Sonntag, 18. August 2019

US-Rapper Macklemore punktete erneut beim Frequency

Es kann einem schon bekannt vorkommen: Der Bass dröhnt, vor der Bühne gibt es kaum ein durchkommen mehr, und der Geruch am Gelände ist nach drei Tagen auch nicht mehr der beste. Trotzdem spielen Wiederholungen auf Festivals keine kleine Rolle. Sie können manchmal sogar Grund zur Freude sein. Wie etwa bei US-Rapper Macklemore am Schlusstag des diesjährigen Frequency in St. Pölten.

US-Rapper Macklemore war wie im Vorjahr ein Publikumsmagnet. - Foto: APA
US-Rapper Macklemore war wie im Vorjahr ein Publikumsmagnet. - Foto: APA

Wir erinnern uns zurück: Auf den Tag genau vor zwölf Monaten sorgte Ben Haggerty, wie der Musiker bürgerlich heißt, schon einmal für ein volles Haus in diesen Gefilden. Seine Musik, seine Show, seine Botschaft - sie haben sich seitdem kaum geändert. Machte auch nichts, denn immer noch ist diese sehr gut verdauliche Form des Hip-Hop, die manchmal elektronisch unterfüttert daherkommt, dann wieder eher auf handgemachten Charakter abzielt, letztlich aber vor allem eingängig sein will, für eine Veranstaltung dieser Ausrichtung und Größenordnung wie gemacht.

Das wurde schon beim Opener „Ain't Gonna Die Tonight” deutlich, der Motto und Richtung vorgab. Spaß haben, gemeinsam feiern, einfach eine gute Zeit verbringen: Die Eckpunkte waren nicht schwer auszumachen, und Macklemore wurde auch nicht müde, sein Mantra in die angenehme Sommernacht zu schreien: „Wir gehören alle zusammen!” Da mag zwar Kritik an US-Präsident Donald Trump vorkommen, wichtiger scheint aber trotzdem, die Menschlichkeit hervorzukehren. Schließlich werde dieser Planet erst durch all seine unterschiedlichen Individuen zu dem, was er ist, so Macklemore, der mit diesen Worten das große „Same Love” einläutete.

Eher auf sich bezogen schien da hingegen der Auftritt des höchst erfolgreichen Deutschrappers Capital Bra samt Entourage und Mini-Nachbildung des Brandenburger Tores direkt davor. Knallige Beats, prollige Attitüde, und der Style natürlich „Nur noch Gucci” - man musste nicht zweimal überlegen, um diese Darbietung zu verorten. Genossen hat sie die Masse aber dennoch, zog Capital Bra doch wie kaum ein anderer zuvor die tausenden Fans vor die Space Stage.

Das bekam auch die zeitgleich aufspielende Britin Charli XCX zu spüren. Trotzdem blieben bei der 27-Jährigen genug hängen, was nach einem eher durchwachsenen Besuch der ersten Konzerte nicht nur eine Art Trendwende für das Festivalfinale bedeutete, sondern auch gut war. Denn Charli XCX gehört derzeit sicherlich zu den spannendsten Acts im Grenzbereich zwischen Pop und Anspruch. In wenigen Wochen erscheint ihre neue Platte „Charli”, für die sie mit etlichen Kollegen gemeinsame Sache gemacht hat. Ein kunterbuntes Potpourri an Sounds, Stimmungen und Inhalten.

”Ich habe gemerkt, welch gute Kuratorin ich bin”, erklärte sie ihren Antrieb vor dem Gig im APA-Interview. „Es fühlte sich einfach richtig an, mit all diesen Leuten zusammenzuarbeiten. Ich wurde von ihnen wirklich inspiriert”, verwies sie auf Acts wie Christine and the Queens oder Sky Ferreira. „Außerdem sind viele von ihnen Freunde von mir - und meine Songs handeln nun mal von mir, meinem Leben, meiner Familie und meinen Freunden.”

Auf der Green Stage stand Charli XCX dennoch ganz alleine, flankiert von zwei riesigen weißen Quadern, und machte trotzdem sofort klar: Sie ist hier der Boss, die Show, das Ereignis - da brauchte es gar keine weitere Ablenkung. Egal ob Hits aus eigener Feder wie „I Love It” oder eine Spice-Girls-Verehrung, in diesen gut 60 Minuten hatte alles Hand und Fuß, wusste zu überzeugen, riss von der ersten Sekunde an mit. Ähnlich wie Max Gruber alias Drangsal, der kurz zuvor mit seiner Band auf der Weekender Stage New Wave und Alternative kreuzte und seinen ganz eigenen Charme versprühte.

Den hatte auch der Auftritt von Naked Cameo zu früher Stunde. „Wir sind es nicht anders gewohnt”, schmunzelte Sänger Lukas Maletzky danach im Gespräch. „Deshalb war es auch nicht sonderlich schwer, auf dem Frequency zu spielen.” Stimmt. Aber natürlich kommt dem Quartett, das sich aktuell zu gleichen Teilen auf Wien und Linz aufteilt, auch ein tolles Album wie „Of Two Minds” und die darauf enthaltenen Songs zugute. Neues Material soll bald folgen, eine EP noch im Herbst, eine neue Platte voraussichtlich im kommenden Jahr.

Und zwischen dem Songwriting und Produzieren wird natürlich eifrig gespielt. „Wir sind immer am höchsten Level der Motivation”, betonte Schlagzeuger Patrick Pillichshammer. „Es ist eine kleine Komfortzone für uns: Man steigt in den Bus, fährt wohin und lässt den Alltag hinter sich. Da vergisst du dann, ob du einen Zahnarzttermin hast”, lachte er. „Mit der Band unterwegs zu sein, liebt jeder von uns.” Was wohl auch für Rocker Barns Courtney gilt, der mit viel Energie die Leute zum Tanzen brachte.

Ohnehin waren es schlussendlich gar nicht so wenige Gitarren, die bei diesem Frequency trotz des sehr EDM- und Rap-lastigen Programms für Highlights sorgten. Nämlich auch The Offspring: Der Kultband um Sänger Dexter Holland war es beschieden, die Green Stage zu beschließen. Ausgelassen wurde zu diesem Anlass nichts, von „Pretty Fly” bis „Self Esteem” gab es eine kleine Zeitreise in die 90er. Das mag vielleicht derzeit nicht ganz so angesagt sein wie so manch anderer Sound, der in den vergangenen drei Tagen erklungen war. Aber zum Glück gibt es immer noch Platz und Nachfrage dafür. Und wer weiß: Gelungene Wiederholungen sind am Frequency ja keine Seltenheit.

apa

stol