Was Neues geplant ist und wie es mit „Fair Pay“ ausschaut, erklären der Präsident der Südtirol Filarmonica, Zeno Kerschbaumer, und die Mitbegründerin Isabel Goller. <BR /><BR /><b>Sie haben einige neue Projekte geplant: So etwa wird immer wieder jungen Südtiroler Musikern und Künstlerinnen die Möglichkeit geboten, in Ihrem Orchester mitzuspielen. Wie kann man sich das vorstellen?</b><BR />Isabel Goller: Der Einbau von jungen Talenten lag uns von Anfang an am Herzen. In der Südtirol Filarmonica begegnen sich Orchestermusiker und -musikerinnen mit jahrelanger Erfahrung und junge Nachwuchstalente auf Augenhöhe. Durch Equal Pay – alle Künstler bekommen die gleiche Gage – gelingt dieses Zusammenspiel mit viel Wertschätzung. Dieser Austausch bereichert beide Seiten: Die Nachwuchsmusikerinnen profitieren von den Kenntnissen und dem Können ihrer erfahrenen Kollegen, während die gestandenen Musiker durch den frischen Wind und die neuen Perspektiven der jungen Talente inspiriert werden. So entsteht ein dynamisches und kreatives Arbeitsumfeld. <BR /><BR /><BR /><b>In diesem Jahr steht die Konzertreihe unter dem Motto „Die Kraft der Freundschaft“, diese drückt sich ganz deutlich in der Programmauswahl aus aber auch in der 4-jährigen Tournee „Südtirol meetsfriends“. So wird der Klangkörper nicht nur in Südtirol auftreten, sondern gleich nach dem letzten Konzert nach München aufbrechen, um dort im Herkulessaal zu spielen. Wie kam diese Zusammenarbeit mit dem Münchner Konzertverein zustande?</b><BR />Zeno Kerschbaumer: Im 4. Jahr des Bestehens überschreitet die Südtirol Filarmonica die Landesgrenzen: Im renommierten Herkules-Saal der Münchener Residenz wird die Freundschaft zwischen Bayern und Südtirol musikalisch mit den Werken des Bozner Komponisten, Ludwig Thuille, und des Münchener Komponisten, Richard Strauss, vertieft. Mit dem Mitveranstalter, dem Münchener Konzertverein, verbinden uns europäische Ideale und das Werteset in Bezug auf Miteinander und Vielfalt. Daher die harmonische Zusammenarbeit bei der Organisation unseres Auftritts in München am 28. Oktober.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046037_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie sprachen auch von sanfter Internationalisierung. Das Münchner Konzert wird also nicht das letzte dieser Art sein, in den kommenden Jahren wird die Südtirol Filarmonica in Wien, Mailand und Zürich auftreten: Was haben Sie da mit wem vor?</b><BR />Kerschbaumer: Das Konzert in München stellt den Auftakt dar für eine 4-jährige Tournee zu den großen europäischen Städten, die Südtirol in den 4 Windrichtungen umkreisen: nach München geht es 2025 östlich nach Wien, 2026 südlich nach Mailand und 2027 westlich nach Zürich. Die Reise steht unter dem Titel „Südtirol Filarmonica meet<Fett>sf</Fett>riends“ und genau so verstehen wir auch unsere Reise: hochwertige Musik für Freunde in befreundeten Städten. Und im „meet<Fett>sf</Fett>riends“ sind die beiden Initialen unseres Namen enthalten...<BR /><BR /><BR /><b>Zu Hause aufzutreten, bedeutet für die Musiker und Musikerinnen etwas ganz Besonderes. Das schafft Zugehörigkeitsgefühl einerseits und andererseits wird Internationalität auf die heimischen Konzertsäle ausgestrahlt….</b><BR />Goller: Ich kenne es von mir selbst: Wenn ich als Harfenistin in Südtirol konzertiere, ist die Sichtbarkeit und Wertschätzung des Südtiroler Publikums immer etwas Besonderes. Bei der Südtirol Filarmonica kommt noch der Aspekt des Wiedersehens dazu – Viele kennen sich von früher. Die Vorfreude der Musiker und Musikerinnen auf die gemeinsamen Konzerte in Südtirol ist für mich immer wieder deutlich zu spüren.<BR />Kerschbaumer: Zudem ist die internationale Erfahrung der Künstler eindeutig hörbar. Sie spielen in den besten Orchestern der Welt und bringen diese Qualitäten mit in die Südtirol Filarmonica ein. So entsteht ein einzigartiger Klang, der sowohl die lokale Verbundenheit als auch die globale Exzellenz widerspiegelt. Die Symbiose aus Heimatverbundenheit und Weltoffenheit bereichert nicht nur die Musikerinnen, sondern auch das Publikum, welches diese besondere Atmosphäre in den Konzertsälen miterleben darf.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046040_image" /></div> <BR /><b>Südtirol Filamonica tritt in diesem Jahr zum zweiten Mal nicht nur in den Konzertsälen von Toblach, Bozen und Meran auf, sondern auch in den Musikschulen von Bruneck. Das soll als Zeichen der Wertschätzung gelten, wie Sie erklären. Wertschätzung gegenüber dem Land, das gerade durch die Musikschulen so viel für die musikalische Ausbildung der jungen Menschen tut. Was werden Sie also Bruneck „schenken“, sie sprachen davon, dass sie auf spielerische Weise Musik vermitteln wollen?</b><BR />Goller: Alle Musikerinnen der Südtirol Filarmonica haben ihre ersten Schritte am Instrument an einer Südtiroler Musikschule gemacht. Diese unglaubliche Leistung, die die Musikschulen vollbringen, wollen wir mit einem Konzert wertschätzen. Ohne die Musikschulen gäbe es die Südtirol Filarmonica nicht. Wir schenken also einen Abend einer Musikschule – dieses Jahr Bruneck – und laden die Schülerinnen zusammen mit ihren Eltern zu einem interaktiven Konzert ein. Dabei wollen wir im direkten Austausch mit den Kindern und Jugendlichen stehen und durch ein spielerisches Konzept klassische Musik vermitteln. Ziel ist es, die Begeisterung für Musik zu wecken und das Verständnis für klassische Musik auf eine unterhaltsame und zugängliche Weise zu fördern. So möchten wir die nächste Generation von Musikern inspirieren. <BR /><BR /><BR /><b>Weil wir von Geschenken sprechen, ein weiteres ist die Generalprobe in Toblach, die öffentlich zugänglich ist…</b><BR />Goller: Um möglichst viele junge Menschen zu erreichen, haben wir beschlossen, unsere Generalprobe in Toblach für Schulklassen zu öffnen. In den letzten Jahren wurde dieses Angebot mit großer Begeisterung von Schulen aus dem Raum Pustertal angenommen. Die Lehrerinnen bereiteten die Klassen im Vorfeld auf die Komponisten und deren Werke vor, sodass das Erlebnis für die Jugendlichen ein praktisches und eindrucksvolles Lernen wird. Diese Vorbereitung ermöglicht es den Schülern, die Musik auf einer tieferen Ebene zu verstehen. Durch das unmittelbare Erleben einer Orchesterprobe gewinnen die jungen Menschen wertvolle Einblicke in die Welt der klassischen Musik und in die Arbeit eines Orchesters. Mit diesem Angebot möchten wir die nächste Generation an die klassische Musik heranführen. Es ist uns ein besonderes Anliegen, den Bildungsauftrag zu unterstützen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046043_image" /></div> <BR /><BR /><b>Fairness und Ausgewogenheit sind seit der Gründung von Südtirol Filarmonica nicht nur leere Begriffe, sondern Tatsachen: So etwa vereint das Orchester die 3 Sprachgruppen — Deutsch (66 Prozent), Italienisch (22 Prozent) und Ladinisch (8 Prozent) — sowie auch die sogenannte neue Sprachgruppe (4 Prozent). Im Kulturbereich wird derzeit sehr viel über das Thema „Fair Pay“ – faire Entlohnung für künstlerische Arbeit – gesprochen. Wie schaut es diesbezüglich im Trägerverein ARTON aus? Können Sie Zahlen nennen?</b><BR />Kerschbaumer: Wir sind überzeugt davon, dass fair pay wie auch equal pay eine entscheidende Grundlage bieten für den so wichtigen kreativen Freiraum für die Kulturschaffenden. Für alle Projekte von ARTON umfasst unser Angebot an die Musikerinnen und Musiker immer die 3 Positionen Gage (1200 Euro), Reisekostenrückerstattung sowie Unterkunft und Verpflegung. Wertschätzung drückt sich wesentlich über die finanzielle Vergütung der Leistung aus, in jedem Berufsleben, so auch im Kulturbereich. <BR /><BR /><BR /><b>Termine:</b> 25.10., Gustav Mahler Saal, Toblach – 26.10., Konzert- haus, Bozen – 27.10., Kursaal, Meran – 28.10., Herkulessaal, München – <BR />Tickets ab 1.9.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1046046_image" /></div> <h3> Das Programm</h3><BR />„Freunde sind wichtig, und wenn sie auch noch denselben Beruf ausüben, dann beflügeln sie einander“, ist der Dirigent der Südtirol Filarmonica <b>Michael Pichler</b> überzeugt. Eine neue Freundschaft ist der Klangkörper nun mit dem Konzertverein München eingegangen, und so scheint die heurige Programmauswahl nur stimmig, wenn man bedenkt, dass die Komponisten Ludwig Thuille (1861–1907) und der Richard Strauss (1864–1949) von Studienzeiten an Freunde waren. <BR /><BR /><BR />Gespielt wird also: Thuilles Romantische Ouvertüre, Op. 16 (1897), <BR />Strauss' „Don Juan“, Op. 20 (1888) und Maurice Ravels (1875–1937) „Rapsodie espagnole“ (1907) sowie „La valse“, poèm chorégraphique pour Orchestre (1920). Der gebürtige Bozner Thuille war Zeit seines Lebens ein anerkannter Komponist, dessen Werke es in die großen Konzertsäle und Opernhäuser geschafft haben, so etwa in den Wiener Musikverein und in die Metropolitan Opera in New York. Ein reger Briefwechsel zwischen ihm und Strauss zeugt von tiefer Freundschaf und jugendlichem Wetteifer im Komponieren. Mit den Worten „Meinem lieben Freunde Ludwig Thuille gewidmet“ würdigte Richard Strauss diese einzigartige Freundschaft auf dem Titelblatt eines seiner berühmtesten Werke, dem „Don Juan“. Als Dirigent brachte er zudem Thuilles Musik, u.a. auch die „Romantische Ouvertüre“, zur Aufführung. Diese komponierte der Bozner nachträglich als Vorspiel zu seiner Oper „Theuerdank“, die 1897 in München uraufgeführt wurde. <BR /><BR />Die Tondichtung „Don Juan“ von Richard Strauss wurde 1889 in Weimer, wo er Hofkapellmeister war, uraufgeführt und gilt als sein erster großer Erfolg. Die thematische Grundlage ist das gleichnamige Versdrama von Nikolaus Lenau und beschreibt einzelne Episoden aus dem Leben des spanischen Frauenverführers. <BR /><BR />Maurice Ravel gilt als einer der Hauptvertreter des französischen Impressionismus. Durch die baskische Abstammung seiner Mutter, spielen spanische Einflüsse in seiner Musik eine große Rolle. In der viersätzigen „Rapsodie espagnole“ verarbeitet Ravel folkloristische Melodien und brillierende Rhythmen. „La valse“ ist die wohl außergewöhnlichste Hommage an den Wiener Walzer. Damit schließt sich der Kreis.