Dienstag, 17. April 2018

Wanda: „Schlacht der Exstase“

Wanda ist wahnsinnig, Wanda ist aufregend, Wanda ist Liebe pur. Die wahrscheinlich erfolgreichste Austro-Pop Band aller Zeiten beglückt ihre Fans mit tiefgründig ehrlichen und manchmal auch schmerzhaft melancholischen Liedern über den hemmungslosen Rausch, mitleidlose Romantik, erbarmungslose Vergänglichkeit und die endlose Schönheit des kurzen Augenblicks. So auch kürzlich in Innsbruck. STOL war zum Interview verabredet.

Marco Michael Wanda beim STOL-Interview. - Foto: vs
Marco Michael Wanda beim STOL-Interview. - Foto: vs

Wir treffen ein in Innsbruck vor der Olympiahalle, werden sogleich freundlich begrüßt. Nicht von irgendwem, nein, direkt von Wanda-Bassist Reinhold „Ray“ Weber. Wo wir denn diese schönen Sonnenbrillen her hätten, fragte er gleich, er wolle die auch. Sofort ist das Gefühl da, Willkommen zu sein. Von Berührungsängsten oder Abgehobenheit keine Spur, keine Scheu. Keine Inszenierung. Hier ist wirklich alles echt.

Wanda. - Foto: Homepage/Wanda

Und dann kommt er: Der charismatische und sehr spezielle Wanda-Leadsänger und Songwriter Michael Marco Fitzthum, alias Marco Michael Wanda. Er winkt uns zu und bittet uns mit nach drinnen zu gehen. Aber gerne doch: Wir folgen dir!

Starke Botschaften

Auf unsere Erzählung hin, dass wir aus Südtirol kommen und es auch dort viele Wanda-Fans gebe, zeigte er sich erstaunt: „Ich wusste gar nicht, dass wir auch da so bekannt sind.“

Dann plaudern wir mit Marco weiter über das verrückte Tourleben, über Südtirol, Romantik, Respekt für die Fans und natürlich über „AMORE“. Und sind fasziniert von den starken Botschaften.

STOL: Ihr seid jetzt schon eine Weile auf Tour in Österreich, Deutschland und der Schweiz, wie kann man sich euer Tourleben vorstellen, wird man auch irgendwann müde und wisst ihr überhaupt immer, in welcher Stadt ihr gerade spielt?

Marco Michael Wanda: Ja, das wissen wir schon, wo wir spielen. Grundsätzlich hat sich unser aller Leben durch den Hype stark verändert. Wir sind praktisch seit 4 Jahren unterwegs. Das Leben hat sich zweigeteilt, wenn man so will. Man wird sensationsabhängig. Im gewöhnlichen Alltag passiert halt nichts, und auf Tour passiert eben alles. Es wechselt ständig hin und her. Es hat etwas Manisches, etwas Verrücktes. Es ist aber das Leben, das wir gewählt haben und ich glaube es ist ein sehr gutes Leben.

Südtirol Online: Ihr wart  ja vor zwei Jahren auch in Südtirol und zwar beim Kaltern Pop Festival. Wir Südtiroler vermissen euch sehr. Kommt ihr irgendwann zurück?

Marco Michael Wanda: Na, sicher. Natürlich! Viel zu lange ist es her. 

STOL: Marco, du bist ja ein sehr freiheitsliebender Mensch, der sich auch nicht viel sagen lässt. Gibt es trotzdem jemanden, auf den du hörst oder von dem du Ratschläge annimmst?

Wanda: Nein, absolut überhaupt nicht. Ich glaube niemandem, außer mir selbst. 

STOL: Und woher nimmst du deine Inspiration?

Wanda: Nein, zuerst muss man schon für sich selbst arbeiten. Man schreibt ein Lied für sich und wenn es einen selber nicht kickt oder rührt, wie soll es dann einen anderen rühren? Das ist wie auf der Bühne: Wenn man den Leuten sagt, macht was ihr wollt, können die das nie, wenn man nicht selber macht, was man will. 

STOL: Wenn heute eine gute Fee vorbeifliegen würde, was würdest du dir von ihr wünschen?

Wanda: Ich dachte an den Weltfrieden. Er würde die Welt aber in etwas Langweiliges verwandeln. Ich weiß nicht. Ich wünsche mir viel für die Menschen, ich weiß aber nicht was. Ich weiß es ja auch nicht besser. Ich wünsch mir einfach, dass sie ein gutes Leben führen, so gut sie können. Und dass ihnen nichts im Weg steht. Das wäre schön! 

STOL: Wenn du in romantischer Stimmung bist oder mit einer Frau oder einem mann zusammen bist, wo es romantisch sein soll, welche Musik hörst du dann?

Wanda: Buena Vista Social Club, diese kubanische traditionelle Musik. Dann noch ein guter Whiskey Sauer und… frische Bettwäsche.

STOL: Ihr wart ja auch in Italien auf Tour, habt Konzerte unter anderem in Bologna gespielt (Bologna, meine Stadt) Gibt es Unterschiede zwischen österreichischen und italienischen Fans?

Wanda: Nein, eigentlich nicht. Wir erleben jedesmal dieselbe „„Schlacht der Exstase““. Ich spiele für alle Menschen gleich gern. Und ich spiele jedes Konzert, als wäre es mein Letztes. Das haben sich die Fans verdient, das kostet alles Geld. Viele sparen lange um sich ein Ticket kaufen zu können. Ich schulde Ihnen, dass ich mich voll hineinwerf. 

STOL: Es gibt in eurem Leben bestimmt unzählige verrückte Momente.

Wanda: (lacht) Es läuft grad ein Film ab in meinem Kopf…..Ja, verrückte Erlebnisse (lacht)

STOL: Welches aber war das verrückteste, das dir passiert ist oder du selber generiert hast?

Wanda: Um Gottes Willen. Da passiert so viel komisches Zeug. Da geht auch einiges kaputt oder so... in der Euphorie. Ja, Stadthalle Wien ist so ein Erlebnis. In der eigenen Stadt. 14.500 auszuverkaufen. Das war heftig.

STOL: Also ganz viel „Amore“ in der Wiener Stadthalle?

Wanda: Ja, das kannst' annehmen. (lacht)

STOL: Und wenn wir schon beim Thema sind, was bedeutet Liebe für dich?

Wanda: Im Moment ist es dieses Bandgefüge, das sind mir die liebsten Menschen, dass ich mit denen unterwegs sein darf, schon seit so vielen Jahren. Das ist mir das größte Glück. Unfassbar. 

Konzert in Innsbruck

Das anschließende Konzert ist an „Amore“ wirklich kaum zu übertreffen. Wanda in seiner vollen Pracht, Wanda, wie es leibt und lebt.

Wanda lebt ihre Musik, man spürt die Begeisterung für das was sie tun und nimmt die Leute von Anfang an mit. Vom kleinen Zeh bis in die Haarspitzen, die gesamte Halle in Amore gehüllt. „AMORE“ auf beiden Seiten. Bis sie miteinander verschmelzen. 

Da fliegen Bussis noch und nöcher, die Schatzi-Fans, wie Wanda das Publikum dauernd nennt, werden mit Musik und Liebe nur so überhäuft, die Halle bebt. Neben Bussis verschenkt Wanda auch Bierdosen, die sie in die feiernde Menge wirft, Marco verteilt außerdem angerauchte Zigaretten und Saft an die erste Reihe. Auch an Umarmungen mangelt es auf der Bühne nicht. SCHÖN.

„Nehmt’s die Scheiß-Handys runter“

Bei ihrem Mega-Hit „Columbo“ dann, zücken gefühlt dreiviertel der Leute ihre Handys und Wanda musste eingreifen: „Nehmt’s die Scheiß-Handys runter“, brüllt Marco seinem Publikum entgegen. „Das ist nicht wichtig! Das ist nicht wirklich.“ 

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Erst als die Leute der Aufforderung nachkommen (mehr oder weniger), legt Wanda wieder los, eskaliert und zelebriert weiter ihr „AMORE“. „Wer jetzt nicht springt, ist selber schuld und hat nichts kapiert!!“ Und jeder in der Halle hat's kapiert.

Marco von Wanda hat im Interview definitiv nicht zu viel versprochen: Sie spielten, als wär's das Letzte, was sie tun. Ganz nach dem Motto: „Gib mir alles Baby, alles Baby, was du hast!“

Interview: Verena Stefenelli

stol