Freitag, 10. April 2015

Was für ein Gletscherschauspiel: Hannibal im Höhenrausch

Der Rettenbach Gletscher ist ein Tier. Auf seiner tausende Jahre alten Elefantenhaut spielt ein Schauspiel, das seinesgleichen gar nicht sucht: Hannibal überquert die Alpen. Nur hier. Am 17. April in Sölden.

Keine Mühen werden gescheut für Hannibal. Foto: Ötztal Tourismus Sölden
Keine Mühen werden gescheut für Hannibal. Foto: Ötztal Tourismus Sölden

Kein Bühnenrand, kein Schnürboden, kein Orchestergraben, nichts kann Hannibal am Rettenbachferner aufhalten. In dieser Eiswelt inmitten der Dreitausender der Ötztaler Alpen ist die Szenerie so großartig, wie die Berge selbst.

300 Spitzensportler, Piloten der Flying Bulls, Tänzer und Bergsteiger, ein ganzer Ort ist auf den Beinen, wenn 37 Pistenbullys über den Gletscher stampfen: die Elefanten.

“Das Projekt Hannibal ist auch im internationalen Maßstab zu einer Trademark von Sölden, des Ötztales, für Tirol und die gesamten Alpen geworden”, sagt Jack Falkner von den Bergbahnen Sölden. Red Bull Chef, Dietrich Mateschitz persönlich, und Falkner standen 2001 an der Wiege der Idee, Ski- und Flugsport in einen klassisch-mythologischen Kontext zu stellen und mit zeitgenössischer Ästhetik umzusetzen.

 

Keine Mühen werden gescheut für Hannibal. Foto: Ötztal Tourismus Sölden

Lebensgeschichte Hannibals

Das Künstlernetzwerk Lawine Torrèn inszeniert die Lebensgeschichte Hannibals als atemberaubendes Gletscherschauspiel um Machtstreben, Leadership, Intrigen und Weltpolitik, als ein House of Cards aus Schnee. Dem Bild der westlichen Welt wurde vor über 2000 Jahren ein Grundstein gelegt: Rom und nicht das afrikanische Karthago stieg zur beherrschenden Macht auf. Um ein Haar wäre es anders gekommen. Die Geschichte jedoch holt uns ein, führt uns vor. Ausgangspunkt für den arabischen Frühling war wieder einmal Karthago, das Tunis der Gegenwart.

Bühne am Rettenbach Gletscher

Die fantastische Bergwelt des Rettenbach Gletschers und der Himmel persönlich bauen die Bühne für dieses Volksschauspiel im Großmaßstab. Die Bergbahnen fügen eine 20 Meter hohe Schneepyramide hinzu und bringen das Publikum mit Bussen an den Rand jenes Parkplatzes, der den Zuschauerraum bildet. So unglaublich der Schachzug Hannibals anmutet, mit Elefanten den Alpenhauptkamm zu überqueren, so atemberaubend ist die Naturkulisse auf 3000m Seehöhe: einmal still, einmal donnernd, breitet sich eine präzise Choreographie von Tänzern und Lawinen, Pistenbullys, Flugzeugen, Helikoptern und Skidoos, Fallschirmspringern und Skifahrern über den Gletscher aus.

Die Roten Bullen

Athleten von Red Bull, beflügelte Geister, die mit ihren Körpern wagen, was die meisten von uns sich nur schwer vorstellen können, sind im Theater als Darsteller engagiert. Sie sind Teil einer Geschichte, die sie an einen Mythos wieder anbindet, aus dem sie ursprünglich vielleicht sogar geboren wurden.

Vom Himmel fallen die Geretteten in Gestalt von B.A.S.E Jumpern der Flying Bulls. Das historische Flugzeug, eine B 25,  dröhnt lautstark über die Gipfel der Einzeigerspitzen, die in der späten Dämmerung wie Scherenschnitte den rechten Bühnenrand begrenzen.

Am gegenüberliegenden, etwa 3km entfernten Bergkamm der Äußeren Schwarzen Schneide, 3257m , wird wenig später donnernd eine Lawine zu Tale stürzen. Die Alpenüberquerung Hannibals ist deshalb für kurze Zeit gefährdet, erscheint schier unmöglich. Dem Zuschauer am nahen Gletscherparkplatz in 2700m Höhe, wird sie einen gehörigen Schrecken einjagen. Sie wollen davon laufen, sich retten. In der Bühnenmitte steht der 3107m hohe Karleskogl. Im Stück stellt dieser den Felskopf von Gibraltar dar.

Eine Halskette aus bengalischen Feuern wird um den Nacken des bizarren Berges gelegt und lenkt so die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Affen von Gibraltar, die schon damals die afrikanischen Krieger in Spanien empfangen hatten. 

Harald Krassnitzer erzählt die Geschichte in einem mitreißenden Soundtrack. Die enorme Größe des Raumes während der Dämmerung bis zur Finsternis erschließt sich durch ausgefeilte Lichttechnik und Special Effects. Breaking News des TV-Senders KarthagoTV, der im Stück eine eigen Rolle spielt, berichtet direkt aus dem Studio neben der Schneepyramide, die einmal Karthago, einmal Rom darstellt. So wird Fernsehen wortwörtlich zum Fernglas bis hinauf zu den Gipfelpunkten der Szenerie.

“Zehntausende Besucher sind der Multiplikator einer Bühnenkunst, die direkt die Sinne adressiert. Sie spielt in einer Landschaft, die wir in ihren eiszeitlichen Formen zeigen können. Tagsüber achten die tausenden Skifahrer eher auf die Pistenmarkierungen, unsere Zeichen der Zivilisation. An diesem Abend jedoch, wenn die Ruhe der Berge von den Flanken herabrinnt und den Platz flutet, blicken ihre Augen gespannt hinauf zu den bizarren Formen aus Eis und Schnee. In einer Welt der Medienbilder weist dieses Naturschauspiel in die Zukunft, wirkt dem Verlust von Landschaft entgegen. Ein wohldurchdachtes Abenteuer, das vollkommen analog in Echtzeit abläuft”, so Regisseur Hubert Lepka.

Bühne aus Eis und Schnee

Auf dem Gletscher von Sölden entsteht Karthago aus Schnee und Licht, ein 67 minütiges verdichtetes Geschehen, das zugleich poetisch ist und in eindrucksvollen Bildern den Spuren Hannibals inmitten bizarrer Gletscherbrüche eine neue Sicht abgewinnt.

 

Auf dem Gletscher von Sölden entsteht Karthago aus Schnee und Licht: Und das alles für Hannibal. Foto: Ötztal Tourismus Sölden

Die Geschichte: Aufstieg und Fall von Karthago und Rom

218 v. Chr. überquerte Hannibal aus Karthago in nur zehn Tagen mit 60.000 Mann und 37 Elefanten die Alpen. Er überwand steile Bergflanken, das sich plötzlich ändernde Wetter, die Lawinen und besiegte Italien. Trotz militärischer Überlegenheit verzichtete Hannibal jedoch auf die Eroberung Roms. Ein Verzicht mit historischen Konsequenzen: Dem Zögern folgte die Niederlage gegen die Römer unter Scipio in der Schlacht bei Zama. Rom stieg zur beherrschenden Weltmacht auf, Karthago versank in Bedeutungslosigkeit.

Ernst Lorenzi, der Initiator des Projekts und leidenschaftlicher Fotograf, beschreibt seine Lieblingsszene: "Auf der Gletscherzunge tobt die Schlacht von Zama. Unmittelbar vor den Zuschauern unterliegt Hannibal seinem römischen Widersacher Scipio. Während Menschen und Maschinen in einem chaotischen Sturm dem Höhepunkt zusteuern, macht sich Hannibal aus dem Schneestaub, in aller Stille, kopfüber am Hubschrauber hängend begeht er Selbstmord.”

Kartenvorverkauf via Mail oder Telefon

Bergbahn Sölden +43 5254 508 113, [email protected]

oder Ötztal Tourismus +43 52700

stol