Montag, 27. April 2020

Staatsopern-Chef: Auslastung ist nicht alles

Der designierte neue Chef der Wiener Staatsoper, Bogdan Roscic, hat bisherige Erfolgsmaßstäbe infrage gestellt. „Vielleicht ist das der größte Irrtum überhaupt, dass es bei einer Institution wie der Wiener Staatsoper darum gehen könnte, als Auslastungsstreber nie unangenehm aufzufallen“, sagte der 56-jährige Roscic am Sonntagabend in einem ORF-Interview.

Unter dem neuen Chef soll sich an der Wiener Staatsoper einiges ändern.
Unter dem neuen Chef soll sich an der Wiener Staatsoper einiges ändern. - Foto: © APA (Archiv) / HERBERT NEUBAUER
Roscic, bisher Musik-Manager, hat als Fachmann den 45-jährigen Schweizer Dirigenten Philippe Jordan als Musikdirektor bestellt. Beide treten ihr Amt zum 1. Juli an. Unter dem bisherigen Direktor Dominique Meyer, der nun an der Mailänder Scala den Chefposten innehat, galt die fast 100-prozentige Auslastung des Hauses als wichtige Größe.

Eine der Neuerungen wird ein Opern-Studio sein, bei dem bereits ausgebildete, vielversprechende Nachwuchssänger und -sängerinnen an größere Aufgaben herangeführt werden sollen. Aus rund 1000 Bewerbungen seien 12 für den ersten Jahrgang ausgewählt worden, sagte Roscic.

Zu den Stars in der Spielzeit 2020/21 zählen Anna Netrebko, Jonas Kaufmann und Elina Garanca. Netrebko wird unter anderem die Partie der Lady Macbeth in der Verdi-Oper „Macbeth“ singen, Garanca die Kundry in der Wagner-Oper „Parsifal“, Kaufmann singt in der Oper die Titelrolle.

Die Spielzeit soll am 7. September mit der Puccini-Oper „Madama Butterfly“ beginnen. Insgesamt sind nicht weniger als 10 Premieren geplant. Grundsätzlich gehe es ihm darum, das Haus für viele zu öffnen, die es noch nicht kennen würden, so Roscic.

Die Folgen der Corona-Krise hält Roscic für noch gar nicht absehbar. Die Krise sei eine Situation, in der man aufpassen müsse, „nicht als das fünfte Rad am Krisen-Wagen davon zu rollen.“ Viele Entscheidungen in der Kulturpolitik stünden nun an. „Die Qualität dieser Entscheidungen könnte das Haus, könnte die ganze Kultur-Szene über Jahre prägen.“

dpa

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