Synergien nutzen und sie auch in innovativen Überschreitungen wirksam werden lassen, das ist das Credo des künstlerischen Leiters Matthias Mayr auch im folgenden Interview.<BR /><BR /><BR /><b>Die Tradition des Konzertvereins Bozen sieht die Kammermusik im Zentrum des Geschehens. Sie werden dabei auch für 2024 immer auch interessante und spannende Grenzüberschreitungen vornehmen und anbieten. Können Sie uns dazu etwas sagen?</b><BR />Matthias Mayr: Eine meiner Maximen ist das Schaffen von Synergie. Ich habe nach meiner ersten Saison als künstlerischer Leiter des Konzertvereins den Fokus auf Synergien und Partnerschaften gesetzt. Ich möchte zusammen mit dem Vereinsvorstand und unseren Partnern an der Idee der Programmierung feilen; zu unseren fixen Partner gehören ja das Südtiroler Kulturinstitut und die musikalische Jugend Gröden. In diesem Jahr veranstalten wir wieder mehrere Konzerte gemeinsam. Wir erweitern dann das Angebot partnerschaftlich auf Innsbruck und Trient, wo wir erfolgreich mit Antonio Carlini zusammenarbeiten. Dies zeitigt dann für die Besucherinnen und Besucher unserer Konzerte und auch die agierenden Künstlerinnen und Künstler überaus positive Ergebnisse. Und man schützt sich dabei gleichzeitig vor einer Konzertdichte, die niemandem guttut. Es gibt ein zu viel an musikalischen Angeboten in unserem Lande und dies hat nicht zuletzt mit Budgets und der reichen finanziellen Dotierung in unserem Lande zu tun.<BR /><BR /><b>Sie versuchen, dem Zuviel und dem immer Gleichen in unserem Konzertbetrieb entgegenzuwirken, zum Beispiel mit einem der nächsten Konzerte, dem Abend mit Chansons von Debussy, Enrique Granados und Robert Dussault?</b><BR />Mayr: Man muss eben Mut haben. Und es geht auch um eine Kunstform und um eine Darstellung, die sein muss. Die Entdeckung läuft über die Künstler selbst. Ich freue mich, dass ich bei fast jedem Konzert Künstler verpflichten kann, die bei uns noch nie aufgetreten sind. So war auch die mittelamerikanische Sopranistin Adriana Gonzales eine Entdeckung und sie bietet ein Programm mit Chansons von Enrique Granados und Debussy wie auch Caplet an. Gonzales stammt aus Mittelamerika und vermittelt in ihren Konzerten auch hispano-südamerikanische Inhalte über das französische Repertoire. Adriana Gonzales ist im vergangenen Sommer bei den Salzburger Festspielen an der Seite von André Schuen aufgetreten und ins Rampenlicht gerückt. Die Problematik dabei ist, diese großartigen Künstlerinnen und Künstler zu halten. Man benötigt dabei mit einem eingeschränkten Budget, wie dem unseren, viel Geschick, die Künstler so zu positionieren, dass sie nicht sofort an einer anderen Stätte wieder in einer neuen Opernproduktion verpflichtet werden. Man muss sich immer auch inhaltlich neu erfinden. Es geht darum, dass man auch die Locations anpasst und verändert, vor allem jetzt, wo in der nächsten Zeit das Bozner Konservatorium endlich saniert werden soll. Dann werden die Säle des Merkantilgebäudes, das Waltherhaus, das Cristallo-Theater, das Museion umso interessanter.<BR /><BR /><b>Am Beispiel der Sopranistin Adriana Gonzales haben Sie veranschaulicht, wie Sie sich auf die Suche nach Ensemble und Solistinnen und Solisten für den Konzertverein begeben. Was ist dabei noch wichtig? Unsere Konzertveranstalter vor Ort beschreiten da ganz unterschiedliche Wege?</b><BR />Mayr: Wie vorhin erwähnt, mit viel Synergie und in jeder Hinsicht neue Künstler und Ensembles entdeckend. Man muss dabei tief im Geschäft drinstecken. Dabei hilft mir mein Beruf als Gestalter der Sendung Klassiklounge. Ich zehre auch noch von meiner Zeit als Cellist und ebenso meiner 15jährigen Zeit in Lockenhaus und anderen Festivals. Das war eine gute Schule, Gidon Kremer und sein Team haben mir gezeigt, wo die erste „Kampflinie“ verläuft. Mit den klassischen Agenturen läuft man oft Gefahr, stets hoffnungslos hinterher zu hecheln. Ich mag ebenso auch das Unbekannte, neue Entdeckungen und natürlich auch einzelne Stars der Szene. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch der Star daran interessiert ist, sich neu darzustellen und zu erfinden. Im Hintergrund läuft ja meistens eine sehr starre Maschinerie ab, durch einengende Zeiträume und Programme. Ich merke aber, dass im persönlichen Austausch die größten Chancen liegen, jedes Gespräch wird gerne angenommen. Je mehr man die Künstlerinnen und Künstler direkt einbindet, desto eher lässt sich das Projekt auch als spannend-ungewöhnliches Projekt verwirklichen und die Frage nach der Gage rückt dann meistens in den Hintergrund. <BR /><BR /><b>Sie verfolgen auch Projekte mit den Schulen in Bozen. Können Sie unseren Lesern abschließend dazu etwas sagen?</b><BR />Mayr: Auf der Internetseite des Konzertvereins sind diese Projekte auch für 2024 ersichtlich, etwa in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schulamt Aktionen für die Schülerinnen und Schüler des Franziskanergymnasiums oder des Gymnasiums „Walther von der Vogelweide“. Es geht dabei darum, mit den Ensembles und Künstlern in die Schule zu gehen. Mir reicht es vollkommen, wenn auch nur eine Klasse aktiv eingebunden wird. Da mit den Fragen junger Leute in Kontakt zu treten, ist der erste Schritt in Richtung der Neugier junger Leute auf die E-Musik. Jugendliche, die sonst nie ins Konzert gehen würden. <BR /><BR /><b>Zur Person</b><BR /><BR />Matthias Mayr stammt aus Bozen, er hat 2021 die künstlerische Leitung des des Konzertvereins Bozen von Joseph Lanz übernommen. Der Cellist ist auch künstlerischer Leiter der KLANGfeste auf Schloss Runkelstein und Schloss Maretsch, künstlerischer Leiter von Pauls Sacral und 2009 hat er das Festival in Lockenhaus als Künstlerischer Leiter konzipiert.<BR /><BR /><BR />Nächste Termine: Das Amatis Trio ist heute, 31. Jänner, Gast des Konzertvereins. Das Programm umfasst Werke von Schubert, Beethoven, Liszt und Mendelssohn. Beginn: 19.30 Uhr, Konservatorium Bozen – Adriana González & Iñaki Encina Oyón treten am 22. Februar auf. Infos: www.konzertverein.org<BR />