„Windkraft Kapelle für Neue Musik“ wird die beiden zeitgenössischen Stücke interpretieren: die Uraufführung "Schöpfung hört man nicht“ des Südtiroler Komponisten Eduard Demetz und, als Gegensatz dazu, die 4. Symphonie von Alfred Schnittke. „Am Beginn eines musikalischen Schöpfungsprozesses steht ein Bild. Grenzen des Verstandes von Paul Klee, eine Miniatur aus dem Jahr 1927, gezeichnete Kammermusik. Ein Bild übersetzt in Musik.“ So beschreibt Eduard Demetz sein Stück für Orchester, einem Projekt, für das es, wie bei jedem neuen Stück, neue stilistische Lösungen zur finden gilt. „Schöpfung hört man nicht“ gleicht einer Reise nach innen, dem Betrachten eines Bildes. Klangfarbenverwandlungen spielen dabei eine große Rolle: das Horn spielt eine Linie, die in die Stimme der Posaune weiter wandert. Einzelne Töne verschwinden, die Linie wandert weiter zur Trompete, wird weiter verwandelt. „Schattenmusik“ nennt Eduard Demetz dieses Verfahren in seiner Musik: Entstehung geht lautlos vor sich. Vom Schöpfungsprozess zu einem großen göttlichen Gebet: so wird die 4. Sinfonie von Alfred Schnittke definiert. Er schrieb sie 1984 in Moskau, ein Jahr nach seiner Konvertierung zum katholischen Glauben. Mit dieser Komposition stellte sich Schnittke einer musikalischen und ästhetischen Herausforderung: der Darstellung der drei Linien des Christentums und ihres gemeinsamen Ursprungs, des alten Testamentes, musikalisch symbolisiert in verschiedenen Themen und in der Gegenüberstellung unterschiedlicher harmonischer Sphären. Es sind jedoch nicht klingende Zitate, sondern Anwandlungen scheinbar vertrauter Kirchenmusiken, „um die Illusion zu vermitteln, als seinen sie schon einmal entsprechend komponiert worden.“ Imaginäre Zeichengesänge der orthodoxen Liturgie und jüdische Synagogengesänge, protestantische Kirchenlieder und gregorianische Choräle dienen als Material. Kanonisch streng verarbeitet, angeordnet in einem eigens erdachten harmonischen Bezugssystem von Tri- und Tetrachorden. Diese Musik wirkt streng durchkonstruiert, frei von sarkastischen Untertönen oder übermütigen Zitat-Kollagen wie in früheren Symphonien Schnittkes. Der Eintritt ist frei.