Eine Festung wird zur Konzertbühne: Die unter Kaiser Franz I geplante und von dessen Nachfolger Kaiser Ferdinand I 1838 dem österreichischen Militär übergebene Franzensfeste sollte einmal den Übergang zwischen den nord- und südeuropäischen Provinzen des Habsburgerreiches sichern. Diese monumentale Verteidigungsanlage im Eisacktal war von Anfang an ein geheimnisvoller Ort: unzugänglich, zeitweise bewohnt von 2000 Soldaten, Aufbewahrungsort des im 2. Weltkrieg der Banca d’Italia entwendeten Nazi-Golds und Munitionsdepot des italienischen Heeres. 2008 war die Franzensfeste einer der vier regionalen Standorte der siebten Ausgabe Europäischen Biennale für Zeitgenössische Kunst Manifesta 7, ein Jahr später gastierte in den ehemaligen Kasematten, Wehrgängen, Verbindungstunneln, Soldatenstuben, Lagerhallen und Verwaltungsbüros die Landesausstellung „Labyrinth::Freiheit“.Im Sommer 2009 stellten Carla Bley und ihre Bigband auf dem Paradeplatz die Produktion „Appearing Nightly“ vor. 2013 nutzt das Südtirol Jazzfestival diese Kulisse als Standort für ein Experiment, das Blasmusik aus Südtirol mit vergnüglich-ironischem Gegenwartsjazz kombiniert.Mit gutem Grund: Denn das Südtirol Jazzfestival ist nicht nur ein Treffpunkt für Genregrenzen überschreitenden Jazz, sondern bringt auch einheimische Musikerinnen und Musiker mit Profis aus dem europäischen Jazzbetrieb zusammen. Dass die Blasmusik in diesem Jahr im Mittelpunkt steht, ist natürlich kein Zufall. Schließlich ist Südtirol eine Blechbläser-Hochburg: So gehören dem Verband Südtiroler Musikkapellen 211 Ensembles mit mehr als 9.000 aktiven Mitgliedern an, die an Instrumenten ausgebildet werden, die auch im Jazz zum Einsatz kommen.Vor dem Konzert in der Franzensfeste zeigen der Multiinstrumentalist Matthias Schriefl, Ludwig Maximilian (Wiggerl) Himpsl von der bayerischen Unterbiberger Hofmusik und der Komponist und Experimentalmusiker Simon Rummel im Rahmen eines dreitägigen Workshops mit Musikerinnen und Musikern der Musikkapelle Schabs das traditionsverbundene Blasmusik mehr sein kann als routiniert vom Blatt gespielte Märsche oder Polkas. Ein Beispiel? Mit seiner siebenköpfigen Formation Six, Alps & Jazz mischt Matthias Schriefl seit Jahren Rhythmen aus dem Himalaya, der Türkei und Afrika, alpenländische Volksweisen und komplexe Harmonien zu einem „sinfonischen Alphornglühen", das belegt, das Jazz – natürlich – auch Volksmusik ist.Am 30. Juni stehen die Schabser Bläserinnen und Bläser mit ihren Lehrern dann gemeinsam auf einer Bühne – und werden diesem bunten Cross-Over-Projekt musikalisches Leben einhauchen.Zu hören am 30. Juni in der Franzensfeste um 21 Uhr.stol