Der Präsident des Trägervereins Eduard Demetz, erklärt, warum die conTakt Percussion Group dieses überwältigend, faszinierend archaische Werk mitten in St. Ulrich spielen wird.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339257_image" /></div> <BR /><b><BR />Sie sind selbst Komponist, nun haben Sie Rihms Percussion-Meisterwerk für die 10. Biennale Gherdëina ausgewählt. Was macht dieses Werk aus Ihrer Sicht besonders relevant für den künstlerischen und gesellschaftlichen Kontext der Biennale?</b><BR />Eduard Demetz: Wir wollten ein Werk präsentieren, das für eine Freiluftaufführung geeignet ist, das als Meilenstein der zeitgenössischen Musikliteratur gilt, und das von einem einheimischen Ensemble aufgeführt werden kann. Zudem sollte es auch mit dem Thema der Biennale Gherdëina 10, nämlich (Future)Paradise Gardens, kommunizieren, was durch den Aspekt der Ritualität klar gegeben ist. Mit der conTakt Percussion Group haben wir ein kongeniales Ensemble verpflichten können.<BR /><BR /><BR /><b>„Tutuguri VI“ basiert auf Antonin Artauds visionärem Text „Le rite du soleil noir“. Welche Bedeutung hat dieser Bezug zu Ritual, Transformation und körperlicher Grenzerfahrung innerhalb des heurigen Biennale- Themas?</b><BR />Demetz: Zunächst sollte die Aufführung von Tutuguri ein musikalischer Beitrag zur Feier der runden Zahl der diesjährigen Biennale Gherdëina sein. Der „Garten“ als Thema wird von der Biennale Gherdëina facettenreich und auf unterschiedlichste Arten durchdekliniert. So wird der Garten als Symbol für spirituelles Gedeihen betrachtet, oder als Ort der Transzendenz, der Begegnung zwischen Tierischem und Humanem, als Ort der Fluidität, als Ort der Poesie, der Reflexion und des Rituals. Und all diese Aspekte finden sich auch in Tutuguri wieder, einem Werk, das auf Rituale der Tarahumara in Mexiko zurückgreift, wo Gestalten zwischen Tier und Mensch beschworen werden.<BR /><BR /><BR /><b>Das Werk verzichtet weitgehend auf Tonhöhen und konzentriert sich radikal auf Schlag, Rhythmus und Energie. Wie verändert diese Reduktion die Wahrnehmung des Publikums im Vergleich zu einem klassischen Konzerterlebnis?</b><BR />Demetz: Dadurch, dass der Schlag viel mehr im Vordergrund steht als die Tonhöhe, geht das Hörerlebnis stärker in Richtung Körperlichket. Zudem ist wohl bei keiner Instrumentenfamlie die Komponente der Geste so ausdruckstark wie bei den Schlaginstrumenten, weil die Spielbewegungen im Allgemeinen deutlich größer sind. <BR /><BR /><b><BR />Kritiker beschreiben Tutuguri VI als archaisch, hypnotisch und beinahe kultisch. Sehen Sie die Aufführung im öffentlichen Raum eher als Konzert, als Performance oder als eine Form kollektiver ritueller Erfahrung?</b><BR />Demetz: Ich würde sagen, alle drei Komponenten kommen in gleichem Maße zum Zuge.<BR /><BR /><b><BR />Die Südtiroler conTakt percussion-group hat sich intensiv mit zeitgenössischer Schlagzeugliteratur auseinandergesetzt. Welche besonderen Qualitäten bringt dieses Ensemble mit, um die extreme physische und emotionale Dimension von Rihms Werk umzusetzen?</b><BR />Demetz: Wir sind sehr glücklich darüber, dass sich conTakt bereit erklärt hat, dieses komplexe und hochenergetische Werk zur Aufführung zu bringen. Sie bringen die Erfahrung und die Kraft mit, die nötig sind, um eine derartige Partitur zum Schwingen zu bringen. Ihr gekonntes Spiel wird sowohl für die Ohren als auch für die Augen ein besonderes Erlebnis sein. <BR /><BR /><b>Termin:</b> 24.7., 18 Uhr, Antonius- Platz St.Ulrich. Bei Regen findet das Konzert im Kongresshaus von St.Ulrich statt. <BR /><h3> Zum Ensemble conTakt percussion group</h3><BR />Das Südtiroler Schlagwerkensemble „conTakt percussion-group“ wurde 2007 von Manfred Gampenrieder, Philipp Höller, Georg Malfertheiner und Christian Miglioranza gegründet. Die Absolventen des Bozner Musikkonservatoriums und Mitglieder der Jugendorchester EUYO bzw. GMJO können auf eine mehrjährige Konzerterfahrung zurückblicken. Hauptanliegen des Quartetts ist die Verbreitung eines möglichst breiten Spektrums der Schlagzeugliteratur, sowohl aus dem klassischen als auch aus dem zeitgenössischen Repertoire. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339260_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Das Ensemble wirkte bereits bei renommierten Festivals im In- und Ausland mit: „transart“ und „Festival Zeitgenössischer Musik“ Bozen, „Klangspuren“ Schwaz, „Musik und Kirche“ Brixen, den „Gustav Mahler Musikwochen“ Toblach, „valgardenaMUSIKA“ Gröden, „Badiamusica“ Gadertal, „Amici della Musica“ Modena. Weitere Kooperationen fanden mit dem „Ensemble Gherdëina“, dem „Soncino Percussion Ensemble“, der zeitgenössischen Tänzerin Anastasia Kostner, dem Vokalensemble „Pinzimonio Vocale“, dem US-Schlagwerker Doug Perkins, der norwegischen Künstlerin Maja Ratkje sowie dem Nordtiroler Schlagwerkensemble „the next step“ statt. Zahlreiche Komponisten widmeten der „conTakt percussion-group“, in zusammenarbeit mit dem SKB Südtiroler Künstlerbund, eigene Werke. Im Herbst 2019 hat das Ensemble ihren ersten eigenen Tonträger mit sechs Werken sechs Südtiroler Komponisten eingespielt.<BR /><h3> Zu Wolfgang Rihm (1952–2024)</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339263_image" /></div> <BR /><BR />Er war einer der einflussreichsten Komponisten der Gegenwart. Er prägte die Neue Musik durch seinen expressiven Stil („freie Tonalität“) und ein gigantisches Schaffen. Ab 1985 war er Professor in Karlsruhe und bildete namhafte Künstler aus. Schon früh begann er zu komponieren. Er studierte u. a. bei KH. Stockhausen in Köln und K. Huber in Freiburg. Rihms Œuvre umfasst über 200 Werke, darunter Opern, Orchesterstücke, Streichquartette und Vokalmusik. Er reflektierte sein Werk intensiv in Essays. Von 1985 bis 2024 unterrichtete er Komposition an der Musikhochschule Karlsruhe und erhielt zahlreiche Ehrungen.