Sonntag, 10. Dezember 2017

Trompetenflüsterer aus Leidenschaft

City und Schwaz – zwei Welten, und doch eine (musikalische) Wellenlänge. Während Franz Hackl im „Big Apple“ seiner Berufung als Vertreter der raren Spezies österreichischer Jazzmusiker von Weltformat nachgeht, schuf sein Vater Franz senior in der Heimat Meilensteine der Instrumentenbau-Geschichte. Was auch aus der Distanz nie verloren ging: Der richtige Ton.

Welttrompeter Franz Hackl (i.B.) kann auf seinen Vater Franz senior bauen.
Welttrompeter Franz Hackl (i.B.) kann auf seinen Vater Franz senior bauen.

Eine unscheinbare Werkstatt wie tausende andere, unweit des Schwazer Stadtzentrums. Weder von außen noch von innen weist viel darauf hin, dass hier seit Jahrzehnten mit Liebe zur Detail-Maßarbeit und feinsinnigem, von Ruhe getragenem Musikverständnis Besonderes gefertigt wird: Instrumente – Trompeten und Flügelhörner -, die vor allem im gesamten deutschsprachigen Raum oft den viel zitierten Unterschied ausmachen und mitunter als Neuerfindungen den Weg wiesen.

Die „aufgebogene Trompete“ etwa, oder die Hybrasstrompete.

Der Vater des Startrompeters

Der 79-jährige Franz Hackl senior, Vater des 1990 nach New York ausgewanderten Startrompeters Franz Hackl, steht noch immer jeden Tag mit blauem Arbeitsgewand in seinem „Wohnzimmer“, der Werkstatt.

1965 hat er die Firma gegründet, die heute unter dem Namen „hacklmusic“ firmiert und die bereits seit Jahren vom Sohn geleitet wird. Doch Hackl senior ist noch immer unverzichtbarer Teil des Vater-Sohn-Betriebes, ein die Wurzeln repräsentierender, bescheidener (Musik)-Arbeiter. Auch er ist eine musikalische Ausnahmeerscheinung: Von den 1950er- bis 1980er-Jahren war der gebürtige Oberländer einer der führenden Solisten im Blasmusikbereich – sieben Jahre Solotrompeter der Militärmusik Tirol und 20 Jahre in derselben Funktion bei der Original Tiroler Kaiserjägermusik.

"Wollte kein Berufsmusiker werden"

Auch Hackl senior hätte den Weg des Berufsmusikers gehen können wie der Sohn, bekam seinerzeit sogar ein Angebot des berühmten deutschen Swing- und Jazzmusikers Hugo Strasser. „Hugo Strasser hat eine Aufnahme von mir gehört. Er hat mir daraufhin geschrieben und wollte mich sofort anstellen. Doch Berufsmusiker werden – das wollte ich einfach nicht“, erzählte der 79-Jährige im Gespräch mit der APA.

Doch die Musik blieb auch fortan sein Leben und so entschied er sich für eine Lehre als Instrumentenbauer.

Täglich über den Atlantik

Und als dieser sorgt er seit Jahrzehnten für Furore – im Paarlauf mit dem prominenten Sohn, den es in die Welt hinauszog und der letztlich – nicht zuletzt dank der Basis Instrumentenbau – der Heimat doch immer verbunden blieb. Das tägliche transatlantische Telefonat zwischen den beiden Hackl-Männern gehört zum Standardprogramm – dabei gibt der stets am perfekten Ton feilende Sohn seine Eindrücke und Empfindungen an den Vater weiter und dieser macht sich daraufhin fingerfertig an Verbesserungen und Verfeinerungen.
Ein „Gesamtservice durch Beraten, gemeinsames Hinhören und Entwickeln“, wie die Hackls es unternehmerisch beschreiben.

Parade-Erfindung: die „aufgebogene Trompete

„Als Instrumentenbauer gleichzeitig auch ein guter Musiker zu sein, ist sicher von Vorteil. Man hat einfach eine andere, besondere Beziehung zum Instrument“, meinte der Tiroler. Und diese besondere Beziehung hat Spuren hinterlassen: Als Hackl-Markenzeichen und Parade-Erfindung gilt die „aufgebogene Trompete“, also die Trompete mit schräg gestelltem Schalltrichter – bis heute auch im Logo von „hacklmusic“ prominent vertreten.
Ein paar Monate später habe man erfahren, dass der amerikanische Jazzmusiker Dizzy Gillespie dieselbe Idee hat umsetzen lassen, lacht Hackl senior noch heute über den ästhetischen Meilenstein, der fast zeitgleich auf zwei Kontinenten ins Rollen gebracht wurde. „Aber ich bin nie darauf aus gewesen, Erfindungen zu machen“, so der Instrumentenbau-Meister.

Blech und Edelhölzer: die Hybrasstrompete

Als weiteres Hackl'sches-Highlight gilt die vor wenigen Jahren vom Junior entwickelte Hybrasstrompete. Das Besondere an der Hybrasstrompete ist, dass sie nur zur Hälfte aus Blech und zur anderen Hälfte aus Edelhölzern besteht. Mit der Hybrass brauche man weniger Energie, um den Ton zu halten.

Bei gleichem Gewicht gebe es mehr Wirkung, weil normalerweise größere Masse mehr Effizienz bedeutet. Das in der Fertigung ungleich teurere Modell kostet zwischen 5.400 und 6.000 Euro. Zwei davon gibt es bis dato, wovon eine bei Hackl junior in New York „zuhause“ ist. Im Sinne der Suche nach dem perfekten Ton dürfte die „Hybrass-Forschung“ noch nicht an ihr Ende gelangt sein.

Auch die Kastelruther Spatzen sind Kunden

Aus Qualitätsgründen werde nur in Kleinserie produziert, da jedes Instrument von Hackl senior selbst gebaut wird. 30 bis zu jeweils 4.500 Euro teure „Eigenbau Meister-Trompeten“ pro Jahr verkauft „hacklmusic“ weltweit, aber vor allem im gesamten deutschsprachigen Raum, nicht zuletzt auch an Profimusiker.

Auch das neu entwickelte Flügelhorn komme schön langsam auf dieselben Zahlen. Die Palette an Käufern ist breitgefächert und reicht vom Polizeiorchester Potsdam über das Bruckner Orchester Linz und jenes der „Jedermann“-Inszenierung bis hin zu den Kastelruther Spatzen. Auch der kubanische Trompetenstar Dennis Hernandez, der in Richard Bonas Band spielt, zählt etwa zu den Kunden.

52 Jahre in der Werkstatt

„Für mich ist es eine Berufung. Es hat in 52 Jahren keinen Tag gegeben, an dem ich ungern in die Werkstatt gegangen bin. Und ich werde weitermachen, solange es geht“, so Hackl senior, der auch auf die tatkräftige Hilfe von Ehefrau und „Managerin“ Adelheid Hackl zählen kann. Und Hackl junior, zwei Monate im Jahr selbst in Schwaz zugegen, ist unterdessen am Innovationssektor aktiv und hat neue Projekte in der Unternehmenspipeline. So etwa eine „Anytune Hacklmusic Edition App (iOS)“ für Musiker als Übungshilfe, die man gratis zur Verfügung stelle.

Des Seniors Werkstatt wird übrigens demnächst, am 29. Dezember, zur Konzert-Location, wenn Weltklassemusiker und junge Talente beim traditionellen „Werkstattkonzert“ im kleinen Kreis auftreten. New York City und Schwaz – wieder vereint.

apa

stol