Man schrieb den 6. April 1974. An diesem Abend wurde im englischen Seebad Brighton der Grand Prix d’Eurovision de la Chanson (heute Eurovision Song Contest) ausgetragen. Eigentlich hätte der 19. ESC in Luxemburg stattfinden sollen. Doch das Großherzogtum hatte 2 Jahre in Serie gewonnen und schon im Vorjahr den Wettbewerb ausgetragen. Wegen der Kosten entschied man sich gegen ein zweites Mal. So sprangen Großbritannien und die BBC als Ausrichter ein.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015014_image" /></div> <BR />17 Gruppen und Interpreten standen auf dem Programm, mit der Startnummer 8 betraten die beiden Ehepaare Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus sowie Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad die Bühne. Bislang kannte man das Quartett nur zu Hause in Schweden. „Björn & Benny, Anna & Frida“, wie sie sich zunächst nannten, hatten 1972 ihre erste Platte, „People Need Love“, auf den Markt gemacht; ein Jahr später war das Album „Ring Ring“ gefolgt. Sowohl Single als auch Langspielplatte erreichten die Spitzen der schwedischen Charts.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015017_image" /></div> <BR />Von Anbeginn agierte im Hintergrund der clevere Geschäftsmann Stig Andersson – ihn konnte man als fünftes ABBA-Mitglied bezeichnen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015020_image" /></div> <BR /><BR />Zeitsprung ins Jahr 1974. Den großen Applaus beim ESC im Brighton Dome erhielt zunächst Sven-Olof Walldoff, der in einem Napoleon-Kostüm am Dirigentenpult stand. Strahlend und mit Glitzer-Make-up liefen dann Anni-Frid und Agnetha auf die Bühne, Björn war an der Gitarre, Benny am Keyboard. „My, my! At Waterloo, Napoleon did surrender…„: die erste Zeile eines ganz großen Kapitels in der Musikgeschichte. Trotz der mickrigen 2 Punkte aus Deutschland und der 0 Punkte aus Großbritannien. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015023_image" /></div> <BR /><BR />Die Punkteverkündung geriet zum Krimi und zu einem Duell zwischen den Schweden und der italienischen Sängerin Gigliola Cinquetti (76, „Sì“). Erst kurz vor Schluss stand ABBA mit 24 Punkten als Sieger fest, weil Italien – Zweitplatzierter mit 18 Punkten – bei der Verkündung der Punkteverteilung als letztes Land drankam und sich selbst keine Punkte geben konnte. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015026_image" /></div> <h3> Zunächst nur eine „Eintagsfliege“</h3>Im ESC-Siegestaumel erreichte ABBA eine Flut an Glückwünschen, Anfragen und Angeboten. ABBA hatte sich auf die internationale Musikbühne katapultiert, und von nun an hetzte das Quartett von Fernsehsendungen zu Interviews und Fotoshootings. Vor allem aber wollten die neuen Fans noch mehr Musik von ABBA. Und dabei lag die Messlatte sehr hoch. Zunächst sah es aus, als könnte die Band an den Erfolg nicht anknüpfen. Singles wie etwa „Honey, Honey“, „So Long“, „I've Been Waiting For You“ liefen nur mittelmäßig. Der Ticket-Vorverkauf von ABBAs erster Europa-Tournee lief teils schleppend und manche Hallen blieben zur Hälfte leer. In Großbritannien sprachen böse Zungen sogar von einem „One-Hit-Wonder“ (frei ins Deutsche übersetzt: Eintagsfliege“).<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015029_image" /></div> <BR />Erst mit „I Do, I Do, I Do, I Do, I Do“ heimste ABBA erneut Nummer-1-Platzierungen auch außerhalb der Heimat ein, und mit dem Song „S.O.S.“ wendete sich das Blatt endgültig. Die Single erreichte Ende 1975 die Top Ten in Großbritannien. Kurze Zeit später folgte „Mamma Mia“ – und von da an gab es kein Halten mehr. Die ABBA-Mania erfasste die gesamte Welt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015032_image" /></div> <BR />Die ABBA-Erfolgswelle erreichte sogar die USA: Mit „Dancing Queen“ erklomm im April 1977 zum ersten (und letzten) Mal ein ABBA-Song die Spitze der US-Charts. Die größte Fangemeinde hatte (und hat) ABBA aber in Australien. Die Ballade „Fernando“ aus dem Jahre 1976 beispielsweise blieb dort 14 Wochen lang auf Platz 1, und ein TV-Special über die Popgruppe hatte mehr Zuschauer als Jahre zuvor die Mondlandung. Als die Schweden im strömenden Regen vor 25.000 Zuschauern in Sydney ein Konzert unter freiem Himmel gaben, feierte sie das Publikum frenetisch.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015035_image" /></div> <BR />In der insgesamt 10 Jahre andauernden ABBA-Erfolgsgeschichte produzierten Benny Andersson und Björn Ulvaeus, die weder Noten lesen noch schreiben können, Hits wie am Fließband: „Fernando“, „Money, Money, Money“, „Knowing Me, Knowing You“ oder „Take a Chance on Me“, „Gimme! Gimme! Gimme!“, „The Winner Takes it All“, „Super Trouper“, „Voulez-Vouz“ und viele mehr. Einen künstlerischen Höhepunkt erreichte ABBA 1980 mit dem Song „The Winner Takes it All“: Die Single schaffte es in 20 Ländern in die Top Ten und gilt bis heute als der ABBA-Song mit dem besten Text.<BR /><BR /> <div class="embed-box"><div class="container-wrapper-genially" style="position: relative; min-height: 400px; max-width: 100%;"><video class="loader-genially" autoplay="autoplay" loop="loop" playsinline="playsInline" muted="muted" style="position: absolute;top: 45%;left: 50%;transform: translate(-50%, -50%);width: 80px;height: 80px;margin-bottom: 10%"><source src=" https://static.genial.ly/resources/loader-default.mp4" type="video/mp4" />Your browser does not support the video tag.</video><div id="660fcc75ed504a00141c1fa4" class="genially-embed" style="margin: 0px auto; position: relative; height: auto; width: 100%;"></div></div><script>(function (d) { var js, id = "genially-embed-js", ref = d.getElementsByTagName("script")[0]; if (d.getElementById(id)) { return; } js = d.createElement("script"); js.id = id; js.async = true; js.src = " https://view.genial.ly/static/embed/embed.js"; ref.parentNode.insertBefore(js, ref); }(document));</script></div> <BR /><BR /><BR />Die explosionsartigen Plattenverkäufe (von 1972 bis heute wurden etwa 500 Millionen ABBA-Alben verkauft) machten die 4 Musiker zu Großverdienern. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015038_image" /></div> <BR /><BR />Sie tätigten viele Investitionen, die von Kunstwerken und Firmen bis hin zum Ölgeschäft reichten. Gerade dort bewies ihr Manager Andersson kein glückliches Händchen und herbe finanzielle Verluste waren die Folge.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015041_image" /></div> <BR /><BR />Der Ruhm hatte noch einen anderen hohen Preis. Unter all den Verpflichtungen litt das Privatleben der Musiker-Ehepaare erheblich. Ihr Zuhause sahen sie kaum und die lange Trennung von ihren Kindern während ihrer Gastspielreisen lastete auf allen schwer. All dies führte am Ende zu Spannungen untereinander und die privaten Beziehungen gingen in die Brüche. <BR /><BR />Im Frühjahr 1982 starteten die Schweden mit der Arbeit an ihrem neunten Album. Das Projekt blieb unvollendet. Lediglich 2 Singles wurden veröffentlicht, die jedoch nicht mehr den starken Zuspruch beim Publikum fanden, wie es das Quartett gewohnt war.<h3> Kein Aus, sondern nur eine sehr lange „Pause“</h3>Eine offizielle Trennung der Gruppe wurde nie ausgesprochen, aber alle 4 Musiker beschritten früher oder später Solo-Pfade (siehe unten). Es war stets von einer „Pause“ die Rede, aber diese dauerte dann insgesamt 40 Jahre. 2021 meldeten sich Björn, Benny, Agnetha und Frida zurück und brachten innerhalb weniger Wochen gleich 3 neue Singles auf den Markt. Ende des Jahres veröffentlichte das Quartett das Album „Voyage“. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015044_image" /></div> <BR /><BR />Im darauffolgenden Jahr gab die Band das bislang letzte Lebenszeichen von sich: „ABBA Voyage“, eine virtuelle, dreidimensionale Show mit den „Abbataren“ in einem eigens dafür gebauten Theater in London feierte Weltpremiere. Die 4 Musiker sind dort in einer ewig jungen Version ihrer selbst seit über 2 Jahren ein ungebrochener Publikumsmagnet an der Themse.<BR /><h3> Fans enttäuscht: Kein Auftritt in Malmö</h3>Dass der Eurovision Song Contest im „Waterloo“-Jubiläumsjahr ausgerechnet in Schweden stattfindet, halten manche für mehr als nur Zufall. Doch die große Hoffnung vieler Fans wird sich am 11. Mai wohl kaum erfüllen. Björn Ulvaeus stellte unlängst klar, dass die ABBA-Mitglieder bei der Musikshow in Malmö nicht gemeinsam auftreten werden. <BR /><BR /><BR />