Philipp Burger von Frei.Wild und Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen – klingt wie Feuer und Wasser. Musikalisch. Der eine: ein Rebell, der von Suizid, verbotener Liebe, Aids, dem Coronavirus, Egoismus, Neid, Gier, Machtstreben rockt. Der andere: ein Gentleman auf der Bühne, der Lieder von Heimat, Liebesgeschichten zwischen einem Bergburschen und einem Stadtmädel und Sehnsucht singt. Aber auch von Spielsucht, Alkoholismus, Einsamkeit. <BR /><BR /><b>Philipp Burger und Norbert Rier – musikalisch trennen Sie Welten. Was verbindet Sie?</b><BR />Philipp Burger: Die Liebe zur Musik, die Liebe zur Heimat, zur Landwirtschaft und vor allem die Lust, mit unseren Liedern auch andere Herzen zu erreichen. Und das ziemlich erfolgreich.<BR />Norbert Rier: Wir gehen beide unseren Weg und sind von der Musik, die wir machen, überzeugt. <BR /><BR /><b>Herr Rier, können Sie aus dem Stegreif den Refrain eines Frei.Wild-Songs mitsingen?</b><BR />Norbert Rier: Frei.Wild-Texte sind gut, aber man kann schwer mitsingen. <BR /><BR /><b>Herr Burger, wie geht’s weiter: „Tränen passen nicht zu dir…“</b><BR />Philipp Burger: „... viel zu schade sind dafür deine Augen, mein schönes Kind …“<BR /><BR /><embed id="dtext86-54833137_quote" /><BR /><BR /><b>Was schätzen Sie am anderen als Künstler?</b><BR />Norbert Rier: Ich schätze Philipp für seine offene und ehrliche Art. <BR />Philipp Burger: Ich mag Norberts Bodenständigkeit und vor allem seine unbeschwerte Art und seinen Humor. <BR /><BR /><b>Schätzen Sie sich gegenseitig als Musiker und geben Sie dem anderen auch mal einen beruflichen Ratschlag?</b><BR />Philipp Burger: Naja, es wird schwer, den Spatzen irgendeinen Rat zu geben, ich glaube, wer auf so ein Lebenswerk zurückblickt, ist sein eigener und bester Rat.<BR />Norbert Rier: Musikalisch benötigen die Burschen von uns keinen Rat. <BR /><BR /><b>Wenn Frei.Wild über Südtirol singt, hagelt es (zumeist) Proteste, wenn es die Spatzen tun, schunkelt Deutschland. Es würde also auch anders gehen, Herr Burger!</b><BR />Philipp Burger: Ja, wenn wir die E-Gitarren weglassen würden und wir auch einen Deal bei Universal hätten (lacht). Nein, es ist alles gut so, wie es ist, Rockmusik soll auch gerne diskutiert werden, darin liegt ihr Geist. <BR /><BR /><b>Herr Rier, den Musikern von Frei.Wild bläst oftmals scharfer Wind von der deutschen Presse entgegen. Hätten Sie schon das Handtuch geworfen?</b><BR />Norbert Rier: Ich staune immer wieder darüber, wie Frei.Wild den Anfeindungen standhält. Die Burschen geben aber nicht auf, sonst würden Sie ihren Kritikern recht geben. Meine Meinung: Neid muss man sich hat erarbeiten, nur Mitleid ist geschenkt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-54833138_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Die Spatzen feiern 2023 ihr 40. Bühnenjubiläum, sind also „alte Hasen“ in der Musikbranche. Was können sie vom „jungen“ Frei.Wild dennoch lernen?</b><BR />Norbert Rier: Frei.Wild sind medial bestens aufgestellt. Übers Internet sind die hervorragend organisiert.<BR /><BR /><b>Herr Burger, was haben die Spatzen aus Ihrer Sicht richtig gemacht?</b><BR />Philipp Burger: Sie haben durch Fleiß und Ehrgeiz, vor allem aber durch gegenseitiges Vertrauen und Leidenschaft an ihrem großen Traum festgehalten und können nun auf eine unfassbar schöne Vita zurück blicken.<BR /><BR /><b>Warum gehören die Kastelruther Spatzen auf die Alpen-Flair-Bühne?</b><BR />Philipp Burger: Weil sie einfach super ins Konzept passen und es beim Alpen Flair schlichtweg keine Grenzen geben soll. Es muss nicht zwingend hart sein, um zu rocken!<BR />Norbert Rier: Wir stehen nun schon zum dritten Mal beim Alpen Flair auf der Bühne. Vor unserem ersten Auftritt hatten wir ein mulmiges Gefühl – dies waren nicht unsere Fans. Aber dann wurden wir so herzlich aufgenommen, die Festival-Besucher sangen unsere Lieder textsicher mit (und trugen ihn auf Händen; nicht nur Rocker lieben das „Stagediving“, Anm. d. Red.), und nach dem Konzert erzählten mir die Menschen, sie selbst oder ihre Eltern hören gern Spatzen-Lieder. <BR /><BR /><b>Schon mal über ein Spatzen-Frei.Wild-Lied nachgedacht? Wo würden sich die beiden Genres treffen?</b><BR />Philipp Burger: Zwischen Klausen und Waidbruck (lacht).<BR />Norbert Rier: Schauen wir mal, Philipp hat viele gute Ideen... Wir standen schon vor Jahren für den Benefizsong „1000 Meilen, 1000 Worte“ im Rahmen des „Wilde Flamme“-Projekts von Philipp gemeinsam am Mikro. Die Erlöse damals gingen an das Kinderdorf.<BR /><BR /><b>Wenn es nicht um Musik geht, worüber sprechen die Frontmänner der berühmtesten Südtiroler Musikgruppen miteinander?</b><BR />Philipp Burger: Wir sprechen nur selten über Musik, und schon gar nicht über Noten oder Kompositionen. Am Liebsten sprechen wir über über die Landwirtschaft, über lustige Tourgeschichten. <BR />Norbert Rier: Über unsere Bauernhöfe, etwa den richtigen Einsatz von Maschinen, unsere Tiere und aktuelle Themen.<BR /><BR /><BR />ZU DEN PERSONEN<BR /><BR />Wird <Fett>Norbert Rier</Fett> aus Kastelruth, Jahrgang 1960, nach „Beruf“ und „Hobbys“ gefragt, erklärt er, dass diese identisch sind. Zum einen ist er aus Leidenschaft Landwirt, zum anderen kann er sich kein Leben ohne Musik vorstellen. Seine Berufe, Musiker und Landwirt, sind also auch seine Hobbys. Die Kastelruther Spatzen gehören mit über 15 Millionen verkauften Tonträgern, 13 Echos und über 100 Goldenen Schallplatten zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Volksmusikgruppen. <BR /><BR />Wenn Frei.Wild-Sänger <Fett>Philipp Burger</Fett> aus Brixen, Jahrgang 1981, nicht gerade Zehntausenden Frei.Wild-Fans Liedzeilen wie „Erstens, du bist ein Arschloch, zweitens, warst immer ein Arschloch, drittens, du bleibst ein Arschloch ...“ entgegensingt, ist er „ein Steuern zahlender Musiker, Kirchgänger und Landwirt“ und Fischer. Ein „solider Familienmensch“, für den Frau und Kinder „Lebenssinn, heiliger Hafen, emotionaler Ackerboden“ sind. Frei.Wild<BR />