „Sweet Child O'Mine“ und natürlich „Paradise City“, der Hymne schlechthin, katapultierten das Werk der bösen Buben um Sänger Axl Rose und Gitarrist Slash in die Charts. Es wurde in den USA das erfolgreichste Debüt einer Band und das elft erfolgreichste Album aller Zeiten. 30 Millionen wurden weltweit bis heute abgesetzt.

Leben zwischen Rockclubs und Striplokalen, inmitten von Dealern und leichten Mädchen

„Wie kein anderes Album beschreibt 'Appetite For The Destruction' ein Leben zwischen Rockclubs und Striplokalen, inmitten von Dealern und leichten Mädchen, in einer Wolke aus Haarspray und Whiskeydunst“, brachte es der deutsche Rolling Stone unlängst auf den Punkt. Skandale pflasterten den Weg der Gruppe und Streitereien brachen aus (so stieg der zweite Gitarrist Izzy Stradlin leider bald aus, Drummer Steve Adler scheiterte an seinem Drogenkonsum). Aber keine andere Platte prägte von 1987 bis zum Erscheinen von Nirvanas „Nevermind“ (1991) so intensiv die Rockmusik.

Für Furore sorgte auch das Cover-Artwork des US-Künstlers Robert Williams, das wegen „Gewaltverherrlichung“ (so der Vorwurf) sogar zensuriert wurde. Die Vinyl-Neuauflage steckt in einem Schuber mit dem mittlerweile ebenso wie das Original ikonisch gewordenen Variant-Artwork. Die Songs wurden für einen besseren Sound auf drei Plattenseiten verteilt, die vierte ziert ein Hologram des Band-Schriftzugs. Klappt man die Doppel-LP auf, erstreckt sich die Williams-Zeichnung über die Vorder- und Rückseite.

Die „Super Deluxe Edition“ wartet mit einem Kunstdruck des Artworks auf. Beigelegt sind auch Fotos der Musiker, Nachdrucke von Eintrittskarten, Tattoos und ein Poster. Dazu gibt es ein hochwertiges Buch im LP-Format – in dem vier CDs und eine Blu-Ray (mit dem Album im glasklaren 5.1 Sound und Clips) stecken. Bei allen Beigaben und bei aller schöner optischer Aufmachung: Es sind die Bonustracks, die diese rund 170 Euro kostende Version reizvoll machen. Die Dynamik innerhalb der Formation war nach diversen Umbesetzungen nie wieder so gut.

Viele der Songs bisher nicht veröffentlicht 

Viele der Songs im Package sind bisher nie veröffentlicht worden, darunter eine Piano-Fassung von „November Rain“ (ursprünglich für das Debüt vorgesehen), Coverversionen (unter anderem „Jumpin' Jack Flash“) sowie die damalige Energie der Gruppe wiedergebenden Bootleg-Mitschnitte von einem Clubgig (ursprünglich nur auf einer Japan-EP erhältlich). Versammelt sind sämtliche B-Seiten und EPs von damals, sowie die legendären Sound City Sessions. Manche Kompositionen schafften es auf die 1991er-Doppelalben „Use Your Illusion I“ und „II“. Nun hört man die ursprünglichen Fassungen.
apa

stol